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Blickpunkt

Konfirmation – und Ende?

Bezugsperson

picture alliance/Panther MediaGlücklich ist, wer eine Patin, einen Paten bekommt, die oder der einen durchs Leben begleitet.

Mit dem Tag der Konfirmation endet die Patenschaft. So steht es in der Lebensordnung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Und was dann? Und wie funktioniert eigentlich eine gute Patenschaft?

Susanne Berg feierte neulich einen runden Geburtstag. Ihre Geschwister überlegten sich als Geschenk etwas ganz Besonderes: Sie ist nun für einen Zeitraum von fünf Jahren Patin mehrerer Weinstöcke in Rheinhessen – mit Urkunde besiegelt. Das Patenamt beschränkt sich darauf, einmal im Jahr eine Kiste des Traubenertrages frei Haus geliefert zu bekommen. Der Winzer heftet auch ein Namensschild der Patin an die Rebstöcke, in einem feierlichen Event im Herbst. Daran kann sie teilnehmen, muss sie aber nicht. Ansonsten sind keinerlei Aufgaben verbunden mit dieser Patenschaft. Kein Beschneiden der Reben, kein Pflücken der Trauben, kein Einfüllen in Flaschen.

Es bleibt Privatsache, wie sich die Beziehung gestaltet

Wer Patin oder Pate wird in der evangelischen Kirche, hat da schon mehr Aufgaben. Tatsächlich? Zunächst mal muss sie oder er Mitglied der Evangelischen Kirche sein und erklären, sein Patenkind im christlichen Glauben zu erziehen. Was darunter zu verstehen ist, bleibt vage. Die Verantwortlichen der Kirche fragen kein Wissen ab bei Menschen, die Paten werden möchten. Auch eine Wertedebatte führen sie nicht. Und wie die Beziehung sich dann gestaltet, bleibt Privatsache.

Paten müssen nicht an Elternstatt einspringen

An dieser Stelle sei gleich gesagt: Es gibt keine rechtliche Verbindlichkeit, dass Paten an Elternstatt einspringen müssen, wenn diesen etwas passiert – rein formal. Und inhaltlich existieren keine Studien mit Erfahrungswerten, wie solche Beziehungen aussehen, sagt Pfarrerin Doris Joachim-Storch vom Zentrum Verkündigung der Landeskirche. Sie weiß nur aus persönlichem und amtlichem Erleben von einer Reihe reichlich missglückter Patenschaften. Sie sei selber eine nachberufene Patin. Die Eltern und das Kind waren mit ihrem Paten nicht zufrieden. Dann kann eine andere Person an die Stelle treten, das war in dem Fall sie. »Das wurde aber nicht im Gottesdienst verkündet«, erinnert sich Joachim-Storch. Wobei sie das schöner gefunden hätte.

Paten können auch nachberufen werden

Wer sich mit solchen Beziehungen auch gut auskennt, ist die Lampertheimer Pfarrerin Sabine Sauerwein. »Ein Patenamt kann die Kirche nicht aberkennen, nicht einfach herausstreichen aus dem Kirchenbuch«, erklärt sie. Man könne nur einen Vermerk machen und einen weiteren Paten berufen. So einen Fall hat sie im aktuellen Konfirmandenjahrgang. »Der Pate hat sich nicht bemüht um sein Patenkind, jedenfalls nicht die vergangenen fünf, sechs Jahre«, sagt sie. Eine gute Freundin der Familie sei in diese Bresche gesprungen, »damit der Junge wenigstens im Konfi-Jahr eine Begleitung hat«.

Es wird immer schwieriger, Paten zu finden

Lebenssituationen änderten sich, Beziehungen entwickelten sich auseinander, erklärt die Pfarrerin. Auch werde es immer schwieriger, Paten zu finden, weil viele Menschen aus der Kirche ausgetreten seien. Es sei durchaus üblich, nur einen Paten zu haben. Und wenn der ausfällt, wird es schwierig.
Bei einer Nachberufung lade sie die Familie mit Paten ein zum nächsten Taufgottesdienst. »Wir treffen uns am Taufbecken. Die Kinder sind meist zwischen acht und 13 bis 14 Jahren. Ich frage, ob sie oder er das Kind als Christ begleiten will. Das sind dann oft anrührende Momente«, beschreibt Sauerwein. Wenn es mit dem Patenamt nicht geklappt habe, lägen in der Familie in der Regel Verletzungen vor. Das kleine Ritual solle helfen zu heilen.

Konfirmanden beschäftigen sich ernsthaft mit Religion

Sie spreche mit ihren Konfirmanden über ihre Paten. »Manche erzählen voller Stolz, andere kennen nicht mal den Namen ihres Paten oder ihrer Patin«, berichtet die Pfarrerin. Wenn das Verhältnis kein gutes sei, mache es den jungen Leuten etwas aus.
»Ich habe mich immer mehr geärgert über das Argument, dass sich junge Leute nur konfirmieren lassen wegen der Geschenke«, sagt Lisa Neuhaus, Pfarrerin in Ruhe in Frankfurt. Dagegen stehe, wie ernsthaft sich Konfirmanden mit Religion beschäftigten. Denn in diesem Alter seien sie auf der Suche nach Sinn, würden mit dem Tod konfrontiert, wenn die Großeltern stürben, zudem seien sie auf der Suche nach sich selbst.

Als Familienfest steht die Konfirmation fest im Kalender

Dann passiere es, dass sich junge Leute im Zeitraum des Konfirmandenunterrichts gegen die Bestätigung der Taufe entschieden. »Bei meiner eigenen Tochter war das so«, sagt Neuhaus. Sie habe sehr ernsthaft mit ihren Patinnen, zwei Pfarrerinnen, über das Für und Wider diskutiert. »Und es geht ja wirklich um die Entscheidung der jungen Leute, das ist nicht Sache der Familie«, findet Neuhaus. Als Familienfest stehe die Konfirmation aber meist schon lange fest im Kalender. Auch ihr Mann sei sehr enttäuscht gewesen, fand es geradezu gemein, denn er liebe Familienfeste. »Ich bin stolz auf sie«, sagt hingegen die Mutter, »dass sie sich so ernsthaft damit auseinandergesetzt hat.«

Das Patenamt endet mit der Konfirmation des Täuflings

Das Kind ist heute 28 Jahre alt und begeisterte Patin. Hat man den Konfirmandenunterricht mitgemacht, kann man beim Kirchenvorstand die Rechte an der Konfirmation beantragen, genauso übrigens wie alle getauften Erwachsenen. Wer ein Patenamt übernehmen möchte, braucht das. »Gerade mit denjenigen, die sich im Laufe des Unterrichts gegen eine Konfirmation entschieden haben, habe ich heute noch Kontakt«, sagt Neuhaus. Die »Verweigerer« seien zur Konfirmation gekommen, haben geheult und waren sehr traurig. »Aber sie müssen ihren eigenen Weg gehen«, sagt sie. Für die anderen ist der große Tag eher mit Freude verbunden. Aber auch hier liegt Wehmut in der Luft. »Das Patenamt als kirchliches Amt endet mit der Konfirmation des Täuflings.« So steht es kurz und klar in der Lebensordnung der EKHN. Deshalb hat Neuhaus in ihrer aktiven Zeit ein Ritual eingeführt: die Entbindung vom Patenamt.

Pfarrerin entbindet Eltern sowie Paten

 »Es ist ja im wahrsten Sinne des Wortes eine Entbindung – und eine Art Mündigkeitsritus«, erklärt sie. »Wo Pflichten enden, entsteht Raum für Neues: Auch Konfirmierte brauchen weiter Begleitung und Rückhalt. Wir möchten daher auch Ihnen Gottes Segen mitgeben für den weiteren Weg mit diesen Mädchen und Jungen«, heißt es im Ritual zur Entbindung von Eltern und Paten.
»Es geht darum, die Beziehung weiterhin zu gestalten«, sagt auch Sabine Sauerwein. »Das geschehe auf der Grundlage des bisher Erreichten, manchmal bis ins hohe Alter.« Denn eine Bezugsperson außerhalb der Kleinfamilie mit guter Beziehung zu Eltern und Kind bleibt wichtig. In gelungenen Beziehungen feiert die Patin den 18. Geburtstag mit ihrem Patenkind, ist selbstverständlich Gast auf der Hochzeit, bleibt Teil des Lebens ihres »ehemaligen« Patenkinds.
Von Andrea Seeger

Doris Joachim-Storch (Herausgeberin): »Übergänge I. Taufe, Konfirmation, Trauung«; Materialbuch 129 des Zentrums Verkündigung der EKHN, Frankfurt 2018; 17,80 Euro.

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