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Meinung

Schwarz

Schwarze Schminke ins Gesicht und ab ins Fastnachtsgetümmel? So einfach ist es nicht. Es lohnt sich, über das eigene Verhalten nachzudenken.

Peter BongardWolfgang Weissgerber

Es könnte so einfach sein: Etwas schwarze Schminke ins Gesicht, eine lustige Perücke auf den Schopf, und ab ins Fastnachtsgetümmel als »Neger«. Doch so einfach ist es nicht, nicht mehr. Schon diese Bezeichnung für Menschen mit dunkler Hautfarbe gilt als abfällig. Wessen Haut immer und nicht nur an närrischen Tagen dunkel ist, der empfindet das »Blackfacing« – sich das Gesicht zu schwärzen – womöglich als diskriminierend. Es lohnt sich, darüber und über das eigene Verhalten nachzudenken.

Die Gesellschaft ist sensibler geworden, was Rassismus betrifft. Das ist gut so, auch wenn mancher Fastnachter sich dadurch in seinem Hang zur Ausgelassenheit ein wenig eingeschränkt fühlen mag. Es ist auch nicht zu verhehlen, dass zu viel politische Korrektheit zur Spaßbremse wird und Widerstand provoziert. Unterschwellig steckt sogar im Kampf gegen das »Blackfacing«, soweit ihn nicht die unmittelbar Betroffenen führen, sondern wohlmeinende Weiße als deren selbsternannte Stellvertreter, ein Stück Rassismus. Denn damit erscheint entgegen der angeblichen eigenen Unvoreingenommenheit die dunkle Haut nun doch als Makel: Die armen Schwarzen müssen schließlich ihr ganzes Leben so herumlaufen und können sich nicht wieder abschminken.

Der Ursprung des »Blackfacing« liegt vermutlich bei den heute als rassistisch kritisierten »Minstrel«-Shows in den USA des 19. Jahrhunderts. Dort traten weiße Musiker als Karikaturen schwarzer Sklaven auf. Das war wirklich Rassismus, nichts anderes. Sie brachten das auch nach Südafrika, wo Sklaven – aus Südostasien und der schwarzen Urbevölkerung stammend – den Spieß kurzerhand umdrehten: Am 2. Januar hatten sie traditionell frei und feierten dies mit weiß geschminkten Gesichtern und in bunten Fräcken, um die niederländischen Kolonialherren zu verhohnepipeln.

Mit quietschbunten Kostümen lebt dieser Brauch in Kapstadt am 2. Januar jedes Jahres bis heute fort. Nach Überwindung des Apartheid-Systems der Rassentrennung vor einem Vierteljahrhundert sind dort wie auch immer geschminkte Gesichter überhaupt kein Problem.

Kein Problem mit dem »Blackfacing« hat auch mein aus der Karibik stammender Freund Roy, trotz seines sehr dunklen Teints. »Ein bisschen Spaß an Karneval darf ruhig sein«, sagt der in England aufgewachsene und seit Jahrzehnten in Südhessen lebende Germanist, der aus Sorge um die Folgen des Brexit seinen britischen Pass um einen deutschen ergänzt hat. Wobei »Spaß« nicht bedeutet, unter dem Deckmantel karnevalistischer Freiheit mit wulstigen Lippen, einem Knochen im Haarschopf und einem Bastrock um die Hüften ein dann doch rassistisches Zerrbild vom dunkelhäutigen Wilden zu zeichnen.

Mit viel größerer Sorge erfüllt meinen schwarzen Freund, der das »Blackfacing« auch aus seiner englischen Heimat kennt, der Rassismus in deutschen Fußballstadien. Mich auch. Es ist einfach nur widerlich, wenn Zuschauer Affenlaute von sich geben, sobald ein dunkelhäutiger Spieler in Ballbesitz kommt. Vergangene Woche haben Fans des Vereins SC Preußen Münster darauf die passende Antwort gegeben. Sie identifizierten einen Urheber solcher Laute gegenüber Ordnungskräften, so dass der junge Mann nun Stadionverbot und eine Anzeige wegen Volksverhetzung am Hals hat.

Der Rassismus hat zwei nicht minder hässliche Brüder: den Antisemitismus und die Homophobie. Für keinen der drei darf es Platz geben: nicht im Stadion, nicht auf der Straße, auf Schul höfen und in Betrieben, nirgends in der Gesellschaft. Und ja, Diskriminierung wegen der Hautfarbe, des Glaubens oder der sexuellen Orientierung fängt im Kleinen an, mit unbedachten Bemerkungen oder achtlosem Auftreten. Auch was nicht böse gemeint ist, kann böse an kommen. Jeder kann darauf achten. Auch an Fastnacht, im Indianerkostüm, als Scheich oder mit schwarzer Schminke im Gesicht. Von Wolfgang Weissgerber

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