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Musik

Die Orgel wird größer, schöner, unerhört

Jörg EchtlerAn die kahle Hauptempore muss sich die Gemeinde in Heddernheim noch gewöhnen.

Frankfurt . Mit der Aussicht auf ein neues, ungewöhnliches Instrument hat für die Thomasgemeinde in Frankfurt-Heddernheim eine Zeit ohne Orgel begonnen.

esz / Cornelia RostKantor Tobias Koriath freut sich auf die neue Orgel.

Am Ende geht alles ganz schnell: Nur wenige Tage brauchen die Mitarbeiter der Licher Orgelbauwerkstatt Förster Nikolaus, um die Orgel in der Thomaskirche von Frankfurt-Heddernheim abzubauen. Die rund 1200 Pfeifen liegen nun sauber geordnet auf der Seitenempore – von der mehrere Meter hohen Prospektpfeife bis hin zum Millimeter-Winzling. Auch im Altarraum lagern zum Ende des Abbaus noch hölzerne Windladen und Pfeifenstöcke. An den orgellosen Zustand, die kahle Hauptempore, wird sich die Gemeinde gewöhnen müssen. Denn er wird rund 15 Monate andauern. In dieser Zeit wird ein kleines Instrument am Altar, ein Orgelpositiv den Gesang begleiten.

Vor dem Abbau gab es ein gebührendes Abschiedskonzert. Dabei ist es, was viele trösten mag, kein Abschied für immer – die Orgel kommt wieder. Größer und schöner soll sie dann sein, technisch up to date und mit einigen, in Frankfurt bisher unerhörten Neuerungen. Die Vorfreude steht Kantor Tobias Koriath ins Gesicht geschrieben. In den vergangenen Jahren haben er und die Mitglieder des Kirchenvorstands für das Projekt getrommelt, das nun umgesetzt wird.

Orgel vom Staub der Vergangenheit befreit

Im Rahmen einer Ausreinigung werden die Teile der Orgel vom Staub der vergangenen drei Jahrzehnte befreit – entscheidend für eine einwandfreie Funktion. Zugleich ist auch die Elektrik des Instruments in die Jahre gekommen und entspricht nicht mehr den Sicherheitsstandards. Über diese notwendige Instandsetzung hinaus entschloss sich die Gemeinde zu einer Erweiterung: Die bisherigen Stimmen der 1952 erbauten Thomasorgel bleiben erhalten. Ihre neobarocke Charakteristik – helle, klare, obertonreiche Klänge – wird aber ergänzt durch ein Schwellwerk mit sechs neuen, weichen, romantisch intonierten Registern. Sie ermöglichen dann einen stilistisch angemessenen Vortrag von Orgelwerken des 19. Jahrhunderts. In avantgardistische Klangwelten stoßen schließlich die weiter geplanten Ergänzungen vor: Winddrosseln erlauben es, den Winddruck während des Spiels zu verändern. Die so erzeugten Töne mögen das an traditionelle Orgelmusik gewöhnte Ohr zunächst ziemlich irritieren, eröffnen dem Instrument und seinen Spielern aber völlig neue Möglichkeiten.

Innovative Orgelmusik

Noch innovativer und eine Premiere für Frankfurt ist die sogenannte Einzeltonansteuerung: Dabei kann von jeder Taste jeder beliebige Ton der Orgel angespielt werden. Dies ermöglicht ganz freie Klang- und Obertonmischungen ohne die bisherigen Beschränkungen auf Teilwerke, feste Koppeln oder Oktavlagen. Technisch realisiert wird das durch 1350 Wippmagnete und eine digitale Registrieranlage, das sogenannte Bussystem. Von Jörg Echtler

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