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Engagement für Randgruppen

Fritz Delp geht in den Ruhestand

WORMS. Von Lampertheim über Griechenland und Spanien zurück nach Worms. Fritz Delp war in seinem Leben schon an vielen Orten tätig, und doch ist die nächste Station Neuland für den 65-Jährigen: der Ruhestand.

eöa/Roland KundelIn der Wormser Luthergemeinde habe er sich stets getragen gefühlt, sagt Fritz Delp rückblickend.

Gegen Rechtsextremismus zu sein muss man Fritz Delp ganz sicher nicht erst beibringen. Als Neffe des Jesuitenpaters Alfred Delp, der Mitglied der Widerstandsorganisation Kreisauer Kreises war und den die Nazis 1945 hinrichteten, stand der Pfarrer der Wormser Luthergemeinde stets in der ersten Reihe, wenn es darum ging, dem rechten Milieu entgegenzutreten. Als die NPD vor einigen Jahren vor seiner Kirche demonstrierte, ließ Delp den Neonazis das Glockengeläut seiner Kirche ordentlich in den Ohren scheppern. Das politische Krippenspiel auf dem Wormser Weihnachtsmarkt, von Delp ins Leben gerufen, hat Tradition.

Engagement für deutsch-polnische Verständigung

Darüber hinaus engagiert sich der Pfarrer seit mehr als 20 Jahren für die deutsch-polnische Verständigung. Er arbeitete bei einem Ausstellungsprojekt der Gedenkstättenkommission der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung mit und organisierte Gemeindefahrten nach Krzyżowa, das frühere Kreisau. Als Vorstand der Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944 half Delp dabei, Tagungen in der Gedenkstätte auf die Beine zu stellen. So hält er die Erinnerung an seinen berühmten Onkel wach.
Die Wormser Luthergemeinde muss aber bald ohne Delp auskommen. Der 65-Jährige verabschiedet sich am 1. August aus der Gemeinde und tritt seinen Ruhestand an. So ganz verlieren die Wormser ihn jedoch nicht, denn die Delps bleiben in der Nibelungenstadt wohnen.

Gleich zum Berufsbeginn ins Ausland

Gleich zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn hatte es Delp ins Ausland gezogen. Nach dem Theologiestudium in Heidelberg verbrachte er ein Jahr in Athen, wo er sich unter anderem um deutsche Strafgefangene in griechischen Gefängnissen kümmerte. Zurück in Deutschland, trat er eine Stelle als Pfarrer zweier Landgemeinden in Oberhessen an. Nach 18 Jahren – die beiden Kinder waren inzwischen erwachsen – verließ Delp Oberhessen und zog als Auslandspfarrer gemeinsam mit seiner Frau für acht Jahre an die Costa Blanca. Wie bereits in Griechenland nahm sich Delp auch in Spanien der seelsorgerischen Betreuung deutscher Strafgefangener an.
In den Gefängnissen in Griechenland und Spanien lernte Delp Menschen kennen, die keinerlei Kontakte zu Angehörigen oder Freunden hatten und zum Teil auch durch die konsularischen Behörden nicht betreut wurden. »Sie waren weggesperrt, und damit war dem gesellschaftlichen Verlangen nach Sühne genüge getan.« Niemand habe sich mehr um die kümmern wollen. »Für manche war ich der erste Besuch seit Jahren«, erinnert sich Delp. »Besonders bedrückend empfand ich in diesem Zusammenhang die Besuche in der Gefängnispsychiatrie mit Behandlungsmethoden, die aus einer anderen Zeit zu stammen schienen.«

Getragen durch die Gemeinde

Auch in Zukunft will Delp sich für die Themen engagieren, die ihn in seiner Berufslaufbahn so beschäftigt haben. »In der Zeit in Worms fühlte ich mich in allem meinem Tun unterstützt und getragen durch die Gemeinde und den Kirchenvorstand«, blickt er zurück. »Dafür bin ich sehr dankbar.«

Von Yvonne Schnur

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