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Transplantation

Zum Organspenden ist man selten zu alt

Ghetty Images /ucharSoll ich meine Organe spenden oder nicht?

Frankfurt . Für Ärzte ist es wohl die schwierigste Frage zur schwierigsten Zeit, die sie an die unglücklichste Familie stellen: Dürfen wir Ihrem Angehörigen die Organe für eine Transplantation entnehmen?

Doris SticklerOrganspende, ja oder nein? Über diese Frage diskutierten Kirchenvorsteher der Hoffnungsgemeinde. Um sie besser beantworten zu können, holten sich die Frankfurter Experten zu diesem Thema: Karsten Gehmlich (links) von der Deutschen Stiftung Organtransplantation und Kurt W. Schmidt vom Zentrum für Ethik in der Medizin.

Im Falle von Organspenden sprach sich die Mehrheit der Bundestagsabgeordneten unlängst für eine Zustimmungslösung aus. An dem seit langem währenden Dilemma ändert die gesetzliche Neuregelung allerdings nichts. Organtransplantationen retten Leben, doch nur wenige Menschen erklären sich überhaupt bereit zu spenden.

Da die Zurückhaltung häufig Ängsten, wie etwa bei der Entnahme nicht wirklich tot zu sein, und Unwissenheit geschuldet ist, wurde das Thema im Rahmen einer Reihe zu »Aktuellen ethischen Fragen in der Medizin« beleuchtet. Karsten Gehmlich von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) räumte unter anderem mit einem verbreiteten Irrglauben auf.

Nicht alle Menschen kommen für eine Organspende in Betracht

Menschen, die auf einer normalen Krankenhausstation, in den eigenen vier Wänden oder in einer Pflegeeinrichtung versterben, kämen als Spender gar nicht in Frage, stellte er klar. Organe könne man nur von Personen entnehmen, die auf der Intensivstation liegen, deren Herz- oder Lungenfunktion künstlich aufrechterhalten wird, die aber keine Gehirnaktivitäten mehr zeigen.

Wenn letztere erloschen sind, liege ein »irreversibler Hirntod« vor, der hierzulande für die Bestimmung des Todes entscheidend sei. Die Diagnose müsse stets von zwei Ärzten erfolgen. Organentnahmen seien aufgrund dieser Voraussetzungen generell nur selten möglich. Durch die geringe Verbreitung von Spendeausweisen werden sie zum Bedauern des Gesundheitswissenschaftlers noch weiter eingeschränkt.

Viel diskutiertes Thema in der Gesellschaft

Ärzte seien deshalb häufig mit der Situation konfrontiert, »die schwierigste Frage zur schwierigsten Zeit an die unglücklichste Familie« zu stellen. Schon allein um die Angehörigen zu entlasten, kann Karsten Gehmlich nur jedem raten, einen Spendeausweis auszufüllen. Zumal im familiären Umfeld oft Unklarheit über die Haltung des Verstorbenen bestehe.

Das Thema Organspende warf auch im Kirchenvorstand der Frankfurter Hoffnungsgemeinde viele offene Fragen auf. Um Antworten zu erhalten, wandte sich Gremiumsmitglied Ursula Hermann an Kurt W. Schmidt vom Zentrum für Ethik in der Medizin am Frankfurter Markuskrankenhaus. Mit dem auch als nebenamtlicher Studienleiter an der Evangelischen Akademie Frankfurt tätigen Pfarrer brachte die Gemeinde dann eine dreiteilige Veranstaltungsreihe auf den Weg.

Christen dürfen Organe spenden, müssen aber nicht

Zum Auftakt stand das »existenzielle Thema Organspende« auf dem Programm, das Kurt W. Schmidt aus theologischer Perspektive betrachtete. Die evangelische und die katholische Kirche hätten nichts gegen Organspenden einzuwenden. »Als Akt der Nächstenliebe können und dürfen Christen Organe spenden, es ist aber keine Christenpflicht«, brachte er die Haltung auf den Punkt.

Da »alle Optionen christlich verantwortbar« seien, begrüßten die Kirchen jedoch die Ablehnung der Widerspruchslösung im Bundestag. Wie der Medizinethiker im Gemeindehaus in der Hafenstraße unterstrich, sei in Sachen Organspende letztlich eines wichtig: »Es geht nicht darum, welche Entscheidung Sie treffen, sondern darum, dass Sie eine treffen.« Von Doris Stickler

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