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Iran

Auf der Suche nach der Religion

esz/Bettina BehlerUngewohnter Auftritt. Die Teilnehmerinnen tragen während ihrer Reise Kopftuch. Auch hier in Qom.

Frankfurt . Eine Gruppe von Pfarrerinnen, Pfarrern und Ehrenamtlichen war im Iran unterwegs. Es war wie ein Eintauchen in eine andere Welt. Bettina Behler war dabei und berichtet von ihren Erlebnissen.

Ich mag keine Kaugummis. Die letzte Hubba Bubba-Blase habe ich vor dem Abitur zerplatzen lassen. Doch beherzt greife ich zu, als mir ein Herr in der Teheraner U-Bahn einen Kaugummi anbietet. Auch der Frankfurter Ökumenepfarrer Michael Mehl nimmt den weißen Mintstreifen – nach jahrzehntelanger Kaugummiabstinenz – schließlich bietet die Offerte einen Gesprächseinstieg.

Fahrt im Frauenwaggon

So war es wohl auch gedacht. Der iranische Techniker, vermutlich Anfang 50, der uns den Kaugummi angeboten hat, erzählt, dass er vor Jahren in Europa war, um Geschäfte zu machen. Auf dem Weg nach Finnland hat er auch mal in Frankfurt Station gemacht. Inzwischen lägen sämtliche Reiseziele in China. Einen anderen Teil der Strecke zur deutschsprachigen evangelischen Gemeinde von Teheran lege ich aus Neugier in einem reinen Frauenwaggon zurück. Auch da freundlicher Blickkontakt, ein kurzes Gespräch auf Englisch mit einer jungen Frau. Sie und ihre Mutter tragen einen Tschador, unter dem der Tochter blitzen blaue Sneaker mit pinken Streifen hervor.

Nachfragen werden nur vage beantwortet

Unterwegs bin ich mit einer Reisegruppe, die an einer Fortbildung teilnimmt, initiiert von dem Ausschuss für Ökumene und interreligiösen Dialog der Evangelischen Kirche Frankfurt. 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat die Exkursion, darunter Pfarrerinnen und Pfarrer, die sich in der Flüchtlingsarbeit oder für Ökumene und interreligiösen Dialog engagieren sowie Ehrenamtliche, die in fremdsprachige Gemeinden der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau involviert sind. Die Gruppe ist bunt gemischt, aus dem gesamten Gebiet der Landeskirche, nicht nur aus Frankfurt, kommen die Reisenden.

Kein leichtes Unterfangen

Über den schiitischen Islam wollen sich die Iranreisenden informieren. Kein leichtes Unterfangen: An den Fassaden in den Städten überlebensgroße Porträts des Revolutionsführers von 1979 Khomeini und des aktuellen Religionsführers Chamenei. In den Geschäften, in den Hotellobbys, überall stößt man auf die Konterfeis der beiden. »Man lernt hier Religion als Staatsmacht kennen«, sagt Ökumenepfarrer Mehl. Allüberall anwesend und doch merkwürdig abwesend scheint der Schiismus. Zwei Mal höre ich während der Reise einen Muezzin rufen, mehr nicht. Überall gibt es Gebetsräume, meist stehen nur wenige Schuhe in den Regalen vor dem Eingang.

Von Bettina Behler

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