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Ludwig Börne

Eine törichte Verschwendung

Doris SticklerMit diesem Dokument war es amtlich: Ludwig Börnes Taufe in Frankfurt.

Frankfurt . Der Jude Juda Löb Baruch durfte einiges nicht, was dem Christen Ludwig Börne erlaubt war. Doch war die Taufe die richtige Entscheidung für ihn?

Herausragende journalistische Leistungen werden nicht von ungefähr mit dem Ludwig-Börne-Preis geehrt. Der 1786 in Frankfurt geborene Namensgeber machte sich mit kritisch-geistreichen Essays einen Namen und gilt als ein maßgeblicher Wegbereiter des Feuilletons. Zu seinen Lebzeiten legte ihm die Stadt allerdings gewaltige Steine in den Weg. Als Juda Löb Baruch durfte er weder eine höhere Schule besuchen noch später eine Zeitschrift gründen. Mit 32 Jahren nahm er deshalb den Namen Ludwig Börne an und ließ sich kurz darauf in der Rödelheimer Sankt Cyriakuskirche evangelisch taufen.

Der Eintritt in die Gesellschaft?

In der Gemeinde, in deren Kirchenbuch man den Taufeintrag bis heute nachlesen kann, wurden anlässlich des vor 200 Jahren vollzogenen Schrittes die Beweggründe beleuchtet. Für Berthild Gossel-Raeck sind sie weniger einer Umbesinnung in Sachen Glauben geschuldet. »Ludwig Börne hat sich mit der Taufe vielmehr ein Eintrittsbillet in die Gesellschaft versprochen«, ist sich die pensionierte Archäologin gewiss. Wenngleich ihm dadurch die Gründung seiner Zeitschrift »Die Waage« möglich war, habe sich diese Hoffnung aber nicht erfüllt. Das könne man seinen Schriften entnehmen.

»Damit waren die Weichen für sein Schaffen gestellt«

»Der Jude ist der Blutflecken der Lady Macbeth, er ist nicht abzuwischen«, schreibe Börne an einer Stelle. An anderer beklage er: »... ich wollte, es gäbe mir einer die drei Louisdor zurück, die ich für mein Christentum dem Herrn Pfarrer verehrt. Seit achtzehn Jahren bin ich getauft, und es hilft mir nichts. Es war eine törichte Verschwendung.«

Warum der für seine humorvoll-scharfzüngigen Publikationen geschätzte »Zeitschriftsteller« – so bezeichnete er sich selbst – mit seinem Anliegen zur Cyriakusgemeinde kam, kann Berthild Gossel-Raeck nur vermuten. Sie sei zwar auf einen Hinweis gestoßen, dass er eine Zeit lang in Rödelheim wohnte. »Diese Angabe zu belegen, ist mir bisher aber nicht gelungen.« Plausibel scheint ihr dagegen, dass die Taufortwahl mit der dort ansässigen und alle Werke Börnes publizierenden Druckerei zusammenhängt.

Chronischer Geldmangel

Da der schreibende Jurist unter chronischem Geldmangel litt und Frankfurt durch die Übernahme des Code Napoleon Juden die vollen Bürgerrechte gewährte, verschaffte ihm der Vater 1811 einen Posten bei der Polizei. Mit dem war es allerdings schon wenige Jahre später wieder vorbei, der Wiener Kongress hatte der Liberalisierung 1815 ein Ende bereitet.Von Doris Stickler

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