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Weniger Bestattungen

Endlose Weiten auf Kassels Friedhöfen

dpa/Uwe ZucchiEin altes Grabkreuz schwimmt im Brunnen auf dem Kasseler Hauptfriedhof und dient Vögeln als Landeplatz zum Trinken. Gräber braucht man dort immer weniger.

KASSEL. Friedhöfe gelten als beschauliche Orte der Ruhe. Weil dort immer weniger Gräber angelegt werden, wächst ihr parkähnlicher Charakter.

Angesichts einer schrumpfenden Zahl von Bestattungen sinkt der Platzbedarf auf den 15 Kasseler Friedhöfen rapide. Von den derzeit 94 Hektar Fläche würden bis 2030 voraussichtlich nur noch 60 Prozent benötigt, sagte der Kasseler Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) bei einer Veranstaltung im Kasseler Sepulkralmuseum. Hinzu komme, dass Urnenbestattungen, die inzwischen rund zwei Drittel aller Beerdigungen ausmachten, deutlich weniger Platz als Sargbestattungen benötigten.

Über die Schließung von Friedhöfen nachdenken

Bestimmte Flächen auf den Friedhöfen, die sich – mit Ausnahme des jüdischen Friedhofs – komplett in der Trägerschaft der evangelischen Kirche befinden, würden schon jetzt nicht mehr belegt, sagte Nolda. Unter Umständen müsse auch über Schließungen von Friedhöfen nachgedacht werden. Dafür gebe es historische Beispiele, wie etwa der schon lange geschlossene Friedhof an der Kasseler Lutherkirche zeige. Laut einer Untersuchung lasse sich jeder vierte Verstorbene aus Kassel außerhalb der Stadt wie etwa in einem Friedwald oder auf See bestatten.

Orte der Trauer und der Kultur

Stadtdekanin Barbara Heinrich hob hervor, dass die Kirche die Würde des Menschen über den Tod hinaus ernst nehme. Für einen Abschied sei ein würdevolles Ambiente nötig. Die Friedhöfe müssten aber ständig weiterentwickelt werden, damit die Tendenz, sich außerhalb der Stadt bestatten zu lassen, gestoppt werde. Es sei Wunsch der Kirche, alle Menschen aus Kassel auch hier zu bestatten.

Dirk Pörschmann, Direktor des Sepulkralmuseums und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal, hob hervor, dass Friedhöfe Orte der Trauer und der Kultur und nicht der »Entsorgung« seien. Angesichts moderner Bestattungsformen wie etwa dem Friedwald habe der Friedhof sein Monopol verloren. Um die Friedhöfe attraktiver zu machen, regte er an, angemessene Beiträge wie etwa Konzerte auf Friedhöfen zu veranstalten. Zudem müsse die Reglementierung verringert werden.

Besucher haben einen Gesprächsbedarf

Aus den Reihen der Besucher der Veranstaltung wurde mehrfach der Wunsch laut, auch Cafés auf Friedhöfen einzurichten. Oft hätten Besucher einen großen Gesprächsbedarf, dem so entsprochen werden könne. Dekanin Heinrich sagte zu, diese Frage bei der nächsten Sitzung des Friedhofausschusses thematisieren zu wollen.

Auch die Stadt Frankfurt registriert eine Flächenüberschuss auf ihren Friedhöfen. Sie überlegt, dort Cafés oder sogar Kinderspielplätze einzurichten.epd

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