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16 Minuten Schall und Rauch

Evangelische Kirche macht das Wormser Luther-Denkmal zur Bühne

Für den diesjährigen Rheinland-Pfalz-Tag in Worms hat die evangelische Kirche eine ungewöhnliche Kunstaktion vorbereitet. Das 150 Jahre alte Luther-Denkmal wird zur Bühne für eine Multimedia-Inszenierung.

epd/EKHN

Der Frankfurter Regisseur und Klangdesigner Parviz Mir-Ali setzte schon die Eröffnungsfeier zur Fußball-WM 2006 im Frankfurter Bankenviertel mit einer Licht- und Klangshow in Szene und komponierte Bühnenmusik für etliche renommierte Theater. Jetzt hat er für die evangelische Kirche das Wormser Luther-Denkmal lebendig werden lassen. Das Monument, das an Luthers Auftritt vor dem Wormser Reichstag im Jahr 1521 erinnert, wird für drei Tage zum Theater: Während des diesjährigen Rheinland-Pfalz-Tags können sich Besucher des Landesfestes bis zu fünf Mal täglich in einer Multimedia-Performance die damaligen Ereignisse nacherzählen lassen.

Den Platz vor dem Denkmal erfüllt der Klang trappelnder Pferdehufe, meckernder Ziegen und der raunenden Massen, Beifalls-Bekundungen und Beschimpfungen für den - je nach Sichtweise - mutigen Querdenker oder Ketzer. So ähnlich könnte es geklungen haben, als der Reformator Luther in Worms eintraf. Das Denkmal selbst verschwindet immer wieder in farbigem Rauch. Dramatisch in Szene gesetzt kommt Isaak Dentler dann in eine Mönchskutte gekleidet aus dem Nebel nach vorne. Der Frankfurter Tatort-Darsteller erzählt gemeinsam mit seiner Schauspieler-Kollegin Barbara Stollhans die Geschichte jener Tage vor einem knappen halben Jahrtausend nach. Aus dem Off ist die Stimme von Rufus Beck als Luther zu hören.

"Ein feste Burg..." als Popsong

Ganze 16 Minuten dauert die Luther-Inszenierung, die mit einer Pop-Version des Luther-Chorals "Ein feste Burg ist unser Gott" endet. "Ich möchte, dass die Leute die großartige Geschichte von Luther in Worms kennenlernen", sagt Pfarrer Fabian Vogt, der in der hessen-nassauische Landeskirche für Großveranstaltungen wie den Rheinland-Pfalz-Tag zuständig ist. "Wagemutig" hat die Kirche als Überschrift für ihr Programm bei dem Landesfest gewählt. Wagemutig war schließlich schon Luther, der sich nicht sicher sein konnte, ob er das Treffen mit Kaiser und Fürsten in Worms überleben würde.

Der Regisseur Mir-Ali musste nicht lange überredet werden, ehe er sich auf das Projekt einließ. "Das Denkmal ist gebaut wie eine große Bühne", findet er. Rund drei Monate dauerten die Vorbereitungen für die Auftritte in Worms. Mir-Ali probte gemeinsam mit den beiden Darstellern im Hinterhof seines Studios - mit Mülltonnen als Ersatz für die Figuren aus dem Denkmal, die den Reformator, seine Weggefährten und andere Kirchenreformer darstellen. "ich finde es eine total spannende Idee, die Atmosphäre von damals wieder aufleben zu lassen", sagt die Schauspielerin Barbara Stollhans.

Leider nur bei Tageslicht

Für Fabian Vogt ist das Spektakel auch so etwas wie ein "Geburtstagsgeschenk" für das vor 150 Jahren enthüllte Reformationsmonument. Die Verantwortlichen für die Luther-Inszenierung bedauern lediglich, dass es aus organisatorischen Gründen keine Aufführungen am späten Abend geben kann. Dann hätte es eindrucksvolle Lichteffekte gegeben, aber auf dem Rheinland-Pfalz-Tag finden zu dieser Zeit traditionell die Großkonzerte statt. Eventuell werde die Performance aber schon in drei Jahren erneut zu sehen sein - zum 500. Jahrestag des Wormser Reichstags. "Dann würden wir das natürlich nachts machen", versichert der Theologe.

Das kirchliche Engagement auf dem Rheinland-Pfalz-Tag ist nicht auf die Luther-Inszenierung begrenzt. Für die katholische Kirche fällt das Landesfest zeitlich in die 1.000-Jahr-Feiern des Wormser Doms. Vonseiten der Kirchen gibt es Gottesdienste, Konzerte und Talkrunden auf der "Blauen Couch" der Diakonie. Und Luther ist seit kurzer Zeit sogar an einer ungewöhnlichen Stelle im Wormser Straßenbild präsent. In der Nähe des Denkmals gibt es ihn seit kurzer Zeit auch als Ampelmännchen. Dort soll er Fußgängern bei Rot mit seinem legendären Spruch "Hier stehe ich. Ich kann nicht anders" ein gutes Vorbild sein.

Karsten Packeiser/epd

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