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Kinder im Ramadan

Frühstück in der Nacht

epd/Kristina SchaeferKinder vor einer Süßigkeiten-Auslage.Batuhan (11, von links), Salih (12), Melisa (15) und Fatmanur kaufen nach dem Fastenbrechen an einem Stand vor der Wormser Moschee Süßigkeiten. »Ramadan-Hüttchen« nennen die Kinder den Verkaufsstand.

WORMS. Der islamische Fastenmonat Ramadan ist für Muslime eine Zeit der Entbehrungen – und der nächtlichen Festmahle. In einer Wormser Moscheegemeinde trifft sich auch die Jugendgruppe nahezu jeden Abend.

epd/Kristina SchaeferEine Frau mit Kopftuch hält eine Tablett mit Essen.Gemeinsames Fastenbrechen nach dem abendlichen Gebet in der Veysel-Karani-Moschee in Worms.

Seit einigen Wochen beißen die Schulfreunde von Batuhan nur dann in ihre Pausenbrote, wenn er gerade nicht daneben steht. Das findet der Elfjährige sehr anständig von seinen Klassenkameraden, denn er selbst fastet, zumindest an manchen Tagen in der Woche. Auch an die neugierigen Fragen in der Schule hat sich der Fünftklässler aus Worms schon gewöhnt: »Die wollen immer wissen, ob ich das schaffe, und dann sage ich: ja.«

Nichts essen und nichts trinken

Während des islamischen Fastenmonats Ramadan sollen gläubige Muslime zwischen Morgendämmerung und Sonnenuntergang nichts essen und trinken. Die Vorschrift gilt nicht für Kinder, sondern erst ab Eintritt der Pubertät. Aber auch viele muslimische Jungen und Mädchen beteiligen sich – zumindest teilweise – am Fasten.

Großversammlung zum Fastenbrechen

In einem Gewerbegebiet im Osten von Worms, nahe am Rheinufer, herrscht in diesen Wochen jeden Abend Hochbetrieb. Kurz vor neun Uhr abends gibt es kaum noch Parkplätze. Mehrere hundert Menschen aus der ganzen Stadt kommen zum Fastenbrechen in die türkische Veysel-Karani-Moschee.

Nach dem Frühstück zurück ins Bett

Auch Batuhan und viele andere Kinder und Jugendliche der hiesigen Jugendgruppe treffen sich nun nahezu täglich hier. Manche haben seit der vergangenen Nacht nichts mehr gegessen. Der Berufsfachschüler Oguzhan hatte sich den Wecker auf zwei Uhr morgens gestellt, um mit seiner Familie zusammen zu frühstücken. Anschließend seien alle noch einmal für einige Stunden schlafen gegangen, bevor Schul- und Arbeitsalltag begannen.

Es geht um mehr, als hungrig zu sein

»Am Anfang ist es schwer«, erzählt er, »im Laufe des Tages vergesse ich, dass ich faste und erinnere mich erst wieder daran, wenn ich schon eine Erdbeere in der Hand halte.« Mittlerweile weiß er, dass es im Ramadan um mehr geht als hungrig zu sein. Man solle auch mit sich selbst ins Reine kommen: »Wir versuchen, uns zu ändern – nicht zu lügen zum Beispiel und nicht über andere zu lästern.«

Im Ramadan erlauben die Eltern mehr

Viele muslimische Familien bemühen sich, im Fastenmonat besonders viel Zeit miteinander zu verbringen und besonders nett zueinander zu sein. Deshalb mögen auch Kinder den Fastenmonat, sagt Yasemin Dindas, ehrenamtliche Helferin in der Wormser Jugendgruppe. Sie erzählt, dass ihre Eltern ihr im Ramadan immer mehr erlaubt hätten als zu anderen Zeiten. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sieht das Ramadan-Fasten hingegen kritisch. Er appelliert an muslimische Eltern, ihren Kindern trotz des Fastengebots tagsüber ausreichend zu trinken zu geben.

Die letzten Momente sind die schlimmsten

Die meisten aus der Wormser Jugendgruppe sind langsam in die Tradition hineingewachsen und haben nicht in einem bestimmten Moment beschlossen, die Regeln für den Ramadan zu beachten. Die 15-jährige Melisa fing bereits mit sieben an, zusammen mit den Großen zu fasten – aber anfangs nur manchmal am Wochenende oder einen halben Tag lang. Abends noch die letzten Momente abwarten zu müssen, »wenn man das ganze Essen schon sieht« – das findet sie am schwierigsten.

Eltern ermuntern zum Durchhalten

»Wenn ich großen Hunger bekomme, sagt meine Mutter: Denk an die armen Leute, die gar nichts zu essen haben«, beschreibt der zwölf Jahre alte Salih, wie seine Eltern ihn manchmal zum Durchhalten animieren. »Dann denke ich, ok, zwei Stunden schaffst du jetzt auch noch.«
Die Jugendlichen sind müder als sonst
Einige Jugendliche, vor allem die jüngeren, machen täglich nach der Schule einen Mittagsschlaf. Denn müder als sonst sind sie schon, wenn sie heimkommen. Die meisten in der Wormser Jugendgruppe versichern aber, mit dem ungewöhnlichen Tagesrhythmus klarzukommen. Batuhan muss sich trotzdem mitunter zwischen Sporttraining und Ramadan entscheiden. »Manchmal«, räumt er ein, »ist mir der Fußball wichtiger.«
Karsten Packeiser/epd

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