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Rechtspopulismus

»Grenzt die AfD nicht aus«

picture alliance/NurPhotoZwischenzeileGerhard Wegner hält es für sinnvoll, sich mit der AfD auseinanderzusetzen. Ihre Wähler hätten große Abstiegsängste, auf die die Kirche eingehen und ihre Worte, wie hier das Plakat auf einer Demonstration, ernst nehmen sollte.

Frankfurt. Warum ist die AfD so erfolgreich? Es ist nicht allein der gesellschaftliche Streit um die Aufnahme von Flüchtlingen, sagt der Marburger Theologe Gerhard Wegner. Die Gründe liegen tiefer.

Mit dem Einzug einer rechtspopulistischen Partei in den Bundestag oder gar einer Regierungsbeteiligung wie in Österreich, hätte Gerhard Wegner nie gerechnet. Den Rechtspopulismus hält der Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zwar für kein neues Phänomen. Der enorme Aufwind, den er gegenwärtig erfährt, versetzt ihn jedoch in Schrecken. Zumal er »fatale historische Analogien« erkennen kann.

Angst haben, vor die Hunde zu gehen

Vor allem in den östlichen Bundesländern werde die AfD zum Großteil von jenem »klassischen Kleinbürgertum« getragen, das 1933 auch Hitler an die Macht verhalf. »Es sind Menschen, die es zu einigem Wohlstand brachten und nun Angst haben, dass alles wieder vor die Hunde geht.«

Geschickt genutzt

Diese Furcht hätten die Rechtspopulisten geschickt für ihre Zwecke genutzt und vor dem Hintergrund der Flüchtlingsthematik das Wort »Volk« als Kampfbegriff in Umlauf gebracht. »Damit haben sie eine ausgrenzende, zum Nationalismus tendierende Volks identität herausgekitzelt.«

Alltagsverstand versus Eliten

Zudem werde nach der Devise »Alltagsverstand versus Eliten« gezielt an »die schwäbische Hausfrau und den kleinen Mann« appelliert. Dass diese Taktik in Ostdeutschland greift, wundert Gerhard Wegner nur bedingt. Die zivilgesellschaftliche Bewegung Pegida sei dort nicht von ungefähr entstanden und nach wie vor am stärksten verankert. »Am meisten erschüttert hat mich der Erfolg der AfD in Baden-Württemberg«, gestand der Theologe in der evangelisch-reformierten Gemeinde Frankfurt, wo er im Rahmen der Wintervorträge unter dem Titel »Die dunkle Seite der Zivilgesellschaft?« die »Ursachen des Rechtspopulismus« unter die Lupe nahm.

In der AfD eine Heimat gefunden

Wenngleich dessen Erstarken für ihn mit der Aufnahme von Flüchtlingen zusammenhängt, sieht er darin nicht den einzigen Grund für die politischen Verschiebungen. Dass sich allerdings Kirche und Politik für Flüchtlinge engagierten, ohne sich zugleich um die Sorgen und Nöte des zweiten Drittels zu kümmern, betrachtet Gerhard Wegner als »einen großen Fehler«. »Diese Leute haben dann in der AfD eine Heimat gefunden.«

Sich mit der AfD auseinandersetzen

Zum Bedauern des Professors für Praktische Theologie an der Marburger Universität wird »alles kleinräumiger, unübersichtlicher und komplizierter«. Wie sich angesichts der gegenwärtigen Entwicklungen dem Vormarsch der Rechtspopulisten Einhalt gebieten lässt, ist ihm zwar auch ein Rätsel. Verhängnisvoll wäre es seiner Ansicht nach jedoch, weitere Fehler zu begehen. So warnte Gerhard Wegner am Ende seines Vortrags in Frankfurt vor dem Ansinnen, die AfD einfach auszugrenzen. »Man muss sich mit der AfD auseinandersetzen und versuchen, aus ihr eine konservative, aber demokratische Partei zu machen.«Von Doris Stickler

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