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Streit um Eucharistie

Irritierende Signale aus Rom

epd/Matthias RietschelEine Hand hält eine Hostie hoch.Die Frage, ob nicht-katholische Frauen oder Männer aus konfessionsverschiedenen Ehen an der katholischen Eucharistiefeier teilnehmen dürfen, belastet die Ökumene.

Die Ökumene lässt sich nicht mehr zurückdrehen, waren sich Kardinal Reinhard Marx und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm noch auf dem Deutschen Katholikentag in Münster Mitte Mai einig – scheinbar doch.

Sand im ökumenischen Getriebe: Der Vatikan hat überraschend die von den deutschen katholischen Bischöfen mehrheitlich beschlossene Handreichung zum Kommunion-empfang von nicht-katholischen Ehepartnern abgelehnt. Sie sei noch nicht reif für eine Veröffentlichung, heißt es in einem im Internet kursierenden Brief des Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria. Daher soll weiterhin dem Ortsbischof die Entscheidung über die Zulassung eines nichtkatholischen Ehepartners zur Kommunion überlassen werden.

Gesichtsverlust für Kardinal Marx

Dies ist ein Rückschlag für die Ökumene in Deutschland. Roms Entscheidung in der Kommunionsfrage bedeute nicht nur für den Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, einen »Gesichtsverlust«. Sie sei auch »peinlich« für die Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die ganz auf den Münchner Erzbischof gesetzt habe, sagte der evangelische Theologe Ulrich H. J. Körtner dem Evangelischen Pressedienst (epd). Im Jahr des 500. Reformationsjubiläums 2017 seien hohe ökumenische Erwartungen geweckt worden, sagte Körtner. Viele Hoffnungen richteten sich auch auf Papst Franziskus. Er »ist eben doch nicht so progressiv, wie viele glauben«, so der Theologieprofessor von der Universität Wien.

Rom zieht Entscheidung an sich

»Für die Deutsche Bischofskonferenz ist das ein Schuss vor den Bug, weil es ihre Kompetenz in Frage stellt«, sagt der katholische Theologe Thomas Söding aus Bochum. Entgegen der früheren Erklärung, die Bischofskonferenz solle sich einigen, »zieht Rom die Entscheidung nun an sich«. Doch die Grundlinie der geplanten Handreichung wird seiner Ansicht nach in Rom Bestand haben.

Kein Super-GAU

Der katholische Theologe Michael Seewald (Münster) sieht die Dinge anders: »Klar ist nun, dass der bestehende Text nicht mehr zur Veröffentlichung kommt.« Er forderte die deutschen Bischöfe dazu auf, die Gläubigen bei der gemeinsamen Kommunion mit protestantischen Ehepartnern weiter zu begleiten. »Die deutschen Bischöfe müssen dogmatisch abwarten, was Rom zu alledem sagt, aber sie können sich trotzdem weiterhin um eine Lösung dieses pastoralen Problems bemühen.« Die Reaktion aus Rom sei zwar ein »Rückschlag« für die Ökumene, aber kein »ökumenischer Super-GAU«.

Große Bedeutung für die Ökumene

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, zeigt sich »irritiert« von der Entscheidung des Vatikans. »Das Thema hat große Bedeutung für konfessionsverbindende Ehen und damit auch für die Ökumene«, sagte Jung. Er sei froh, dass es in der katholischen Kirche in Deutschland »starke Stimmen gibt, die eine Teilnahme an der Eucharistie« für evangelische Partnerinnen oder Partner erleichtern wollten. »Damit würde kirchenamtlich nachvollzogen, was in der Praxis vieler katholischer Gemeinden längst gelebt wird.«

Eine Chance für die Weltkirche

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, will den Vatikan-Brief zum Kommunionsempfang nicht als Bremse in der Ökumene verstanden wissen. Er sehe in diesem »Zwischenschritt« auch eine Chance, die Abendmahlsfrage für konfessionsverschiedene Eheleute auf Ebene der katholischen Weltkirche zu klären. »

Rom gibt die Bedingungen vor

Einer seiner Amtsvorgänger, Wolfgang Huber, räumt den katholischen Bischöfen in Deutschland kaum mehr Einfluss auf eine Öffnung der Kommunion für Protestanten ein. »Die Haltung des #Vatikan-s ist eindeutig: #Ökumene gibt es nur zu römischen Bedingungen«, schrieb der Theologe im Kurznachrichtendienst Twitter. Von »versöhnter Verschiedenheit» sei keine Rede, kommentierte Huber. »Für manche eine Illusion weniger.« epd/esz

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