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Schaben

Kein Grund zum Ekeln

WikimediaCommons CC-BY-SA 3.0Die Bernstein-Waldschabe sieht in Gestalt, Größe und Farbe der Deutschen Schabe recht ähnlich.

Die Erderwärmung sorgt dafür, dass sich Schaben aus dem Süden auch in Deutschland wohlfühlen. Sie sind harmlos, sehen aber einer heimischen, schädlichen Schabenart ziemlich ähnlich. Es gibt jedoch ein absolut sicheres Unterscheidungsmerkmal.

Da krabbelt dieses hellbraune, merkwürdig bucklig aussehende Insekt über den Boden in der Wohnung. Seine langen Fühler tasten mit trillernden Bewegungen um sich. »Eine Schabe!«, durchzuckt es dann viele Menschen, und es durchzuckt viele häufiger. Seit einiger Zeit treten in Süddeutschland neue Schabenarten auf, mitunter in großer Zahl.

Ein untrügliches Unterscheidungsmerkmal

Kein Grund zur Panik, beruhigt der Zoologe Carsten Renker vom Naturhistorischen Museum in Mainz. Nahezu alle der Schaben, die besorgte Menschen zur Bestimmung zu ihm brächten, seien Tanger-Waldschaben. Harmlose Zeitgenossen, die allerdings mit ihrer hellbraunen Färbung einem gefürchteten Schädling, der Deutschen Schabe, zum Verwechseln ähnlich sehen. Neben der Tanger-Waldschabe ist hierzulande auch immer häufiger die Bernstein-Waldschabe zu finden. Auch sie ist harmlos, und auch sie sieht der Deutschen Schabe recht ähnlich.
Es gibt jedoch ein untrügliches Unterscheidungsmerkmal: Der Schädling trägt auf ihrem Halsschild zwei dunkle Streifen, der seinen harmlosen Verwandten fehlt. Eine zweite Schädlingsart, die Orientalische Schabe – auch Kakerlake genannt – unterscheidet sich noch deutlicher von den drei hellbraunen Arten, denn ihre Färbung ist dunkel wie eine Kastanie.

Waldschaben leben draußen, Küchenschaben in Wohnungen

Die aus dem westlichen Nordafrika und Spanien stammende Tanger-Waldschabe wurde vor einigen Jahren wahrscheinlich von Menschen hierzulande eingeschleppt und fühlt sich hier wohl. Sie lebt nicht in Wohnungen, sondern draußen und ernährt sich vorwiegend von Pflanzenresten – im Gegensatz zur Deutschen oder der Orientalischen Schabe. Die beiden Schädlingsarten leben in dunklen Ritzen und Ecken in menschlichen Behausungen und fressen Lebensmittel an. Sie werden deshalb auch »Küchenschaben« genannt.
Die Bernstein-Waldschabe kam bis vor einigen Jahren nur südlich der Alpen vor. Ob sie ihr Verbreitungsgebiet, unterstützt durch das wärmer werdende Klima, von selbst ausweitet, ist nach den Worten des Schabenexperten Horst Bohn von der Ludwigs-Maximilians-Universität noch ungeklärt. »Bei beiden Schaben spielt sicher die Verbreitung durch den Menschen die Hauptrolle«, sagt er. Aber die Erderwärmung käme den sechsbeinigen Immigranten mit Sicherheit entgegen: »Durch sie wird die Ausbreitung der wärmeliebenden Arten sicher gefördert.«

Einwanderer sind mittlerweile häufiger als heimische Schaben

Die beiden Waldschaben-Arten seien »sind im erwachsenen Stadium sehr leicht an der unterschiedlichen Länge der Flügel zu unterscheiden«, erläutert Bohn. Die Tanger-Waldschabe habe deutlich kürzere Flügel, die kaum das Ende ihres Hinterteils erreichen. Bei der Bernstein-Waldschabe bedeckten die Flügel den ganzen Körper. Sie ist außerdem etwas dunkler als ihr Verwandter aus dem westlichen Mittelmeerraum.
»Diese neuen Schaben sind in Süddeutschland mittlerweile sehr viel häufiger als die heimischen Arten«, sagt der Mainzer Zoologe Renker. Die Tanger-Waldschabe ist im Einzugsgebiet des Rheins häufig, während die Bernstein-Waldschabe östlich dieses Gebiets zu finden ist: vom südlichen Bayern bis ungefähr auf die Breite von Jena.

Nur scheinbare Bestandsexplosion

Im Hochsommer treten die sechsbeinigen Krabbler aus dem Mittelmeerraum vielerorts urplötzlich in großen Massen auf. Tatsächlich sieht es aber nur so aus, als seien sie auf einmal da. »Die gibt es das ganze Jahr über, aber man erkennt sie nicht«, erklärt Renker. Sie seien nämlich noch im Larvenstadium. Im Sommer häuteten sie sich dann zum Vollinsekt.
Auch wenn die Neuankömmlinge keine Schädlinge seien, könnten sie doch lästig fallen, erklärt Renker: »Sie stören, wenn sie in die Wohnungen kommen, weil sie vom Licht angezogen werden oder weil sie der Kälte entgehen wollen, wenn es auf den Herbst zugeht.« Allerdings überleben sie dort nicht lange. In Wohnungen finden sie keine Nahrung. Außerdem ist die Luftfeuchtigkeit drinnen meist so niedrig, dass die Tiere austrocknen.

Schaben spielen als Seuchenverbreiter keine große Rolle

Den Ekel, den Schaben bei Menschen hervorrufen, hält Renker vor allem für psychologisch bedingt. »Sie tragen den Kopf unter ihrem Halsschild«, erklärt er, »sie scheinen uns dadurch nicht anzuschauen, und das wirkt auf uns befremdlich. Sicher könnten Deutsche Schabe und Kakerlake Krankheiten übertragen, aber eine große Rolle als Seuchenverbeiter spielten sie nicht. Der Schaden, den sie anrichten, beschränke sich meist darauf, dass sie Lebensmittel unbrauchbar machten.
Während die harmlosen Arten auch tagsüber unterwegs sind, ist die Deutsche Schabe ein lichtscheuer Geselle, der meist nur nachts herauskommt. Wenn Licht auf ihn fällt, wetzt er blitzschnell – viel schneller, als eine Waldschabe je könnte – in seinen Unterschlupf zurück. Auch die Kakerlake kann Licht nicht besonders leiden und zischt zurück in ihren Winkel, wenn es plötzlich hell wird.

Wer tagsüber eine Schabe sieht, darf sich meistens entspannen

Wer also einen Krabbler tagsüber in seiner Wohnung entdeckt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Tanger- oder Bernstein-Waldschabe vor sich. Die könne man mittels eines Glases und eines Blatts Papier nach draußen befördern, empfiehlt Renker. »Oder man wartet einfach ab, bis sie tot in der Ecke liegt.« Von Nils Sandrisser

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