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Flüchtlinge

Krise um Frankfurter Flüchtlingsunterkunft

pixabayEigentlich sollten sie Hand in Hand arbeiten. Doch zwischen den Mitarbeiter der Diakonie und Flüchtlingen knirscht es. Nun tauscht die Diakonie Mitarbeiter in der Unterkunft aus.

Frankfurt. In einer Frankfurter Flüchtlingsunterkunft ist die Situation zwischen Bewohnern und Betreuern eskaliert. Nun zieht die Diakonie Konsequenzen.

Eine schwelende Krise um die Flüchtlingsunterkunft im Frankfurter Stadtteil Bonames hat einen Höhepunkt erreicht: 45 Fälle von Krätze habe das Gesundheitsdezernat festgestellt, sagte die Sprecherin Kirsten Gerstner. Elf Familien seien betroffen. Das Diakonische Werk für Frankfurt und Offenbach als Betreiber reagierte unterdessen: Die Leitung der Unterkunft werde neu besetzt, sagte die Arbeitsbereichsleiterin Flucht und Unterkunft des Diakonischen Werks, Sabine Kalinock. Auch bei einem weiteren der rund 30 Mitarbeiter stehe ein Wechsel im Raum.
Zuvor hatte Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) die Diakonie aufgefordert, personelle Konsequenzen zu ziehen. Es sei nicht hinnehmbar, dass das Ausmaß und das Risiko der Verbreitung der Krankheit nicht erkannt und die Fälle nicht an das Gesundheitsamt gemeldet wurden. Die Behörde sehe ein Versäumnis der Hausleitung. Nicht nur Bewohner berichteten von einem gestörten Vertrauensverhältnis zu Mitarbeitern, auch das Sozialdezernat habe das Vertrauen in Teile der Mitarbeiterschaft verloren. Hier sei ein gravierender Fehler passiert, räumte Kalinock ein.

Bewohner an Krätze erkrankt

Die Corona-Krise habe dazu geführt, dass Kinder nicht mehr in die Kita und die Schule gegangen seien und Deutschkurse für Erwachsene nicht mehr stattgefunden hätten. Die räumliche Enge der Familien, die mit manchmal vier bis sechs Kindern in 56-Quadratmeter-Wohnungen mit einem Wohn-Ess-Bereich und zwei Zimmern lebten, habe die Ansteckung der Krätze begünstigt. Der Mitarbeiterschaft sei nicht klar gewesen, ob die für Sammelunterkünfte vorgeschriebene Meldepflicht gelte. Die für 336 Personen ausgelegte Unterkunft sei derzeit mit 333 Personen, davon 189 Minderjährige, voll belegt.
Von der Krätze abgesehen haben sich schon in den vergangenen Tagen und Wochen Konflikte wegen der mangelhaften Ausstattung und räumlichen Enge der 2016 als Provisorium errichteten Unterkunft hochgeschaukelt. Bewohner hätten Mitarbeiter als Ungläubige oder Verräter beschimpft, ein Zivildienstleistender sei gegen die Wand gedrückt worden, Frauen hätten Mitarbeiterinnen gedroht, sie hätten die Gewalt ihrer Männer noch nicht gespürt, und mehrere Männer hätten den Hausleiter angebrüllt, sie würden ihn umbringen, berichtete Kalinock.

Streit angewachsen

Der Streit sei kulminiert, als Anfang vergangener Woche die Hausleitung auf Anweisung der Stadt die Benutzung von knapp 30 Herden verbot. Die Unterkunft werde nur unzureichend mit Strom versorgt. Jede Wohnung sei daher nur mit zwei Kochplatten ausgestattet. Etliche Familien, von denen manche inzwischen bis zu sechs Kinder hätten, hätten sich deshalb zusätzliche Koch- und Backmöglichkeiten besorgt. Dies habe die Stadt wegen der Brandgefahr aber verboten.
Dazu kommen eine Reihe weiterer Mängel, wie Manuela Skotnik vom Sozialdezernat berichtet. Die Diakonie habe die Mängel immer wieder bei der Stadt moniert, erklärte Kalinock. Der Unmut der Bewohner führte zu einer Demonstration am 10. Juni. Sprechchöre von Kindern gegen einzelne Mitarbeiter, Gesten des Halsabschneidens oder Drohungen wie die eines Mannes, er habe im Krieg gelernt zu foltern, seien inakzeptabel, sagte Skotnik. Dies habe sie den Bewohnern anschließend deutlich gemacht. Die Stadt habe dem Diakonischen Werk empfohlen, die Zahl der Bewohner zu verringern.
Kalinock entgegnete, die Diakonie habe mehrfach Verlegungen in größere Wohnungen beantragt, aber die Stadt habe dies abgelehnt. Die in Container-Modulbauweise errichtete Unterkunft war ursprünglich nur bis 2019 genehmigt, dann renoviert und der Betrieb bis 2021 verlängert worden. Nun suchen die Stadt und die Diakonie im Gespräch mit einzelnen Bewohnern Auswege. epd

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