Evangelische Sonntags-Zeitung

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Evangelischen Sonntags-Zeitung zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Kloster Lorsch

»Lassen uns nicht zum Bild verführen«

VSGDer kolorierte Kupferstich von Matthias Merian d. Ä. zeigt den Zustand des Klosters vor 1621.

LORSCH. Seit der Bismarckzeit versuchen sich Wissenschaftler und Gelehrte ein Bild vom einstigen Reichskloster Karls des Großen zu machen. Doch trotz sämtlicher Zeichnungen und Grafiken aus den vergangenen Jahrzehnten lautet die Antwort heute ernüchternd: Es geht nicht. Das Museumszentrum Lorsch zeigt in einer Ausstellung die Anfänge der Erforschung des Klosters bis in die Gegenwart.

Carina DobraMenschen betrachten Modelle von Gebäuden.Besucher der Ausstellung sehen sich zwei Modelle des Klosters Lorsch an.

Der Blick aus den weit geöffneten Fenstern des Ausstellungsraums auf die mächtige Torhalle des Klosters Lorsch verführt zu der Frage: Wie hat das Unesco-Welterbe Kloster Lorsch ausgesehen, als es noch das bedeutende Reichskloster Karls des Großen war? Die Ausstellung »Zum Bild verführt – Visualisierungsversuche eines verlorenen Klosters« im Museumszentrum unmittelbar neben dem Klosterareal beschäftigt sich mit der Geschichte der wissenschaftlichen Erforschung des Klosters.

Eine Ahnung vom Vergangenen

»Wir versuchen nicht die perfekte Rekonstruktion, sondern wollen nur erahnen lassen, wie das Kloster ausgesehen haben könnte«, sagt Kirsten Worms, Direktorin der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen beim Presserundgang zur Ausstellung. Zu sehen sind bis 21. Oktober frühe, bisher kaum gezeigte Zeichnungen, Stiche, Publikationen, Grafiken, Modelle und digitale Animationen sowie 3D-Illustrationen.

Grafik von Merian dem Älteren zeigt Anlage vor der Zerstörung

Das Kloster Lorsch wurde im Dreißigjährigen Krieg fast vollkommen zerstört. »Die Suche nach verlässlichen Hinweisen zum einstigen Aussehen des Klosters gestaltet sich trotz der zahlreich vorliegenden Rekonstruktionen äußerst schwierig«, erklärt Kuratorin Anne-Karin Kirsch. Das einzige Bild, das die Anlage vor der Zerstörung zeigt, sei eine Grafik von Matthäus Merian dem Älteren. Doch auch diese spiegele nicht die Ansicht der einst mächtigen Benediktinerabtei zur Karolingerzeit wider. Die Grafik Merians hängt mit anderen Fotos, Zeichnungen und Zeitungsartikeln der Schau an einer Holzleiste. Jede Leiste stelle eine Epoche dar und sei als Zeitstrahl zu verstehen, erklärt Kirsch.

Bausubstanz der Benediktinerabtei kaum noch vorhanden

Im 19. Jahrhundert begann die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Kloster, insbesondere mit seinem heute berühmtesten Gebäude, der Königshalle. Seit dieser Zeit wurde versucht, das Aussehen der zwar historisch reich belegten, in ihrer Bausubstanz jedoch kaum noch vorhandenen ehemaligen Benediktinerabtei zu visualisieren.

Ausstellung gibt Auskunft über politische Strömungen

 Die Schau versammelt diese Rekonstruktionsversuche von den Anfängen bis in die Gegenwart. Die unterschiedlichen Überlegungen von Gelehrten und Wissenschaftlern geben auch Auskunft über die politischen Begebenheiten und die Strömungen in der Architektur und Kunst, sagt Kirsch.

Ort soll Besuchern das Klosterleben vermitteln

Das 2014 neu gestaltete Areal verzichte darauf, historisch nicht eindeutig Belegtes sichtbar zu machen, erläutert Hermann Schefers, Leiter der Welterbestätte. Ein detailliertes Bild des verlorenen Klosters verfälsche mehr, als es erkläre. Statt baulichen Rekonstruktionen solle der Ort den Besuchern die Klostergeschichte und das Klosterleben lebendig vermitteln. Führungen sowie das neu entstandene Freilichtlabor Lauresham, ein Modell eines karolingischen Herrenhofes, nehmen die Besucher mit auf eine Reise in die Vergangenheit. »Wir deuten nur noch an, lassen uns nicht mehr zum Bild verführen«, ergänzt die Kuratorin.
Von Carina Dobra

Museumszentrum Lorsch, Nibelungenstraße 35, 64653 Lorsch; Öffnungszeiten dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. An Feiertagen auch montags.

Diese Seite:Download PDFDrucken

Ihre Ansprechpartnerin

Renate Haller (rh)
Chefin vom Dienst

Tel.: 069 / 92107-444
E-Mail

to top