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Wehrpflicht

Militärbischof kritisiert Abschaffung der Wehrpflicht

picture-alliance/Thomas LohnesZwei Pfarrer sitzen im Talar auf einem Schiff, im Hintergrund sitzen Soldaten in Uniform.Militärbischof Sigurd Rink (Mitte), der EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm und der katholische Militärdekan Jochen Folz (links) feiern auf einem Schiff der Bundesmarine im Hafen von Cagliari (Sardinien) einen ökumenischen Gottesdienst. Die Entwicklung der Bundeswehr bereitet Rink Sorgen.

BERLIN/MÜNCHEN . War die faktische Abschaffung der Wehrpflicht ein Fehler? Militärbischof Sigurd Rink befürchtet, die Bundeswehr könne deswegen zu einer Söldnerarmee mutieren, die sich aus der Unterschicht rekrutiert und die Bindung zur Gesellschaft verliert

Sieben Jahre nach der Aussetzung der Wehrpflicht sieht der evangelische Militärbischof Sigurd Rink die Entscheidung für eine Berufsarmee kritisch. In einem Gastbeitrag für den Berliner »Tagesspiegel« warnte Rink vor neuen Söldnern: »Die Aussetzung der Wehrpflicht führt dazu, dass immer mehr Menschen von der ökonomischen Verliererseite in die Bundeswehr eintreten.« Es seien Bürger, die auf dem zivilen Arbeitsmarkt kaum Chancen bekämen.

»Wir delegieren Militäraktionen an Arme«

»Das sind – diese Gefahr möchte ich beim Namen nennen – neue Söldner. Menschen, die im Krieg ihren Lebensunterhalt verdienen, weil sie wenig andere Möglichkeit finden«, schreibt Rink: »Wir delegieren Militäraktionen an die Armen.«

»Soziale Ungleichheit bildet sich in Armee ab«

Der Beitrag für das Berliner Blatt fußte auf einem Vortrag, den Rink vergangene Woche vor der Münchner Sicherheitskonferenz hielt. Im Gespräch mit der Evangelischen Sonntags-Zeitung (ESZ) präzisierte der frühere Propst für Süd-Nassau, der Strukturwandel der Bundeswehr habe zu einem Abbau von Standorten vor allem in den Boomregionen Deutschlands geführt, während in den strukturschwachen Gebieten des Nordens und Nordostens die wenigen verbliebenen Arbeitsplätze oftmals in der Kaserne lägen. Diese soziale Ungleichheit des Landes bilde sich in der Armee ab. Man könne zwar noch nicht sagen, dass die Bundeswehr insgesamt eine »Unterschichtarmee« geworden sei. »Aber es häufen sich die Anzeichen, dass das politische Interesse selbst unter jungen Offizieren abnimmt.«

Bischof wünscht sich »Staatsbürger in Uniform«

Rink erinnert in dem Beitrag an die Gründungsidee der Bundeswehr, nach der sich Soldaten als »Staatsbürger in Uniform« verstehen sollen. Eine reine Söldnerarmee könne zum »Staat im Staate« werden, wie man ihn in der Weimarer Republik erlebt habe, sagte er der ESZ.
Eine Rückkehr zur »alten« Wehrpflicht ist für Rink jedoch keine Alternative. Dafür seien die Strukturen der Bundeswehr nach 25 Jahren des Abbaus überhaupt nicht mehr geeignet. Es fehlten sowohl Gebäude als auch Personal.

»Bundeswehr muss als Arbeitgeber attraktiver werden«

Auch eine allgemeine Dienstpflicht für junge Männer und Frauen, die zwischen dem Militär, sozialen und Umweltdiensten frei wählen können, beurteilt Rink skeptisch. Schon rechtlich werde ein solcher Zwangsdienst heute anders bewertet als in früheren Jahrzehnten. Der Militärbischof fordert stattdessen, die Bundeswehr müsse insgesamt als Arbeitgeber attraktiver werden. »Hochspezialisierte Software-Ingenieure, wie sie auf modernen Fregatten benötigten werden, sind eben auch in der Wirtschaft begehrt.« Deshalb müsse ihnen ein angenehmes Umfeld geboten werden.
 Wolfgang Weissgerber (mit Material von epd)

Für die Militärseelsorge der evangelischen Kirche arbeiten rund 100 Pfarrer und ebenso viele Pfarrhelfer. Die Seelsorger begleiten 15 Auslandseinsätze der Bundeswehr.

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