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Fernsehgottesdienste

»Nicht mehr allein gefühlt«

eöa/Hilke WiegersKerzen symbolisieren die Besucher in den Fernsehgottesdiensten in der Ingelheimer Saalkirche.

INGELHEIM. Wer sich in den vergangenen Wochen die ZDF-Sonntagsgottesdienste angeschaut hat, dem bot sich ein allmählich vertraut wirkender Anblick. Denn das ZDF hat in Zeiten von Corona bislang fünf Gottesdienste aus der Ingelheimer Saalkirche aufgenommen. Ein sechster Gottesdienst ist für den 7. Juni geplant. Mit Pfarrerin Anne Waßmann-Böhm sprach Armin Thomas.

eöa/Hilke WiegersAnne Waßmann-Böhm (rechts) und ihr Team – hier die Prädikantin Maresa Biesterfeld – stemmen die Mehrarbeit mit viel Engagement.

Frau Waßmann-Böhm, das ZDF überträgt seine Sonntagsgottesdienste seit dem 29. März regelmäßig aus der Saalkirche in Ingelheim. Wie kam es dazu?

Anne Waßmann-Böhm: Am 13. März, als die Schulen in Rheinland-Pfalz geschlossen wurden, rief der Senderbeauftragte der EKD, Stephan Fritz, bei mir an und fragte mich, ob wir es uns vorstellen könnten, den Gottesdienst am 29. März, der eigentlich als Übertragung aus der deutschen evangelischen Gemeinde in Brüssel geplant war, in der Saalkirche stattfinden zu lassen. Er fragte uns, weil wir bereits vor zwei Jahren einen ZDF-Gottesdienst aus der Saalkirche übertragen hatten und somit Erfahrung hatten – und weil Ingelheim so nahe bei Mainz liegt, dass das ZDF-Team jeden Tag anreisen kann. Es ging zuerst einmal nur um diesen einen Gottesdienst. Bald aber stellte sich heraus, dass es dem ZDF-Team in Zeiten des Lockdown nicht zuzumuten war, durch ganz Deutschland zu reisen. So fragte Stephan Fritz uns für weitere Gottesdienste an.

Was hat Sie am meisten überrascht?

Waßmann-Böhm: Eine normale Vorbereitung eines ZDF-Gottesdienstes bedeutet, dass es ein Jahr vorher mit dem Nachdenken übers Thema, dem Gestalten und den Vorbesichtigungen des ZDF beginnt. Jetzt hatten wir immer genau zwei Wochen Zeit. Mich hat überrascht, dass wir das jedes Mal geschafft haben. Wir haben alle im Team von morgens bis abends gearbeitet, um das hinzukriegen, aber es hat geklappt, mal mit mehr, mal mit weniger Stress ,und manchmal haben die Nerven blank gelegen.

In einem Ihrer Gottesdienste begrüßen Sie die Zuschauer mit den Worten: »Wir feiern diesen Gottesdienst ohne Gemeinde – aber dafür mit Ihnen.« Wie beeinflusst das Ihre Vorbereitungen im Vergleich zu normalen Gottesdiensten?

Waßmann-Böhm: Am Anfang der Vorbereitungen kam die Idee von Seiten des ZDF, Kerzen in der Kirche aufzustellen, um den Menschen am Bildschirm zu zeigen: Auch, wenn ihr nicht vor Ort sein könnt, ihr seid trotzdem da, wir feiern hier gemeinsam mit Euch. Wir haben diese Idee mit Kerzen in bunten Einweckgläsern umgesetzt und es wurde von so vielen Zuschauern zurückgemeldet: »Eure Kirche war gar nicht leer. Ich war dabei, ich war durch die freundlichen, fröhlichen Teelichter mit hineingenommen in die Gemeinde.« Ich habe mich auch nicht mehr allein gefühlt.

In den Ingelheimer TV-Gottesdiensten wird auffallend viel musiziert und gesungen. Welche Rolle spielt das Team der Saalkirchengemeinde?

Waßmann-Böhm: Wir haben das große Glück, dass Carsten und Iris Lenz jeden Sonntagsgottesdienst in der Saalkirche sehr fein ausgestalten, zum Beispiel haben wir an fast jedem Sonntag einen unserer zahlreichen Chöre dabei. Leider durften wir nur wenige Sänger in den Fernsehgottesdiensten einsetzen.

Die Zuschauer-Reaktionen sind enorm, teilt das ZDF mit.

Waßmann-Böhm: Ich bin überwältigt – es ist unvorstellbar, dass bis zu 1,4 Millionen Menschen unsere Gottesdienste schauen und so viele das Bedürfnis haben, sich bei uns zu melden. Deshalb habe ich im Gottesdienst am 3. Mai einfach einmal Danke sagen müssen. Danke im Namen des gesamten Teams – wir werden überschüttet mit E-Mails, Anrufen, Briefen und Postkarten – so viel Dankbarkeit und Verbundenheit kommt uns entgegen aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, aus Frankreich, aber auch aus Südafrika haben mich mehrere E-Mails erreicht und ein ganz lieber Brief aus Kanada.

Haben Religion und Glauben in Zeiten von Corona wieder an Bedeutung gewonnen?

Waßmann-Böhm: Ich finde es ein schönes und tröstliches Zeichen, dass so viele Menschen ihre Gottesdienste schmerzlich vermissen und dass auch der Staat und die Länder merken, dass die Menschen die Gottesdienste in den Kirchen brauchen, nicht nur die Läden für das leibliche Wohl, auch die Kirche für das seelische. Dass Menschen nach der Kirche fragen, macht mir Mut und gibt mir Hoffnung, dass wir als Kirche doch auch sehr systemrelevant sind und für Inhalte stehen, die lebenswichtig sind.

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