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Antisemitische Beschimpfungen

Offenbacher Rabbiner auf Straße angefeindet

esz / G. ReffSymbolfoto

Berichte über antisemitische Attacken reißen nicht ab. Nun musste der Rabbiner in Offenbach Beschimpfungen erdulden - und das nicht zum ersten Mal. Die Polizei ermittelt.

Offenbach. Der Offenbacher Rabbiner Mendel Gurewitz ist auf der Straße von einer Gruppe  junger Männer laut eigener Aussage lauthals beschimpft worden. Die Migranten hätten Wörter wie «Scheiß Jude», «Free Palästina» und «Gaza» gebrüllt, als er am vergangenen Freitagabend auf dem Weg zur Synagoge war, berichtete Gurewitz am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst. Die Polizei ermittelt wegen Beleidigung. Die Personalien von Verdächtigen seien festgestellt worden, sagte ein Polizeisprecher. Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) verurteilte den verbalen Angriff.

Beschimpfungen passieren ganz oft

Beschimpfungen «passieren ganz oft», sagte der Rabbiner, der immer mit Kippa auf die Straße geht. Doch dieses Mal seien sie so laut und wiederholt gerufen worden, dass er auf die Gruppe zugegangen und sie angesprochen habe. Ein Beteiligter habe eingelenkt: «Mein Freund meint das nicht so», der aber habe widersprochen: «Doch, ich meine das so!». Augenzeugen hätten die Polizei gerufen. Die habe ihn dann aus dem Gottesdienst herausgeholt, um sechs Verdächtige zu identifizieren.

Einer von ihnen habe ihm auf den Kopf zugesagt: «Sie kennen mich doch vom KOMM-Center!» In diesem Einkaufszentrum war der Rabbiner vor fünf Jahren von sechs bis acht arabisch aussehenden Jugendlichen beschimpft, geschubst und bedrängt worden. Der Fall hatte bundesweit Aufsehen erregt. Nach Ermittlungen der Polizei hatten sechs Jugendliche den Rabbiner um Entschuldigung  gebeten und waren zu einem Gespräch in die jüdische Gemeinde gekommen. Gurewitz hatte danachseine Anzeige zurückgezogen.

«Meine Kinder wollen nicht gemeinsam mit mir in Offenbach auf der Straße gehen», gestand Gurewitz. Er rate Gemeindemitgliedern, die Kippa unter einem Hut zu verstecken. «Ich kann ihnen nicht empfehlen zu erleben, was ich erlebe», sagte der Rabbiner. Ausdrücklich lobte er die Stadt: «Ich fühle mich in Offenbach sehr wohl.» Die Stadtverwaltung sei immer bereit, der jüdischen Gemeinde zu helfen. «Was ich hier an Beschimpfungen erlebe, kann überall passieren.» Die einzige Lösung gegen Antisemitismus sei die Erziehung, betonte Gurewitz. Insbesondere Eltern trügen hier eine Verantwortung.

Juden stehen unter Druck

«Wir sind schockiert», sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Offenbach, Alfred Jacoby, dem epd. «Wir haben mehr Angst.» Dass zumindest einer der Täter zu denen gehörte, die den Rabbiner schon vor fünf Jahren bedrängten, mache die gesellschaftliche Problematik deutlich. Vertreter der Gemeinde hätten damals Kontakt zu den Eltern der Täter aufgenommen und mit den Jugendlichen gesprochen. «Wir werden nicht wegrennen», versicherte der Vorsitzende. Allerdings stünden Juden unter Druck: Das Bundeskriminalamt habe ihn vor Jahren informiert, dass sein Name auf einer Todesliste der neonazistischen Terrorgruppe NSU gestanden habe, sagte Jacoby.

«Wir stehen für Weltoffenheit und religiöse Freiheit», betonte Oberbürgermeister Schwenke in einer Stellungnahme. Der Vorfall aber zeige, dass es auch Menschen gebe, die die demokratischen Grundwerte nicht teilten oder sich von ihrem Hass fehlleiten ließen. «Umso wichtiger ist es, nicht nachzulassen im gesellschaftlichen Kampf gegen Rassismus und religiöse Intoleranz.» So beteilige sich die Stadt seit vergangenen Jahr mit einer «Partnerschaft für Demokratie» gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt an dem Bundesprogramm «Demokratie leben!». Eine gemeinsam mit dem Land geführte Beratungsstelle gegen Extremismus habe im vergangenen Januar den Betrieb aufgenommen. epd

Update:

Nach der Beschimpfung des Offenbacher Rabbiners Mendel Gurewitz auf offener Straße hat die Polizei zwei 20-jährige Männer als Tatverdächtige ausgemacht. Eine Polizeistreife, die sich in der Nähe des Vorfalls befand, habe die beiden in Begleitung von vier weiteren jungen Männern stoppen und ihre Personalien aufnehmen können, teilte die Polizei in Offenbach mit. Beide Verdächtige seien den Behörden bereits wegen Eigentumsdelikten bekannt.

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