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Vor 200 Jahren schuf die nassauische Landeskirche die Dekanate

Pfarrer zur Ordnung rufen

BAD SODEN/KRONBERG. Das Organisationsedikt vom 8. April 1818 soll die nassauische Kirche vereinheitlichen. So ganz problemlos verläuft das aber nicht.

CC0/Wikimedia CommonsWilhelm I. von Nassau hat einen kirchlichen Flickenteppich als Herzogtum.

L ange gewartet hat Herzog Wilhelm I. nicht. Noch nicht einmal ein Jahr ist vergangen, seit der Herrscher des Herzogtums Nassau am 11. August 1817 das Unionsedikt unterzeichnet hatte, das Reformierte und Lutheraner zur »Evangelisch-christlichen Kirche« zusammengeschlossen hatte. Am 8. April 1818 folgt das Organisationsedikt. Mit diesem Schreiben gründet Wilhelm die Dekanate in seiner Landeskirche. Eines der Dekanate besteht heute noch und feiert demzufolge nun seinen 200. Geburtstag: das Dekanat Kronberg.

Vereinheitlichung war Hauptzweck der Nassauer Union

Es hat auch seinen guten Grund, warum der Herzog nicht lange wartet, ehe er seine frisch unierte Kirche umgestaltete. Denn die Neuordnung war einer der wesentlichen Gründe gewesen für die Nassauer Union – die erste Kirchenunion in einem deutschen Fürstentum. Wilhelm hatte aus den Befreiungskriegen gegen die Franzosen einen Flickenteppich an Konfessionen geerbt, weil Napoleon die Grenzen der europäischen Landkarte neu gezogen und mehrfach verändert hatte. Das Herzogtum Nassau zum Beispiel umfasste vor der Union nicht weniger als 37 Fetzen früherer Territorien und 39 Territorialkirchen.

Das Organisationsedikt Wilhelms setzt nun einheitliche Standards. Es regelt, welche wissenschaftliche Ausbildung Pfarrer haben und welche Kleidung sie tragen sollen, welches Gehalt sie beziehen und welche Siegel sie führen dürfen. Mit den Dekanaten entsteht nun eine weitere Mittelbehörde zwischen Pfarrern und Landesherr sowie Kirchenvorständen und Oberkonsistorien. Die Dekane sollen einerseits Vertreter der Superintendenten bei geistlichen Fragen, andererseits Gehilfen des Oberkonsistoriums in Verwaltungsangelegenheiten sein. »In dieser Unklarheit konnte sich die Dienststellung des Dekans nicht entfalten«, urteilt der Kirchenhistoriker Heinrich Steitz. »Der Generalsuperintendent erwartete von den Dekanen, dass sie die Pfarrer zur Ordnung riefen, und drohte mit Absetzung für den Fall, dass ein Dekan versagen sollte.«

Nassau verschwindet, aber seine Kirche bleibt bestehen

Nicht einmal ein halbes Jahrhundert nach dem Organisationsedikt ist es mit dem Herzogtum Nassau vorbei – wenn auch nicht mit der nassauischen Landeskirche. Denn Nassau stellt sich 1866 im Krieg zwischen Preußen und Österreich auf die Seite Wiens, was zwar dem geltenden Recht entspricht, denn Preußen ist Aggressor, aber nicht der politischen Klugheit. Denn Preußen gewinnt haushoch und annektiert anschließend mehrere deutsche Kleinstaaten, darunter Nassau. Die jeweiligen Landeskirchen aber bleiben bestehen.

Während der Weimarer Republik gibt es dann eine Reform der Kirchenverfassung. Das neue Paragrafenwerk führt die Struktur ein, die im Prinzip heute noch gilt: die dreistufige Gliederung Gemeinde – Dekanat – Landeskirche. Ein Dekan hat demnach »in amtsbrüderlichem Verkehr mit den Pfarrern des Dekanats zu stehen und sie in allen Zweigen der Amtsführung zu beraten«. So ähnlich steht das dann auch im Kirchengesetz der Nationalsozialisten aus dem Jahr April 1934, allerdings mit einem Zusatz: Neben der Beratung muss der Dekan, der nun »geistlicher Führer seines Dekanats« ist, auch über den Lebenswandel der Seelsorger wachen.

Von Nils Sandrisser

Das Dekanat Kronberg feiert seinen 200. Geburtstag am 8. April mit einem Gottesdienst in der Kronberger Johanniskirche. Beginn ist um 18 Uhr. Die Predigt hält der Propst für Rhein-Main, Oliver Albrecht. Anschließend gibt es einen Empfang im Gemeindehaus.

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