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Indigene Völker leiden unter Trump

Private Interessen

CC-BY-SA 4.0; Pax Ahimsa GethenDemonstrantin mit einem Plakat. Auf schwarzem Hintergrundd steht in türkisfarbenen Buchstaben "We cant drink oil"!»Wir können Öl nicht trinken« – darauf weist diese Demonstrantin hin, die gegen die Pipeline DAPL protestiert.

Ureinwohner gehören zu den großen Verlierern der Amtszeit des aktuellen US-Präsidenten. Donald Trump gefährdet mit Ölbohrungen und Pipelines ihre Lebensgrundlagen oder will ein Indianervolk trennen.

Wasserfontänen durchschneiden die eiskalte Luft. Polizisten ziehen Schlagstöcke, versprühen Pfefferspray über einer großen Gruppe Menschen, die sich im Dezember 2016 zum Protest in einem großen Zeltdorf am Missouri im US-Bundesstaat North Dakota versammelt haben.

Angst vor auslaufendem Öl

Viele der Demonstranten sind Ureinwohner, meist von den Völkern der Lakota und Dakota, die vielen Menschen als »Sioux« bekannt sind. Gleich nebenan liegt eines ihrer Reservate, Standing Rock. Unweit des Reservats graben sich riesige Maschinen durch die Erde. Sie verlegen die Erdöl-Pipeline »Dakota Access Pipeline« (DAPL), die hier den Lake Oahe durchqueren soll, einen großen Stausee des Missouri. Dagegen haben die Lakota, Dakota und die sie unterstützenden Umweltschützer etwas. Die Indianer haben Angst, dass auslaufendes Öl ihr Trinkwasser verseucht.

Bewohner der Hauptstadt wehrten sich

Ursprünglich sollte die Trasse der DAPL näher an North Dakotas Hauptstadt Bismarck verlaufen. Deren Bewohner wehrten sich erfolgreich gegen die Pipeline – pikanterweise mit dem Argument, dass die Trinkwasserversorgung gefährdet sei.

Obama ließ Bauarbeiten stoppen

Gegen die – überwiegend weißen – Einwohner Bismarcks schickte North Dakotas Gouverneur Jack Dalrymple nicht die Polizei und die Nationalgarde. Gegen die Ureinwohner und Umweltaktivisten schon. Kurz nachdem das Fernsehen Bilder der Prügelorgie gezeigt hatte, ließ US-Präsident Barack Obama allerdings die Bauarbeiten an dem umstrittenen Teilstück stoppen. Die Indianer hatten gewonnen. Doch dann kam Donald Trump.

»Ich will von der Pipeline profitieren«

Bereits am fünften Tag seiner Präsidentschaft nahm er Obamas Entscheidung zurück. Trump ist nicht frei vom Verdacht, private Interessen auf Kosten der Ureinwohner zu verfolgen. Er hält nämlich Anteile an der Betreiberfirma der DAPL und an einer weiteren Firma, die am Bau der Pipeline beteiligt ist. Vor seiner Wahl zum US-Präsidenten hatte er gesagt: »Ich will die Pipeline, und ich will von ihr profitieren.«

Auch Ureinwohner Alaskas leiden unter Trumps Entscheidungen

Die Lakota und Dakota sind nicht die einzigen Ureinwohner der USA, die in Trumps Präsidentschaft unter die Räder kommen, darauf machen Angehörige von Eingeborenen zum »Tag der indigenen Völker« am 9. August aufmerksam. Obama hatte zum Beispiel die Küstengewässer Alaskas für Öl- und Gasbohrungen sperren lassen, Trump machte auch diese Entscheidung wieder rückgängig. Hier sind besonders die Eingeborenen der Inuit und Yup’ik betroffen. Bis heute nämlich beziehen sie einen Teil ihres Lebensunterhalts aus dem Meer, indem sie Wale und Robben jagen und fischen.

Bald ein geteiltes Volk in Arizona und Mexiko?

Unabhängig davon, welche Katastrophe eine Ölpest für diese Menschen bedeuten würde, hätte wahrscheinlich schon die unfallfreie Ausbeutung der arktischen Ressourcen Auswirkungen – denn deren Exploration ist mit viel Lärm verbunden. Wale und Fische könnten schnell einen Bogen um die Küsten Alaskas machen.
Besonders hart könnte es bald das Volk der Tohono O’Odham treffen, deren Angehörige im US-Bundesstaat Arizona und südlich der Grenze in Mexiko leben. Die Pläne Trumps, eine Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko hochzuziehen, könnte aus ihnen ein geteiltes Volk machen – ähnlich wie die Koreaner oder wie die Deutschen während des Kalten Kriegs.

Demonstrationen gehen weiter

Auch wenn sie vorerst verloren haben, wollen die Lakota und Dakota von Standing Rock ihren Kampf gegen die Pipeline DAPL fortsetzen – juristisch und mit Demonstrationen auf der Straße. Ganz von der Hand zu weisen ist ihre Angst um das Trinkwasser keinesfalls. Im März vergangenen Jahres floss zum ersten Mal Öl durch die Röhre. Ihr erstes Leck hatte die DAPL dann im Mai.
 Von Nils Sandrisser

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