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Bereit für neue Aufgaben

Psychisch Erkrankte finden wieder Tritt

Elfriede MareschEin kollegiales, firmenübergreifendes Team bringt Inklusion voran: Lars Schäfer (von links), Agim Isufi, Barbara Daum, Friedhelm Mörschel und Reinhold Albrecht.

FRIEDBERG. Nach Klinikaufenthalten sind akute Symptome von Psychosen oder Borderline-Erkrankungen abgeklungen. Aber zurück auf den ersten Arbeitsmarkt ist es ein weiter Weg.

Als Agim Isufi vor zwei Jahren in der Diakonie-Werkstatt Friedberg anfing, beherrschten zwei Punkte das ganze Denken des damals 36-Jährigen: »Ich bin nur noch eins – erschöpft« und »Ich stecke in einer Sackgasse – wie soll ich da bloß rauskommen?«

Schwere Krankheiten können Lebenspläne zerstören

Vielen Beschäftigten der Diakonie-Werkstatt geht es anfangs so. Schwere Erkrankungen können ganze Lebenspläne durcheinanderbringen. Nach Klinikaufenthalten sind die akuten Symptome von Psychosen oder Borderline-Erkrankungen abgeklungen. Die Betroffenen haben den Wunsch, wieder zu ihrer früheren Selbstständigkeit zurückfinden zu können.

Viele kleine Schritte in diese Richtung sind nötig, denn die Klienten sind noch nicht belastbar genug für den ersten Arbeitsmarkt. Die Angebote der Diakonie-Werkstatt – Druckerei und Layout, Lettershop, Konstruktionsbau, Lohnfertigung im Montage-, Konfektionierungs- und Verpackungsbereich, Elektroarbeiten, Hauswirtschaft, Gebäudereinigung sowie Obstbau und Gartenpflege – regen die Beschäftigten an. Sie geben Tagesstruktur, fordern auf niedrigschwelliger Ebene und – was vielleicht am wichtigsten ist – geben das Gefühl: »Ich kann wieder was, ich werde gebraucht.«

Selbstbewusstsein baut sich langsam wieder auf

Meist baut sich dieses Selbstbewusstsein erst nach und nach wieder auf. Die Klinikaufenthalte waren für viele nicht leicht, oft müssen sie noch Medikamente einnehmen, die müde machen. So gehören zum Konzept der Diakonie-Werkstatt die stabile und freundliche Umgebung, helle Räume, Vermeidung von Überforderung und Stressfaktoren und eine individuelle Wiedereingliederung des Einzelnen.

Isufi hat sich als Außenhandelskaufmann qualifiziert und etliche Jahre in dieser Branche gearbeitet. Es wünscht sich zurück auf den ersten Arbeitsmarkt. Das entspricht durchaus dem Konzept der Einrichtung. »So wie wir in unserer Werkstatt Menschen eine zweijährige Berufsbildungsphase anbieten, fördern wir die Rückkehr auf den allgemeinen Arbeitsmarkt«, sagt Eckhard Sandrock, Leiter des Diakonischen Werkes Wetterau. »Die Begleitung unserer Fachkräfte unterstützt die Beschäftigten dabei.«

Hilfe von der Sozialarbeiterin

So war auch Isufi bald im Gespräch mit der Sozialarbeiterin Barbara Daum, im Diakonieteam Fachkraft für inklusive Beschäftigung. Im März dieses Jahres erfüllte sich sein Wunsch: Mit sechs Stunden pro Tag begann er bei der Firma »Flip4« in Friedrichsdorf ein Praktikum. »Flip4« ist ein Ankaufdienst für elektronische Geräte wie Spielkonsolen, Spiele, I-Phones, Tablets und Computer. Die Beschäftigten reinigen die Geräte, reparieren sie bei Bedarf und machen sie so wieder marktfähig. »Auch technikversierte Firmen können und sollen sozial engagiert sein.«, sagt Tobias Schäfer, Logistikleiter bei »Flip4«.

So kam Isufi von Anfang an in eine freundliche kollegiale Atmosphäre. Anfangs übernahm er die Erstaufladung von Handys, so dass die Tester sofort anfangen konnten. Bald merkte Schäfer, dass Isufi damit eigentlich unterfordert war und übergab ihm komplexere Aufgaben.

Ein Stück näher an der Rückkehr in den alten Beruf

Nun erzeugt er Versand-Label, packt Ware ein und macht sie versandfertig, alles mit großer Zuverlässigkeit. »Wir sind in einem guten Dialog, in unserer Abteilung ist man per du«, berichtet Schäfer. »Ich merke, wenn Agim bereit ist für neue Aufgaben. Voll integriert in den Betriebsrhythmus, ist er eine Entlastung für unser Team.« Auch Isufi sagt, er fühle sich wohl bei »Flip4« und mit seinen Aufgaben dort: »Jetzt bin ich der Rückkehr in meinen alten Beruf ein Stück näher gerückt.«

Von Elfriede Maresch

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