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Ergreifendes Gedenken

Schüler erinnern an die Familie Karlsberg

privat/Dietmar VolkeStolz auf ihr Projekt der Erinnerungskultur: Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse der Stadtteilschule Arheilgen.

DARMSTADT. Die Karlsbergs gehörten zur jüdischen Bevölkerung in Darmstadt-Arheilgen. Als die Nazis mehr und mehr Macht an sich reißen, versuchen sie, wenigstens die beiden halbwüchsigen Töchter Martha und Erna in Sicherheit zu bringen. Schülerinnen und Schüler haben die Familiengeschichte recherchiert, Geld für Stolpersteine gesammelt und zu einer Gedenkfeier eingeladen.

E ine kleine Seitenstraße im Darmstädter Stadtteil Arheilgen. Eine große Menschentraube hat sich um das Hoftor der Darmstädter Straße 3 versammelt. Etwa 100 Menschen dürften es sein: Schüler der Stadtteilschule Arheilgen, Eltern, alte und junge Arheilger, auch Gäste aus Darmstadt. Wie gut, dass das Hoftor einladend offen steht. Eine freundliche Geste der Hausbewohner, nicht selbstverständlich. Vor dem Haus werden an diesem Vormittag vier Stolpersteine für die Karlsbergs gesetzt. Sarah und Philip, Schüler der neunten Klasse der Stadtteilschule, erzählen, was sie mit ihren Mitschülern über die Karlsbergs in Erfahrung gebracht haben. Die Familie hatte ein kleines Schuhgeschäft in Arheilgen. Sie lebte im Ort wie viele andere auch; der in Arheilgen bekannte Druckereibesitzer Aaron Reinhard war zum Beispiel ihr Trauzeuge.

Die Eltern setzen alles dran, die Töchter zu retten

Dann begann die Nazi-Zeit. Juden sind keine Reichsbürger mehr. Niemand schützt ihr Hab und Gut, ihr Leben. Und die Karlsbergs sind Juden. Die Eltern setzen alles dran, um wenigstens ihre Töchter Martha und Erna in Sicherheit zu bringen. Eindrücklich schildern die jungen Menschen die Karlsberger Familiengeschichte. Erna flüchtet nach Amerika. Da ist sie 17 Jahre alt. Martha folgt vier Jahre später und wird – in Amerika angekommen – 16. »Beide waren damals nur wenig älter als wir heute«, sagt die Neuntklässlerin Frauke.

Die Nazis deportieren die Eltern 1942 ins Ghetto

Erna und Martha haben ihre Eltern nie wieder gesehen. Der Vater wurde zu schwerer Arbeit im Tonwerk Heppenheim gezwungen. 1942 haben die Nazis die Eltern ins Ghetto nach Piaski deportiert, wo sie sie später für tot erklärten. Das alles haben die Schüler mit viel Eifer im Religionsunterricht mit ihrer Lehrerin Ulrike Volke zusammengetragen.

Die Schüler tragen auch die Kosten der Stolpersteine

Das Projekt lief über mehrere Jahre. Der Besuch von Synagoge, Kirche und Moschee gehörte zum Programm. Auch für die Kosten der Stolpersteine kommen die Schüler selber auf. Mit dem Verkauf von Kuchen haben die Mädchen und Jungen den Betrag zusammengebracht. Und dann endlich ist es so weit: die Stolpersteine sollen gesetzt werden. esz

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