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Förderverein Synagoge Mainz-Weisenau besucht Kraków und Auschwitz-Birkenau

Schuld zelebrieren genügt nicht

MAINZ. Im ehemaligen Krakau lernten die Besucher das ehemalige jüdische Viertel kennen. Ihre Eindrücke aus der Gedenkstätte verarbeiteten sie vor einer ganz besonderen Kirche.

privatDie »Kaplica na Wodzie« steht auf einer Brücke über einen Bach.

Die Brückenkirche bei Skala, etwas nordöstlich von Kraków, hat eine bemerkenswerte Entstehungsgeschichte. Zar Nikolaus II. hatte seinen polnischen Untertanen verboten, auf russischem Boden eine Kirche zu errichten. Die selbstbewussten Polen unterliefen das Verbot, indem sie ihre »Kaplica na Wodzie« einfach auf einer Brücke über einen Bach im Ojcowski-Tal bauten.

An diesem besonderen Ort versammelten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Studienfahrt des Förderkreises Synagoge Mainz-Weisenau. Zuvor hatten sie Kraków, das ehemalige Krakau, und die Gedenkstätten des Vernichtungslagers Auschwitz und Birkenau besucht. »Die bedrückenden und sprachlos machenden Eindrücke und Bilder der Todesmaschinerie der Kriegsjahre 1942 bis 1945, in der weit über eine Million jüdischer Menschen aus Europa von Deutschen ermordet wurden, zehrten an uns, verlangten Hilfe und Befreiung«, schildert Peter Kratz vom Förderverein.

Entdeckungstour in Kraków

In Krakau gingen die Besucher aus Deutschland auf Entdeckungsreise. Natürlich gehörte der Wawel dazu, die Festung mit Kathedrale. Sie besichtigten Oskar Schindlers ehemalige Emaillefabrik, den Marktplatz mit dem Rathausturm und der spätgotischen Marienkirche, wo vor allem der von Veit Stoß geschnitzte Holzaltar aus dem 15. Jahrhundert beeindruckte.

Die Gäste aus Deutschland lernten auch das ehemalige jüdische Viertel Kazimierz kennen. Von den zahlreichen Synagogen wird nach der Naziherrschaft allein die Remuh-Synagpoge heute als jüdisches Gotteshaus genutzt: Knapp 200 jüdische Gemeindemitglieder gehören noch dazu. Vor der Shoah wohnten hier annähernd 80 000 jüdische Menschen.

Erinnerung und Ermutigung

Am Ende der Reise versammelten sich die Teilnehmer vor dem Holzkirchlein »Kaplica na Wodzie« auf der Brücke bei Skala, ließen Psalm 21 – mit dem Jesus am Kreuz zu Gott betete – zu ihnen sprechen und bekannten, dass christliche Glaubensinhalte in der Shoah preisgegeben wurden. »Aus diesem tiefen Abgrund holten uns jüdische und christliche Theologen nach 1945 heraus, die uns nach der Katastrophe unseren Heiland Jesus Christus als jüdischen Menschen nahebrachten«, sagt Kratz.

Die Erinnerung an sie und an manche weitere Entwicklung in den Kirchen dürfe man als Ermutigung verstehen. »Es genügt nicht, ein Schuldbekenntnis oder Ähnliches zu zelebrieren«, stellt er klar. »Unsere Umkehrbotschaft ›Nie mehr‹ muss erkennbare und für unsere Kinder und Kindeskinder nachvollziehbare Veränderungsschritte sichtbar und unmissverständlich dokumentieren.« esz

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