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Evangelische Pfadfinder fordern Tempolimits

Schutz von Mensch und Molch

esz/Timo RiegGut, wenn man Freunde hat, die einem über die Straße helfen.

ALSFELD. Zeitweise Straßensperrungen bringen nicht besonders viel, wenn Autofahrer sie ignorieren. Die Evangelischen Pfadfinder Vogelsberg haben eine andere Idee, um Frösche und Kröten zu schützen – die hätte sogar gleich zweifachen Nutzen.

Die Untere Naturschutzbehörde in Gießen hat Mitte März zu einer harten Maßnahme gegriffen. Für Autofahrer. Sie hat die Kreisstraße 29 zwischen Staufenberg und Lollar gesperrt. Für die gesamte Zeit der Krötenwanderung. Der Grund: An die in den Jahren zuvor geltenden nächtlichen Ruhezeiten des Verkehrs, in denen den Amphibien ein gefahrloses Überqueren der Straße zu ihren Laichplätzen gesichert werden sollte, hatten sich die wenigsten Autofahrer gehalten.

Eine Erfahrung, die auch die Evangelischen Pfadfinder Vogelsberg (EPV) alljährlich machen. Seit 2008 sind sie im Naturschatz aktiv. Anfang 2015 initiierten die EPV das »Netzwerk Amphibienschutz«. Tausenden Kröten, Molchen und Fröschen haben die Ehrenamtlichen durch den Bau von Zäunen oder durch das nächtliche Einsammeln der Tiere das Leben gerettet.

Autofahrer zeigen häufig keine Reaktion

Erfahrung hat den Diplom-Biologen Timo Rieg schon ein wenig desillusioniert. »Unsere Pfadfinder erleben mit 100-prozentiger Sicherheit folgendes Szenario:«, beschreibt er: »Sie gehen bei Dunkelheit am Rand einer Landstraße entlang. Ihre Taschenlampen erfassen ein Erdkrötenpärchen auf dem Asphalt. Weil sich bereits ein Auto nähert, ist es ihnen aus Sicherheitsgründen verboten, die Straße zu betreten. Aber weder das Krötenwarnschild, die Pfadfinder mit gelben und orangenen Warnwesten noch der direkt auf die Tiere gerichtete Lichtkegel lassen den Autofahrer erkennbar abbremsen«.

Weil sich an diesem Verhalten partout nichts ändern will, fordern Rieg und seine Mitstreiter vom EPV nun Tempo 30 für die rund dreiwöchige Amphibien-Wanderzeit auf Abschnitten von 36 Straßen im Vogelsberg. Die Geschwindigkeitsbegrenzung ergebe doppelt Sinn: Zum einen können Autofahrer die Tiere früher erkennen. Noch wichtiger aber sei, dass bei Tempo 30 von den vorbeifahrenden Fahrzeugen eine deutlich geringere Druckwelle ausgehe, erklärt Rieg.

Gefahr geht nicht allein von den Reifen aus

Denn den Tieren droht der Tod nicht nur, weil sie unter die Räder kommen, sondern insbesondere durch die heftigen Druckschwankungen, denen sie von schnell vorbeifahrenden Kraftfahrzeugen ausgesetzt sind. Sie lassen die Lungen der Amphibien platzen.

»Unsere Geschwindigkeitsmessungen der vergangenen Jahre haben eindeutig gezeigt, dass nicht einmal zehn Prozent der Autofahrer auch nur ein wenig vom Gas gehen«, kritisiert Rieg. »Selbst wenn die Straße schon von Kadavern übersät ist – keine Reaktion.« Dutzende toter Tiere auf dem As phalt – ein schrecklicher Anblick.

Beschluss des Kreistags steht noch aus

Auf das geforderte Tempolimit der Amphibienschützer haben »bisher nur wenige Mitglieder des Vogelsberger Kreistags persönlich geantwortet und Unterstützung zugesagt«, sagt Rieg. Ein Beschluss steht noch aus. »Wir hoffen sehr, dass rein an der Sache orientiert entschieden wird und nicht nach Parteifarben.«

Das Regierungspräsidium Gießen hat angekündigt, den Zustand von Schutzeinrichtungen wie Fangzäunen überprüfen zu wollen. Eine kleine Hoffnung.

Von Corinna Willführ

Wer die Pfadfinder beim Schutz von Kröten, Molchen und Salamandern unterstützen möchte, kann sich unter melden unter amphibien@pfadfinder-vogelsberg.de.

Buchhinweis: »Dieter Glandt: Heimische Amphibien. Bestimmen – Beobachten – Schützen«; Aula-Verlag 2008; 178 Seiten; 9,95 Euro.

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Tel.: 069 / 92107-444
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