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Bärbel Schäfer und Eva Szepesi im Gespräch

Soldat der Roten Armee rettet sie

Marlene Broeckers Eva Szepesi (links) und Bärbel Schäfer leben beide seit vielen Jahren in Frankfurt und sind Freundinnen geworden.

DARMSTADT. In einer Veranstaltungsreihe über Israel und Palästina erlebten die Teilnehmer im Offenen Haus einen bewegenden Abend. Die Moderatorin Bärbel Schäfer stellte ihr Buch »Meine Nachmittage mit Eva« vor.

Besonders bewegend war der Abend in Darmstadt auch deshalb, weil Eva dabei war. Eva Szepesi (85) und Bärbel Schäfer (54) leben beide in Frankfurt. Vor einigen Jahren haben sie sich kennengelernt und angefreundet. Die gebürtige Bremerin Bärbel Schäfer ist nach ihrer Heirat mit Michel Friedmann zum Judentum konvertiert, Eva Szepesi ist als Eva Diamant 1932 in Ungarn geboren. Hier lebten zu der Zeit über 700 000 jüdische Mitbürger. Bis heute trägt sie die Nummer des Konzentrationslagers auf dem Arm: A 26877. »A steht für Lager A in Auschwitz Birkenau«, erklärte sie.

Sie sieht ihre Eltern und ihren Bruder nie wieder

Ihre glückliche Kindheit endet schlagartig, als im März 1944 deutsche Truppen Ungarn besetzen. Ihr Vater Károly Diamant, der in einem Vorort von Budapest ein Geschäft für Herrenausstattung führt, wird bereits 1943 in ein Arbeitslager deportiert. Um ihre Tochter in Sicherheit zu bringen, schickt Mutter Valery Diamant Eva mit einer Tante in die Slowakei. Sie verspricht, in sieben Tagen mit dem jüngeren Bruder Tamás nachzukommen. Doch alle Pläne scheitern. Eva Szepesi hat ihre Eltern und ihren Bruder nie wiedergesehen. Sie wurde auf der Flucht gefasst und in ein Sammellager gebracht. Von dort fuhr sie im November 1944 mit einem Viehtransport ins Konzentrationslager Auschwitz.

Sie macht sich älter, ist deshalb arbeitsfähig

Sie entging der sofortigen Ermordung in der Gaskammer, weil sie dem Rat einer Aufseherin folgte. Die hatte ihr bei der Selektion geraten, sie solle ihr Alter mit 16 angeben. Jüngere Häftlinge galten nicht als arbeitsfähig. »Wie das geklappt hat, weiß ich nicht. Ich war doch gerade erst zwölf geworden«, erzählt sie. Sie überlebt den eiskalten Winter 1944/45, obwohl sie in dünner Häftlingskleidung ohne Strümpfe und Handschuhe Steine schleppen muss. Weil die Nazis sie bereits für tot halten, muss sie Ende Januar 1945 nicht mit auf den Todesmarsch.

Soldat gibt dem Mädchen frisch gefallenen Schnee

Ein Soldat der Roten Armee, die das KZ am 27. Januar 1945 befreit, zieht sie unter verstorbenen Kindern liegend aus einer Baracke hervor. Er hält dem Mädchen, das eine Woche ohne Nahrung und Wasser geblieben war, frisch gefallenen Schnee an die Lippen. Zurück im Leben, kommt Eva Szepesi bei Verwandten in Budapest unter und heiratet. 1954 zieht sie mit ihrem Mann und einer Tochter wegen eines beruflichen Angebots nach Frankfurt. Dort bringt sie ihre zweite Tochter zur Welt. Eva Szepesi ist seit 25 Jahren Witwe, hat zwei Enkel und drei Urenkel.Von Marlene Broeckers

Bärbel Schäfer: »Meine Nachmittage mit Eva«; Gütersloher Verlagshaus 2017; 224 Seiten; 19,99 EuroBärbel Schäfer: »Ist da oben jemand?: Weil das Leben kein Spaziergang ist«; Gütersloher Verlagshaus 2017; 224 Seiten; 19,99 Euro; Eva Szepesi: »Ein Mädchen allein auf der Flucht«; Metropol-Verlag 2011; 159 Seiten;16 Euro

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