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Schwund der Singvögel

Sorge um Rotkehlchen und Kiebitz

pixabay/smarkoDer spatzengroße Buchfink ist ein echter Schönling, zumindest was Herrn Buchfink angeht. Bei schönem Wetter ist sein Gesang schon im Februar zu hören.

BAD NAUHEIM. Für den Rückgang der Singvogelzahlen gibt es viele Ursachen. Der Zoologe Wolfgang Wiltschko will es nicht dogmatisch verstanden wissen – aber ein paar Ideen zur Abhilfe hätte er schon.

Wenn Wolfgang Wiltschko in seinen Garten blickt oder wissenschaftliche Studien auswertet, stellt er dasselbe fest: Die Zahl der Singvögel hierzulande hat sich erheblich verringert. Dabei ist der Bad Nauheimer, Jahrgang 1938, kein Hobbybeobachter der Vogelwelt, sondern war bis zu seinem Ruhestand Professor für Zoologie mit Ornithologie als Spezialgebiet an der Goethe-Uni in Frankfurt. Mehr noch: Wiltschko ist der erste Forscher, dem es Anfang der 1960er Jahre gelang, experimentell nachzuweisen, dass sich Vögel am Erdmagnetfeld orientieren. Auch nach seiner Emeritierung gilt die Passion des vielfach ausgezeichneten »biologischen Urgesteins der ganz seltenen Art«, wie ihn die Frankfurter Allgemeine zu seinem 70. Geburtstag ehrte, den Vögeln.

Die Zahlen allein sind ziemlich deutlich

Beim »Montagsforum« der Bad Nauheimer Kirchengemeinde ist Wiltschko in der Wilhelmskirche mit seinem Vortrag »Verschwinden unsere Singvögel? Unschuldige Betroffene einer gesellschaftlichen Entwicklung« zu Gast. Für den Wissenschaftler ist die Frage im Titel des Vortrag eigentlich gar keine. Er lässt die nackten Zahlen auf seine Zuhörer wirken: Auf eine kleine Anfrage der Grünen hat die Bundesregierung im Mai 2017 eine »signifikante Bestandsabnahme« der Singvögel in Deutschland und Europa vermeldet. So nahm die Zahl der Kiebitze von 1990 bis 2013 um 80 Prozent ab, die der Braunkehlchen um 63 Prozent und die der Feldlerchen um 35 Prozent.

Die Flächen mit »armen Biotopen« wie Fichtenwälder, exklusiv genutztes Grünland oder Monokultur-Äckern sind mehr geworden. Artenreiche Areale wie Streuobstwiesen dagegen gibt es immer weniger. »Reiche Biotope« gebe es zwar noch zahlreich, sagt Wiltschko. Er zählt neben Auen auch Parks und Friedhöfe dazu. »Der Frankfurter Hauptfriedhof ist ein Eldorado für circa 150 Vogelarten«, sagt er. Nicht immer aber würden solche Biotope im Bewusstsein gepflegt, dass Unterholz auch mal liegen bleiben sollte, um den Federtieren Rückzugs- und Niststätten zu sichern.

Niemand sammelt heute mehr Sperlingseier

Die Zeiten, als Wiltschko als Bub in der Schule animiert wurde, die Eier von Sperlingen zu sammeln, um diese anschließend gemeinsam zu entsorgen, sind vorbei. Ebenfalls das vor allem in England gepflegte Hobby, seltene Eierschalen zu sammeln. Beides sei deshalb »keine große Gefahr mehr für ihren Bestand«, sagt er. Wohl aber die Zerstörung ihres Lebensraums durch den Nutzungswandel in der Landwirtschaft, Stichwort Monokulturen. Das radikale Beseitigen von Altholz nennt Wiltschko »ein Nachtigallen-Vermeidungsprogramm«.

Die Vorschläge, die Wiltschko mitgebracht hat, um das Überleben von Kiebitz und Rotkehlchen, Goldammer und Mauersegler zu sichern, will er »nicht dogmatisch verstanden« wissen. Er plädiert für eine stärkere Kooperation von Natur- und Bauernverbänden, Kommunen und der Industrie. Er hält ein verbessertes Biotopmanagement für notwendig, möchte, »dass mehr Unkraut und Brachland geduldet wird«, Land- und Forstwirtschaft von einer extensiven Nutzung abkommen.

Von Corinna Willführ

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