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Jakobsweg-Wanderung

Umarmung aus Liebe

Foto: Imme RiegerNicole Reh mit Jakobsmuschel und Camino-Reiseführer.

LANGGÖNS. Nicht alles auf dem Jakobsweg war für Nicole Reh vergnügungssteuerpflichtig. Aber unter dem Strich bleibt eine Erfahrung, die sie nicht missen will. Der Weg hat etwas in ihr verändert.

W ein, Wasser und Weißbrot, die typische Nahrung der Pilger auf dem spanischen Jakobsweg, warteten auf die Gäste, und mit »bienvenido« und dem Pilgergruß »buen camino« begrüßte Nicole Reh sie im Gemeindezentrum neben der Lang-Gönser Jakobuskirche. Die Lang-Gönserin ist im vergangenen Sommer als Pilgerin den Jakobsweg gegangen. In 40 Tagen hat sie 850 Kilometer zurückgelegt.

»Der Weg hat mich gerufen, er war in meinem Kopf und ging nicht mehr raus«, beschrieb Reh ihre Motivation. Nach mehrmonatiger Vorbereitung entschied sie sich dafür, den Jakobsweg entlang der nordspanischen Küste zu gehen und nicht den klassischen Jakobsweg, den »camino frances« durch das Landesinnere, den die meisten christlichen Pilger wählten. Wunderschöne Steilküsten, atemberaubende Blicke aufs Meer, grüne Landschaften, pittoreske Küstenorte und Klöster belohnten sie.

Schnarchende Mitpilger, schmerzende Füße – aber das war es wert

Ausgerüstet mit Rucksack, einem Wanderführer und dem Pilgerpass, der es erlaubt, in den Pilgerherbergen zu übernachten, ging es los. »Die Jakobsmuschel, das Zeichen der Pilger am Rucksack, ist kein Muss, aber ein wunderschönes Erinnerungsstück«, erzählte die junge Frau. Und ja, die Wanderin erlebte auch weniger schöne Dinge wie Regenwetter, schnarchende Mitpilger in vollen Herbergsschlafsälen und nach mehreren Hundert Kilometern schmerzende Füße, aber das sei es ihr wert gewesen, sagte sie.

Die Pilgerin folgte den gelben Pfeilen und Jakobsmuscheln, die den »camino« weisen, und traf auf ihrer Reise viele andere Wanderer. Mit einigen ging sie ein Stück gemeinsam. »Mit den Spaniern, die kein Englisch sprechen, musste ich mich mit Händen und Füßen verständigen, aber es klappte immer«, erzählte sie schmunzelnd. Abends in den Herbergen saß man oft in Gruppen mit internationaler Besetzung beisammen und genoss Paella und andere spanische Spezialitäten.

Zum Ende der Reise wächst das Vertrauen auf Gott

Am frühen Morgen ging es weiter, mal alleine, mal zu zweit oder dritt. »Anfangs hatte ich beispielsweise Angst, abends kein Bett zu bekommen«, gestand sie, irgendwann ließ sie diese Gedanken absichtlich los und vertraute stärker auf Gott: »Ich bekam als Geschenk von Gott eine riesengroße Umarmung aus reiner Liebe.«

Eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen war es, das Treiben in den Straßen zu beobachten. »Die Gelassenheit und Lebensfreude der Spanier ist eine tolle Mentalität«, sagte sie. Als Pilger werde man in Spanien sehr geschätzt. »Pilger sind dort wie Heilige«, sagte sie, »es war kein Problem für mich, als Frau alleine unterwegs zu sein.« Als sie am Ziel in Santiago de Compostela angekommen sei, sei sie ein wenig traurig gewesen, »obwohl ich mich noch nie im Leben so auf mein Bett gefreut habe«.

Imme Rieger

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