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Eppenroder Gotteshaus heißt wieder wie im Mittelalter

Unsere liebe Frau

Gundula StegemannHeute gibt es in der Eppenroder Kirche wieder eine Marienfigur, nachdem dort lange strenges Bilderverbot geherrscht hatte.

EPPENROD. Mit einem Konzert und einer Lesung gedachte die Kirchengemeinde Eppenrod der 825-jährigen Geschichte ihres Gotteshauses. Aus Anlass des Jubiläums schenkte man ihr den Namen wieder, der nach der Reformation in Vergessenheit geraten war.

Vielleicht wollten sich die Protestanten damals von den katholischen Nachbarn in Nentershausen absetzen. Jedenfalls tilgten sie den Namen »Marienkirche«, den ihr Gotteshaus bis dahin trug. Nun hat es seinen alten Namen wieder zurückerhalten. Ein Konzert und eine Lesung waren hierfür der feierliche Rahmen, der überschrieben war mit »Maria von Nazareth, die Mutter Jesu«.

Dabei war der alte Name längst vergessen. Vor rund zehn Jahren hatte der Gymnasiallehrer Adolf Morlang mit seinen Nachforschungen zur Kirchengeschichte Eppenrods begonnen und dabei eine Aktennotiz über eine Urkunde vom 5. Oktober 1463 entdeckt. Darin geht es um Johannes Brubach, den »Pleban der Marienkirche zu Eppenrod«, ein Priester. Außerdem hatte ein früherer Pfarrer in der Pfarrchronik unter dem Titel »Rückblicke in die früheren Zeiten« vermerkt: »Patron der Kirche zu Eppenrod war unsere liebe Frau!«.

Die heutige Innenausstattung ist typisch protestantisch

Von der mittelalterlichen Einrichtung ist heute leider nichts mehr erhalten. Die heutige Innenausstattung aus der Zeit um 1680 zeigt eine typisch protestantische Handschrift: Die Kanzel, der Ort der Verkündigung des Evangeliums, steht im Mittelpunkt. Davor der Tisch des Herrn, an dem sich die Gemeinde zum Abendmahl versammelt. Darüber die Orgel, die das Lob Gottes begleitet. »Auch das Gestühl ist evangelisch«, erklärt die Pfarrerin. »Im Mittelalter gab es ja nur das Chorgestühl der Ordensleute. Die Gemeinde hat in der Regel die Messe stehend oder knieend gefeiert.«

Sogar Marienbilder gibt es heute wieder in dem Gotteshaus: Nach der letzten Innenrenovierung 1997 gab der Kirchenvorstand bei der ortsansässigen Keramikmeisterin Sieglinde Müssig-Jarnicki ein Reliefbild in Auftrag, das an die Patronin der Kirche, der Maria, erinnern sollte. 2009 erhielt die Gemeinde eine Marienstatue des Bildhauers Helmut Bourger als Geschenk.

Die Zeiten der Konfrontation sind schon längst Geschichte

Mit der gegenseitigen Annäherung von Katholiken und Evangelischen habe sich auch die Einstellung der Protestanten zu Maria geändert, sagt Vongehr. »Die Bibel zeichnet eine Frau, die sich trotz ihrer Fragen auf Gott einlässt, die Großes von dem Gott erwartet, der sich der Niedrigen annimmt und sie zu Ehren kommen lässt«, betont die Pfarrerin. »Eine Frau, die trotz allem, was sie an Schwerem durch- und mit ihrem erstgeborenen Sohn erlitt, zu ihm gehalten und auch nach Ostern zu der Gemeinde der ersten Christen gehalten hat.« Die Zeiten der Konfrontation sind in Eppenrod schon längst Geschichte: Heute gibt es dort einen ökumenischen Bibelkreis, und Katholiken und Protestanten feiern den Weltgebetstag gemeinsam.

Von Gundula Stegemann

Am Erntedankfest feiert die Gemeinde offiziell den Geburtstag ihrer Kirche. Bis dahin wird es auch einen Bastelbogen geben, mit dem man die Kirche nachbauen kann.

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