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Kooperation zwischen Dekanat Mainz und Staatstheater

Von Obrigkeit und Gefräßigkeit

eöa/Armin ThomasSebastian Brandes verknüpft die Bibellektüre mit den Reiseberichten des Georg Forster, der mit James Cook in der paradiesischen Südsee unterwegs war.

MAINZ. Während des Lutherjahrs gab es mehrere gemeinsame Aktionen von Dekanat und Staatstheater. Daran knüpfen beide nun an. Zum Auftakt geht es darum, in welcher Welt wir leben wollen.

W enn biblische Texte außerhalb ihres gewohnten Umfelds gelesen werden, können Zuhörer sie anders wahrnehmen und dabei womöglich einen neuen Zugang entdecken. Das ist die Idee, die hinter einer neuen Veranstaltungsreihe des Dekanats unter dem Titel »Theater trifft Bibel« steckt. Das Thema zum Auftakt hieß: »Die Welt – ein besserer Ort«. Gregor Ziorkewicz, Pfarrer für Stadtkirchenarbeit an St. Johannis, erläuterte, dass es um die Frage gehe: »In welcher Gesellschaft wollen wir leben?«

Sebastian Brandes, Schauspieler am Mainzer Staatstheater, trug Texte aus dem Neuen und dem Alten Testament vor und stellte sie in einen Dialog mit Reiseberichten Georg Forsters. Mit Zitaten aus dem Römerbrief des Paulus begann Brandes: »Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsaal, beharrlich im Gebet.« Das klang wenig überraschend. Doch dann schon: »Jedermann sei Untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott. Wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott angeordnet.«

Das Paradies als eine Gesellschaft von Gleichen

Doch erst einmal entführte der 35-jährige Brandes, seit 2014 Mitglied des Ensembles am Mainzer Staatstheater, die Zuhörer in die Welt des jungen Georg Forster, der einst als 17-Jähriger mit James Cook die Welt umsegelte und 1792/93 an der Spitze der Bewegung stand, die in Mainz für kurze Zeit die erste deutsche Republik ausrief und daran mitwirken wollte, das für ihn paradiesische Leitbild einer Gesellschaft zu verwirklichen, in der alle Menschen gleich sind. Brandes vermittelte einen Eindruck davon, wie erstaunt Forster vom ursprünglichen Leben der Menschen auf Tahiti gewesen sein muss: »Die Leute, welche uns umgaben, hatten so viel Sanftes in ihren Zügen, so viel Gefälliges in ihrem Betragen.«

»Sorgenfreie Glückseligkeit«

Nachdenklich stimmte die Zuhörer eine Passage aus dem ersten Buch Samuel: Die Ältesten Israels forderten Samuel auf, ihnen einen König zu geben, der über sie richten soll. Samuel missfiel dies und er betete zu Gott. »Der Herr aber sprach zu Samuel: Gehorche der Stimme des Volkes in allem, was sie zu dir sagen; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, dass ich nicht mehr König über sie sein soll. So wie sie es immer getan haben von dem Tage an, da ich sie aus Ägypten führte.«

Forster schwärmt von der »ungestörten sorgenfreien Glückseligkeit« der Insulaner, um zu dem überraschenden Schluss zu kommen: »Wahrlich: Wenn die Wissenschaft und Gelehrsamkeit einzelner Menschen auf Kosten der Glückseligkeit ganzer Nationen erkauft werden muss, so wäre es – für die Entdecker und die Entdeckten – besser, dass die Südsee den unruhigen Europäern ewig unbekannt geblieben wäre!«

Von Armin Thomas

In der nächsten Folge von »Theater trifft Bibel« geht es am 10. Juni ab 16 Uhr in der Josefskapelle des städtischen Altenheims um das Thema »… dass der Wein erfreue des Menschen Herz.«

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