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Grundlagen der Religionsfreiheit

»Was macht das Kreuz dort an der Wand?«

Hilke WiegersHüseyin Kurt (von links), Moderator Ralf Kohl, Klaus-Volker Schütz, Alexander Nawar und Yoshiharu Matsuno diskutieren im Binger Stefan-George-Haus.

BINGEN. Wenn es um religiöse Zeichen in öffentlichen Räumen geht, kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu heftigen Kontroversen. Der 13. Interreligiöse Dialog in Bingen ging der Frage »Was macht das Kreuz dort an der Wand?« nach.

I n der Gesellschaft der Zukunft werden wir mit den religiösen Symbolen der anderen zu leben lernen, aber man darf niemanden auf ein einziges religiöses Symbol verpflichten«, wagte Klaus-Volker Schütz, Propst für Rheinhessen und das Nassauer Land, einen Ausblick. Er war einer der Gäste, der für den Interreligiösen Dialog von Johanneskirchengemeinde und der Volkshochschule ins Binger Stefan-George-Haus gekommen war. Das Verhältnis von Staat und Religion war das Thema, und Schütz nahm dazu Stellung: »Miteinander verpflichtet sind wir als Vertreter der unterschiedlichen religiösen Gemeinschaften auf den säkularen Rechtsstaat, der sich an den Menschenrechten orientiert.« Neben Schütz waren Alexander Nawar, Ökumenereferent des Bistums Mainz, Hüseyin Kurt, Koordinator der Arbeitsgemeinschaft türkischer Moscheevereine in Frankfurt, und Yoshiharu Matsuno, Lehrmeister der buddhistischen Gruppierung Soka Gakkai zu dem von der Evangelischen Johanneskirchengemeinde Bingen und der Binger Volkshochschule organisierten Gespräch eingeladen.

Demokratie ständig neu erkämpfen

Mehrere der Gäste auf dem sich in der vom Politologen Ralf Kohl geleiteten Podium kritisierten, dass insbesondere jüngere Menschen nur noch wenig über die Grundwerte der Demokratie und damit auch über die Religionsfreiheit wüssten. Nawar forderte: »Wir müssen wieder mehr über die geistigen Überzeugungen diskutieren, die die Grundlage eines staatlichen Zusammenlebens sind, denn Demokratie ist nichts, was von einer Generation zur anderen überschwappt, sondern jede Generation muss von Neuem die Demokratie ergreifen und muss dafür auch kämpfen und alle, die antidemokratisch sind, bekämpfen.«

Schütz verwies darauf, dass gerade das Wissen um die Wurzeln unserer Staatsform für das Miteinander der Religionen wichtig sei. Der deutsche säkulare Staat sei christlich-jüdisch geprägt, aber man müsse aufpassen, wenn heute wieder lautstark gefordert werde, dass von Deutschland als einem christlichen Land zu reden sei, denn dieser säkulare Staat sei mindestens genauso den Werten der Aufklärung verpflichtet, die zwar aus der Religion erwachsen, aber auch gegen sie formuliert worden seien.

Propst fordert Ausbildung islamischer Geistlicher

Auch die anderen Vertreter nannten die Freiheit der Religion als wichtiges Gut. Der Buddhist Matsuno betonte: »Politik muss ein Förderer der spirituellen Entwicklung des Menschen sein«. Hüseyin Kurt als Vertreter des Islams erklärte, dass für ihn das Grundgesetz ein wichtiger Pluspunkt für seine Leben in Deutschland sei. So könne er sicher sein, dass er »auch noch in 30 Jahren sagen werde, lieber Gott, lieber Allah, ich danke dir, dass du mir dieses wunderbare Deutschland als Lebensraum geschenkt hast«.

Um den gemäßigten Islam in Deutschland zu stärken, forderte Propst Schütz außerdem akademische Ausbildungsmöglichkeiten für islamische Lehrkräfte. Der katholische Theologe Nawar plädierte dafür, mehr in die Bildung und hier insbesondere in die Lehre zu investieren.

Von Hilke Wiegers

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