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Stolperstein

Wir haben es in der Hand

Susanne RappPfarrer Andreas Jung (links), Frank Häußler und seine Schülerinnen mit dem Stolperstein, der in der Adam-Foßhag-Straße verlegt wurde.

Königstädten. Vor der eher unscheinbaren Adam-Foßhag-Straße Hausnummer 6 glänzt ein kleiner quadratischer Stein im Boden. Vor allem den Schülerinnen und Schülern der Gerhart-Hauptmann-Schule (GHS) liegt er am Herzen. Was hier geschehen ist, darf nicht in Vergessenheit geraten.

Im Haus gegenüber sitzt im Fenster ein Püppchen, das auf die Straße schaut und Zeuge der Geschehnisse vor der Hausnummer 6 ist. Dort wohnte einst Elisabetha Luise Hessemer, die 1897 geboren, 1941 Opfer der Euthanasiemorde der Nazis wurde. In der Anstalt Hadamar vergast. Doch die Angehörigen lasen auf dem Totenschein eine natürliche Todesursache. Die Familie Hessemer, die einst in dem Haus wohnte, gibt es nicht mehr. Und so leben dort auch keine Zeitzeugen mehr, die befragt werden könnten.

Schwierige Recherche

Frank Häußler, Lehrer an der GHS, bot nun einen Wahlpflichtkurs Geschichte an, um über Euthanasieopfer während des Nationalsozialismus zu recherchieren – auch über Luise Hessemer. »Wir tun viel, was anstrengend ist und was Schülern nicht gefällt«, berichtete er. Daher mache es ihn stolz zu sehen, wie stark sich die Schüler bei dem Thema Euthanasiemorde engagierten. Besonders schwierig sei die Recherche gewesen, da Euthanasieopfer versteckt und verleugnet wurden. Entsprechend dünn sei die Quellenbasis, so Häußler. Nur von einem der Opfer, dem bei der Stolpersteinverlegung gedacht wird, gab es überhaupt schriftliche Überlieferungen. Kritisch merkte Häußler auch an, dass der Datenschutz bis heute noch immer die Veröffentlichung der Namen von Euthanasieopfern verhindere.

Großes Lob für die Schüler

Oberbürgermeister Udo Bausch pochte darauf, dass eine Wiederholung dessen, was passiert ist, für alle Zeit verhindert werden müsse. »Wir alle haben es in der Hand, so etwas zu verhindern.« Er lobte das Engagement der Schüler und ermutigte dazu, gesellschaftlich hellwach zu sein und in der Gesellschaft aktiv mitzuwirken.

Onkel hatte Glück

Pfarrer Andreas Jung, Sprecher der Stolperstein-Initiative, erklärte, dass auch er noch vieles über die Euthanasiemorde während der Arbeit zu diesem Thema gelernt habe. Er erinnerte sich an Erfahrungen mit einem Onkel, der 1936 mit einer Behinderung geboren wurde. Dieser Onkel überlebte die Nazizeit nur, weil seine Eltern ihn zu Hause versteckten.

Schüler sehr beeindruckt

Es seien eher Werkstattberichte statt ausführliche Informationen über die Opfer, erklärte Häußler. Einige Schülerinnen erzählten, wie sie sich dem Thema näherten und was sie herausfanden. Besonders ein Besuch in Hadamar, wo Häußler mit seinen Schülerinnen und Schülern hinfuhr, hinterließ bleibende Eindrücke. So erzählte eine Schülerin davon, wie erdrückt und beengt sie sich fühlte in dem Kellerraum, der als Dusche getarnt in Wirklichkeit eine Gaskammer war. Von Susanne Rapp

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