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Träume

»Wir sind zu verwöhnt«

Doris SticklerRoberto Fabian (von links), Boniface Mabanza-Bambus, Katharina Kunter und Said Barkan wollen sich an den Großen der Geschichte orientieren, um die Welt besser zu machen.

Frankfurt. Auch wenn Utopien an der Realität scheitern, brauchen wir sie. Oder doch nicht?

Brachte Martin Luther King mit seinem Traum von einer besseren Welt eine breite Bewegung ins Rollen, ist heute von Aufbruchsstimmung kaum mehr etwas zu spüren. Allerorten gewinnen im Gegenteil Nationalismus und Rechtspopulismus an Boden, nehmen rassistische und antisemitische Übergriffe erschreckend zu.

Ideen weit verbreitet

Wenn die Kirchenhistorikerin Katharina Kunter auf die 1960er Jahre blickt, schwingt bei ihr denn auch leise Wehmut mit. Mit Schwung und tiefer Überzeugung hätten sich die Menschen nicht nur in den USA für Bürgerrechte und Freiheit eingesetzt. Die »große Idee der Veränderung« sei damals auch in Europa weit verbreitet gewesen. Die Gegenwart stimmt sie dagegen nicht gerade hoffnungsfroh. »Wir sind zu satt und verwöhnt«, bedauerte Katharina Kunter auf einem Studientag zu Leben und Aktualität des 1968 ermordeten Pfarrers und Bürgerrechtlers Martin Luther King. Zudem mache es eine »zunehmend komplexe und vernetzte Welt extrem schwer, etwas zu verändern«.

Utopien scheitern

Dabei sei »die Parole der Französischen Revolution ›Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit‹ nach wie vor eine Vision, die es einzulösen gilt«. Bei der abschließenden Podiumsdiskussion »Wie wollen wir leben? Vom Hunger nach Utopien« räumte die Theologin zwar ein, dass »Utopien an der Realität immer scheitern«, fügte aber hinzu: »Trotzdem brauchen wir sie.« Friedensnobelpreisträger Martin Luther King habe nicht von ungefähr gesagt: »Wir müssen viele kleine Schritte gehen, um ein Stück weiterzukommen.« Kleine Schritte betrachtet auch Roberto Fabian als die einzige Option, um gegenwärtige Entwicklungen umzulenken. »Wir müssen uns wachrütteln und Gegenstrategien ersinnen.«

Wahl Trumps ist ein Rückschlag

Angesichts des »furchtbaren Rückschlags durch die Wahl Donald Trumps« falle es ihm derzeit ohnehin schwer, an Utopien zu denken. Hinzu komme die Politik Israels, die ihm »Anlass zum Fremdschämen« gebe. »Die Rechtsregierung schiebt Flüchtlinge ab, weil sie die falsche Religion und Hautfarbe haben«, kritisierte der Leiter der Jüdischen Volkshochschule Frankfurt.

Da »Juden immer fremd im Land« gewesen sind, bereite es ihm »große Probleme, mit diesem Widerspruch umzugehen«. Umso mehr schätzt Roberto Fabian die Reaktionen, die hierzulande auf die Fluchtwelle 2015 erfolgten. Durch Kanzlerin Angela Merkels »Wir schaffen das« und die enorme Hilfsbereitschaft der Bürger sei viel geleistet worden und werde noch immer viel geleistet. Martin Luther King habe von Visionen auch nicht abgelassen, obwohl er »während seines Wirkens von Gesellschaft und Polizei viel Brutalität erfahren musste«. Ein gelingendes Zusammenleben lässt sich Boniface Mabanza-Bambus Urteil nach letztlich nur durch eine »Veränderung des Systems« realisieren. Von Doris Stickler

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