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Andacht

Der Preis der Gesundheit

Für viele Menschen hat Krankheit mit Schuld zu tun

kieferpix/iStockIn der Klinik quält manche die Frage: »Was habe ich falsch gemacht, dass ich so krank geworden bin?«

www.georgschraml.deKlaus Hamburger arbeitet als katholischer Seelsorger in einer Klinik sowie in einer Justizvollzugsanstalt am Mittelrhein.

Als Klinikseelsorger begegne ich zuweilen Menschen, Patienten oder Angehörigen, die offensichtlich meinen, einen Anspruch auf Gesundheit zu haben, auf die eigene oder die anderer. Es lohnt sich in jedem Fall, der Frage nachzugehen: Wie kommen die Leute darauf? Von dem Anspruch bis zu der Vorstellung, dass man sich Gesundheit für Geld kaufen kann, ist es nur ein kleiner Schritt. Kein Mensch will oder soll leiden, das ist klar. Es steht aber auf einem anderen Blatt, wenn ein Mensch sich nur schwer damit abfinden kann, dass das Leben auf der Erde unentgeltlich, aber endlich ist. Oder wenn der Körper ein eigenwilliges Leben führt, das den Menschen ungefragt in die Onkologie oder die Neurologie bringen kann.

Selbst aufgeklärt wirkende Menschen bringen bei wachsender Verzweiflung an diesem Anspruch nichts ahnend Krankheit und Schuld in Beziehung. Wer krank wird, habe einfach zu wenig für sein Recht auf Gesundheit getan, sei also womöglich selber an seinem Leiden schuld. Schuldgefühle können krank machen. Umgekehrt kann eine Krankheit dazu führen, dass man sich für schuldig hält. Ist die Schuld erst einmal erwiesen und geklärt, wäre nach dieser Logik wieder alles im Lot. Fazit: Dann leidet der Patient zu Recht und kann es niemandem vorwerfen.

»Mein Bein heilt nicht zu, es will sich einfach nicht schließen«, vertraut mir eine an sich couragierte ältere Dame auf der Unfallchirurgie an. Sie wisse warum, bricht es aus ihr heraus. »Vor kurzem ist meine Schwägerin verstorben, wir lagen im Streit, und ich habe mich vor ihrem Tod nicht mehr mit ihr versöhnt.« Ein Seelsorger, der den Namen verdient, ist kein Büttel eines rechthaberischen Gottes. Patienten sind Menschen. Ich auch, freilich einer, der Theologie studiert hat, um Anflüge von Aberglauben in der Gesellschaft zu entspannen.

»Schuld kann verziehen werden!«, versichere ich ihr. Der Patientin scheint das einzuleuchten. Sie wirkt erleichtert. Sie nestelt unter der Bettdecke, und ein 20-Euro-Schein wandert über den weißen Bezug. »Nehmen Sie das«, flüstert sie. Das trifft mich unvorbereitet. In Abwandlung einer Bibelstelle mache ich mir still meinen Reim auf ihr Handeln: Aha, Silber und Gold brauche ich nicht, aber die Gesundheit fehlt mir sehr (Apostelgeschichte 3,6). Und: Geld benötige ich nicht mehr, denn ich vertraue auf den, der meine Seele mit einem Wort gesund machen kann.

Zu schön. Doch das Ende kommt prosaischer. »Schuld kann verziehen werden«, wiederhole ich. »Das weiß ich, weil ich auch in einer Justizvollzugsanstalt als Seelsorger tätig bin«, erzähle ich ihr. Sie könne mit dem Betrag einen ausländischen Inhaftierten, den ich kenne, unterstützen. Der hat hohe Kosten, weil er oft mit seiner alten Mutter im Nahen Osten telefoniert. So versuche ich mich aus der Affäre zu ziehen. Da wandert die Zuwendung über die Bettdecke zurück, wechselt die Farbe und kehrt als Zehn-Euro-Schein wieder. Es gibt also durchaus Möglichkeiten, den Anspruch auf Gesundheit zu senken.

Von Klaus Hamburger

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