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Andacht

Sich im Einklang fühlen

Singen und beten

Foto: epd/Oliver DietzeVoller Inbrunst: Der Gospelchor Saarbrücken singt beim Eröffnungsgottesdienst für die Aktion Brot für die Welt.

privatBernhard Kießig ist Referent für Pop- und Gospelchor und PopPiano im Zentrum Verkündigung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.Bernhard Kießig ist Referent für Pop- und Gospelchor und PopPiano im Zentrum Verkündigung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Die Grippewelle in diesem Jahr hat auch uns getroffen – meine Frau und meine Kinder. Zusätzlich zu meinem ausgefüllten Arbeitsalltag musste ich noch meine Familie gesund pflegen. Es ging Schlag auf Schlag, eine Aufgabe jagte die andere. Die Nerven lagen blank. Ich konnte gar nicht mehr verschnaufen, fühlte mich wie im Hamsterrad. Zum Glück sind jetzt alle wieder gesund. Der Alltag ist wieder in ruhigeren Fahrwassern angekommen. Dummerweise schaffe ich es manchmal auch in normalen Zeiten, mich in einen solchen Zustand inneren Stresses zu versetzen. Der Schreibtisch ist voller Aufgaben, eine dringender als die andere, man hat viele Termine, kommt nicht hinterher …

Ich neige dazu, alles besonders gut machen zu wollen. Das braucht natürlich seine Zeit, wodurch der Arbeitstag noch länger wird und sich der Schreibtisch noch langsamer leert. Manchmal fühle ich mich dann sehr unfrei. Da sind meine Ansprüche, meine inneren Antreiber, die mich fest im Griff haben. Gesellschaftliche Zwänge, die ich spüre. Konventionen, die ich meine, erfüllen zu müssen. Dann wünsche ich mir, es wäre alles anders: der Job weniger anstrengend, die Kinder selbstständiger, die Gesellschaft weniger einengend ... und ich selbst gelassener.

Die Bibel kennt Geschichten von Freiheit und Unfreiheit. Ein Beispiel steht in der Apostelgeschichte (16,23–40). Paulus und Silas sitzen im Gefängnis. Um Mitternacht beten sie und loben Gott, so dass es auch die Mitgefangenen hören. Da kommt ein Erdbeben. Die Türen springen auf, die Fesseln lösen sich. Nun könnten sie einfach fliehen, in die Freiheit. Aber was tun sie? Sie drehen den Spieß einfach um: Weil sie wissen, dass sie zu Unrecht verurteilt wurden, bleiben sie gelassen sitzen und warten, bis die Stadtrichter sie persönlich aus dem Gefängnis führen.

Eine große Verheißung spricht aus dieser Geschichte: Im Gebet und im Lob Gottes bekommen Paulus und Silas eine große innere Freiheit geschenkt. Damit wird für sie unwichtig, ob sie dem Gefängnis entfliehen können oder nicht. Plötzlich gehorchen ihnen sogar ihre Richter. Und das Schöne ist: Sie stecken andere an. Die Mitgefangenen hören das Beten und Singen und werden selbst befreit. Diese innere Freiheit wünsche ich mir: Dass ich mich mit den äußeren Umständen, in denen ich gerade bin, im Einklang fühlen kann. Dass die inneren Beurteiler mir dienen und nicht umgekehrt. Und dass vielleicht andere sich von diesem Gefühl anstecken lassen.

Zweimal im Jahr versuche ich, mir eine Auszeit im Kloster zu nehmen. Die Stundengebete, das tägliche Loben Gottes bringt meine Seele zur Ruhe und mich in Einklang mit meiner Umwelt. Ich kann dann meinen Alltag oft gelassener und friedvoller angehen. Mit meiner Arbeit als Kirchenmusiker möchte ich auch anderen solche Räume eröffnen, im Gottesdienst zum Beispiel oder in der Chorarbeit. Oft haben mir Chormitglieder erzählt, wie die Chorprobe für sie zu einem Ort des Auftankens geworden ist. Dann habe ich das Gefühl, am richtigen Platz zu sein. Und nehme mir vor, in der nächsten Grippewelle besonders viel zu singen und zu beten.

Bernhard Kießig

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Bibelwort des Tages
Losung und Lehrtext für Freitag, 27. April 2018
Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Psalm 103,2
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. Epheser 1,3
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