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Andacht

Eine Übung in Utopie

Neuer Planet

Foto: WallpaperstocknetEin neuer Planet ist gefunden. Jetzt gilt es, das gemeinsame Leben zu planen. Die Konfirmanden haben da so manche gute Idee.

Foto: esz/ privatKerstin Janott ist ‧Gemeindepfarrerin in Langenscheid und Geilnau.

Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen«, die legendäre pampige Antwort des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt (1918 bis 2015) auf eine »dusselige Frage« kennen Ältere vermutlich noch. Die Konfirmanden glücklicherweise nicht. Im Rahmen der Themeneinheit »Zehn Gebote« sollen sie nämlich eine Vision entwickeln. Das Setting: Die Erde ist leider endgültig unbewohnbar geworden. Aber es gibt Hoffnung: Ein neuer Planet ist entdeckt worden. Die Konfis als Mitglieder des Gründungsteams legen Regeln für das Zusammenleben in der neuen Heimat fest. Die Bedingungen: Alle sollen auf diesem neuen Planeten gut leben können. Die alten Fehler, die die Erde unbewohnbar gemacht haben, sollen sich nicht wiederholen.

In Kleingruppen formulieren die jungen Leute ihre zehn wichtigsten Regeln. Sie gestalten ein Werbeplakat, mit dem sie andere überzeugen können. In jugendlicher Unbekümmertheit entwickeln sie Regeln. Selbst sonst eher Schweigsame diskutieren angeregt. Sie erkennen die Probleme der Welt, versuchen, sie klein zu halten.

Auf dem neuen Planeten steht nur ein gemeinsames Land für alle bereit. Dessen Regierung schwankt zwischen Netzwerk-Demokratie, Anarchie und Wahlmonarchie. Aber alle Regierungsformen haben das Wohl des Planeten und aller Bewohner zum Ziel. Am besten gibt es nur eine Religion, wegen der Konflikte. Welche, ist erst mal egal. Die Menschen sollen sich vor Besiedelung des Planeten einigen. Natürlich achten sie auf die Umwelt. Massentierhaltung ist ebenso verboten wie Industrie- oder Verkehrsabgase und Umweltverschmutzung. Sie trennen natürlich den Müll, am besten aber: es entsteht gar nicht erst welcher. Waffen sind verboten oder höchstens zur Verteidigung gegen wilde Tiere erlaubt.

Erstaunlicherweise kommt niemand auf die Idee, die Schule zu verbieten. Im Gegenteil: Bildung soll für alle zugänglich sein. Und Geld soll es zwar geben, aber am besten für alle gleich viel. Oder ein Grundgehalt. Jedenfalls soll gewährleistet sein, dass jeder genug zum Leben hat. Alle sollen allen helfen. Was als eine Übung in Utopie daherkommt, hat einen hilfreichen Lerneffekt: Es ginge eben auch anders.

Eigentlich eine christliche Grundwahrheit. Denn in Christen ist die Hoffnung auf neue Anfänge mit dem Glauben an die Auferstehung angelegt. Manchmal geht diese Einsicht aber im Alltag verloren. Zwischen dem »Das war ja noch nie so!«, »Das haben wir schon immer so gemacht!« und »Da könnte ja jeder kommen!« bleibt wenig Platz für Visionen. Ermutigend, wenn Kinder und Jugendliche von derlei Sätzen noch unbeeindruckt ihre Zukunftsvision entwickeln können.

Das färbt auch auf mich als gesettelte Pfarrerin ab. Nach einer solchen Stunde gehe ich mit neuen Ideen nach Hause. Die Hoffnung auf neue Anfänge hat Futter bekommen. Initiativen einzelner Menschen oder Gruppen fallen mir ein, die sich nicht mit bestehenden Verhältnissen abfinden. Vom »Global Marshall Plan« über die Jugendbewegung »Plant for the Planet« bis zur »Zero-Waste-Bewegung« gibt es viele Ideen, die Hoffnung auf Zukunft machen, weil sie bereits in der Gegenwart ihre Wirkung entfalten. Visionen haben vielleicht ihren Platz in Wolkenkuckucksheim, aber die Aussicht von dort ist herrlich: Zum Auf(er)stehen schön!

Kerstin Janott

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Bibelwort des Tages

Losung und Lehrtext für Mittwoch, 21. Februar 2018
Der HERR wird vor euch herziehen und der Gott Israels euren Zug beschließen. Jesaja 52,12
Wir sollen desto mehr achten auf das Wort, das wir hören, damit wir nicht am Ziel vorbeitreiben. Hebräer 2,1

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