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Ausstellung im »Schwalbe 6«

Alles ist Rhythmus und Wechsel

Foto: Christa KaddarRenate Reifert hat ihren Würfel »Aleatorik« genannt.

WIESBADEN. Als Renate Reifert zur Untersuchung ihres Herzens musste, faszinierten sie die Linien und Kurven, die sie da sah. Die Künstlerin entwickelte daraus eine Bildsprache irgendwo zwischen Vernunft und Gefühl.

Während der Untersuchung saß ich auf einem Fahrrad und konnte auf den Bildschirm schauen«, erinnert sich Renate Reifert. »Ich war fasziniert von den Wellen, von dem Fließen.« Das ist knapp zehn Jahre her, und seitdem hat die Künstlerin die fließenden Bewegungen der Ultraschall-Untersuchung ihres eigenen Herzens in vielen Werken sichtbar gemacht: als Bilder auf Leinwand und Holz, als Ritzzeichnungen auf Aluminium, als Hinterglasbilder, als Einzel- und Doppelobjekte, als Zeichnungen in Tusche, Bleistift und Buntstift.

»Synthese zwischen Rationalität und Emotionalität«

Das grafische Bild, das als technisches Ergebnis den Zustand der Herzfunktion beschreibt, setzt sie in ihren Werken um als Visualisierung von Lebensmechanismen wie Rhythmik und Wechsel, Engführungen und Weitungen, Verdichtung und Streuung. Dazu erklärt sie: »Jenseits aller Trivialisierungen des Symbolbereichs ›Herz‹ bildet diese an die Echokardiografie angelehnte Zeichensprache eine Synthese zwischen Rationalität und Emotionalität.«

Der Bezug zur Original-Echokardiografie ist mal deutlicher zu erkennen, mal angedeutet und abstrahiert, häufig kombiniert mit anderen Vorgängen. Auch ihr »kosmischer Würfel« trägt die Spuren des Herzschlags, den sie in allem sieht, was die Welt zusammenhält. »Aleatorik« hat sie dieses Objekt genannt – ein Begriff, der in Kunst, Musik und Literatur verwendet wird, um Vorgänge zusammenzufassen, die zu einem unvorhersehbaren, zufälligen Ergebnis führen. »Wesentliche Lebensstationen werden auf den sechs Seiten eines blauen Würfels mehr oder weniger abstrahiert abgebildet. Das Ganze ist in Schieflage. Genauso schief wie unsere Erdachse. Und es läuft rund. Keiner würfelt.« Die Antwort auf die Frage Zufall oder Fügung will sie offen lassen.

Viele Jahre als Lehrerin am Gymnasium gewirkt

Nachdem Reifert viele Jahre als Gymnasiallehrerin tätig war, arbeitet sie seit 1992 als freie Künstlerin. Ihre Werke hat sie seitdem in zahlreichen Ausstellungen präsentiert, und sie ist vor allem durch die künstlerische Gestaltung von Eingangs- und Wartebereichen von Kliniken, von Arztpraxen, OP-Sälen, Hospizräumen, Kapellen und Festsälen bekannt geworden. »Die Beschäftigung der Künstlerin mit existenziellen Themen führte Reifert an Orte, wo nicht nur die Existenz, sondern wo das Existenzielle sich ereignet«, beschreibt Ulrike Brandenburg, Autorin eines Katalogs über das Werk der Künstlerin. Konsequent habe sie sich der Gestaltung angstbesetzter Räume und sensibler Orte gewidmet: »Das Ausgeliefertsein des Menschen an eine ungeklärte Lebenssituation mit den Mitteln der Malerei zu formulieren und zu mildern, ist das Anliegen der Künstlerin.«

Reifert gilt als Expertin für Farbwirkung und hält dazu auch Vorträge. Für die Wiesbadener Marktkirche hat Reifert einen Kinderkirchenführer konzipiert und gezeichnet, um Kindern und Jugendlichen die Kirche mit ihren Besonderheiten näherzubringen.

Christa Kaddar

Die Ausstellung »Echo« in der Schwalbacher Straße 6 ist noch bis zum 6. April zu sehen. Öffnungszeiten: montags 10 bis 16 Uhr, dienstags bis donnerstags 10 bis 18 Uhr, freitags 10 bis 13 Uhr.

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