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Flüchtlinge und Energie

Bloß keine Verträge an Haustür oder Telefon

Nicole Weisheit-ZenzUli Röhm (links) als Topfgucker. Dank des Faltblatts seiner Kirchengemeinde haben Asylbewerber weniger Probleme mit ihrer Energierechnung.

JUGENHEIM/FRANKFURT. In vielen Ländern muss man nicht heizen. Und wenn doch, ist Energie oft hoch subventioniert. Das ist hier anders – eine Tatsache, die viele Asylbewerber nicht auf der Rechnung haben, wenn sie eine Wohnung beziehen. Ein Faltblatt einer kirchlichen Initiative zu diesem Problem findet bundesweit Verbreitung.

Suppe mit roten Linsen, Salat mit Bulgur, Petersilie und Joghurt, Reis mit Fleisch und Gemüse sowie eine süße Milchspeise stehen auf dem Tisch in Jugenheim. Volkshochschule und die Initiative »Willkommen im Dorf« der Jugenheimer Kirchengemeinde hatten zu einem arabischen Kochkurs eingeladen. Frauen aus Syrien steuerten die Rezepte bei – nicht aus dem Buch, sondern aus Köpfen und Herzen heraus.

Zum Kochen benötigt man Energie. Und das Thema Energie im Zusammenhang mit Flüchtlingen bereitet vielen Menschen Kopfzerbrechen – vor allem jetzt, nachdem die Heizperiode begonnen hat. In den meisten Herkunftsländern nämlich müssen die Menschen gar nicht heizen, und wenn sie es doch müssen, gibt es andere Heiztechniken, Haushaltsgeräte und Zahlungsgewohnheiten, oder Energie ist vom Staat subventioniert. Mit Worten wie »Thermostatventil« oder »Abschlagszahlung« können Asylbewerber oft nicht viel anfangen, in vielen Sprachen gibt es dafür nicht einmal ein Wort.

Aus Unkenntnis wird leicht ein teures Problem

Wenn Flüchtlinge dann aus der Sammelunterkunft in eigene Wohnungen ziehen, werde aus ihrer Unkenntnis oft ein Problem, hat Uli Röhm von der Initiative »Willkommen im Dorf« beobachtet. »Wir haben festgestellt, dass Flüchtlingsfamilien verglichen mit Einheimischen oft ein Mehrfaches an Energieverbrauch haben«, sagt er. »Dann sind schnell 800 oder 900 Euro Schulden da.« Hinzu kämen die oft schwierig zu verstehenden Verträge, »die selbst Deutsche oft nicht kapieren«, schildert Röhm. Und noch etwas hat er beobachtet: »Neubürger bekommen oft günstige Verträge angeboten, um sie als Kunden zu werben.« Später stiegen die Energiekosten dann.

Zusammen mit der Verbraucherzentrale und unterstützt vom Bundesumweltministerium hat die Initiative daher ein Faltblatt erstellt, das auf Deutsch, Arabisch, Farsi, Dari und Englisch über den Umgang mit Strom und Heizenergie informiert. »Mit Energie haushalten – Geld sparen«, so lautet der Titel des Flyers. Dringend rät das Faltblatt zum Beispiel davon ab, Verträge an Haustür oder Telefon abzuschließen.

Das Faltblatt aus Jugenheim hat bundesweiten Erfolg

Für den Flyer war schnell in der ganzen Bundesrepublik Nachfrage da. Wohlfahrtsverbände oder Kommunen drücken ihn Flüchtlingen in die Hand, wenn diese eine Notunterkunft verlassen und eine Wohnung beziehen. »Die Leute, die in Kontakt mit Flüchtlingen sind, sagen uns, wie froh sie sind, dass es die Flyer gibt«, erzählt Röhm. Die erste Auflage von 100 000 Exemplaren sei schon weg gewesen, ehe sie gedruckt war. Jetzt will die Initiative »Willkommen im Dorf« noch einmal 120 000 Stück nachdrucken lassen.

Die Erfolge sind schon sichtbar. In Jugenheim hat Röhm bereits ein verändertes Verhalten bei den Neuankömmlingen festgestellt: »Wir bemerken jetzt ein anderes Bewusstsein bei ihnen beim Heizen oder beim Lüften.« Dazu hat seinen Worten zufolge nicht allein der Hinweis auf die Kosten beigetragen. »Es geht auch um die Schöpfung«, sagt er. In der Broschüre findet sich nämlich auch ein Hinweis auf den Erhalt der Umwelt. Die Verantwortung für die Erde habe nämlich auch bei Menschen aus anderen Ländern einen hohen Stellenwert.

Von Nicole Weisheit-Zenz

Infos im Internet: www.menschen-wie-wir.de/projekte/willkommen-im-dorf.html

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