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Frauenordination

Ein angemessener Beruf

Doris SticklerIn der Frage, wie Kirche mit gleichgeschlechtlichen Ehen umgehen soll, steht die weltweite Ökumene vor einer Zerreißprobe. Darin sind sich die beiden Pfarrerinnen Melanie Lohwasser (von links) und Christiane Bastian einig.

Frankfurt . Die Bestimmung der Frau widerspricht dem Gemeindepfarramt. So jedenfalls hieß es noch in den 1930er Jahren in Deutschland. Heute sind Pfarrerinnen in den Gemeinden angekommen. Doch in kirchenleitenden Ämter sieht es mau aus.

Ohne Pfarrerinnen käme die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ziemlich in die Bredouille. In Führungspositionen zwar noch immer die Minderheit, verüben in den Gemeinden längst mehr Frauen als Männer das Amt, sind inzwischen mehr als 60 Prozent der Theologiestudierenden weiblich. In anderen protestantischen Kirchen sind Pfarrerinnen dagegen alles andere als selbstverständlich.

Nicht selbstverständlich

Im Rahmen einer theologischen Vortragsreihe erinnerte Pfarrerin Christiane Bastian daran, dass etwa Baptisten oder Pfingstgemeinden die Frauenordination grundsätzlich verweigern und die evangelisch-lutherische Kirche Lettlands sie im vergangenen Jahr gar wieder abgeschafft hat.

Lasset die Frauen schweigen

Die Gegner bezögen sich stets auf Paulus' Appell an die Korinther »Lasset die Frauen schweigen in der Gemeinde, denn sie sollen sich unterordnen.« Zur Freude der langjährigen Gefängnisseelsorgerin hält sich die Mehrheit der Protestanten nicht daran und beruft Frauen ins Amt. Wie Christiane Bastian in der Lutherkirche vor Augen führte, ließ man selbst im Mutterland der Reformation erst ab 1918 Frauen überhaupt zum theologischen Universitätsexamen zu, allerdings ohne Aussicht auf Berufsausübung.

Die Bestimmung der Frau

In den 1930er Jahren wurde ihnen dann »Wortverkündigung, Unterricht und Seelsorge an Kindern, Frauen, Kranken und Strafgefangenen« erlaubt. Das durften sie jedoch nur als Vikarin, denn damals stand fest: »Die Bestimmung der Frau widerspricht dem Gemeindepfarramt«. Eine Ansicht, die auch die Bekennende Kirche vertrat.

Die Landeskirche hat das Wort

Ließ sie entgegen der Vorschriften nach Kriegsbeginn Theologinnen den Dienst der eingezogenen Pfarrer übernehmen, schickte sie nach 1945 die Frauen wieder runter von der Kanzel und zurück in »angemessene Arbeitsbereiche«. Was angemessen war, legten die Landeskirchen recht unterschiedlich aus.

Kein Grund mehr

Wieder war es ein extremer Pfarrermangel – vermutlich auch die allgemeinen Umwälzungen jener Jahre –, der 1969 die Regeln lockerte. Die Heirat war fortan kein Grund mehr, Frauen die Ordination oder die Weiterführung des Amtes zu verweigern. Bis die Dienstverhältnisse von Pfarrerinnen und Pfarrern angeglichen wurden, gingen noch einmal zwei Jahre ins Land.

Die Nase vorn

Dabei sei die EKHN in Sachen Frauen eine der fortschrittlichsten Landeskirchen gewesen, hob Christiane Bastian hervor. In Frankfurt wurde bereits 1980 mit Waltraud Frodien EKD-weit erstmals eine Frau zur Dekanin gewählt und mit der Frankfurter Pröpstin Helga Trösken 1987 erstmals einer Frau ein bischöfliches Amt verliehen. Dagegen beschloss Schaumburg-Lippe als landeskirchliches Schlusslicht überhaupt erst 1991 die Frauenordination.Doris Stickler

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