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Militärbischof Sigurd Rink beim Neujahrsempfang

Krisen sind nur scheinbar weit weg

Gerrit MaiSigurd Rink kommt gerade von einem sechstägigen Truppenbesuch im westafrikanischen Mali.

WEHRHEIM. Früher sei er »Fundamentalpazifist« gewesen, erzählt Sigurd Rink. Aber dann habe es ein Ereignis gegeben, dass ihn seine Einstellung habe überdenken lassen.

Militärseelsorge ist eine ambivalente Sache. Nicht nur, weil Pfarrer für ihre Einsätze von mindestens sechs bis höchstens zwölf Jahren erst als staatliche Beamte vereidigt werden müssen, bevor der Militärbischof sie entsenden kann. Diesen evangelischen und katholischen Theologen können Soldaten ihr Ängste, Sehnsüchte oder Trauer anvertrauen, denn sie sind die einzigen, die den Vorgesetzten nicht berichtspflichtig sind – ein großes Plus, wie Militärbischof Sigurd Rink beim Neujahrsempfang des Dekanats Hochtaunus in Wehrheim erklärt.

Der Auftritt ist für Rink ein Heimspiel

Rink war gerade auf einem sechstägigen Besuch der Truppen in Mali. Der Neujahrsempfang ist für den ehemaligen Propst für Süd-Nassau ein Heimspiel: In Usingen war er Vikar und und in Falkenstein Pfarrer. Einsätze in Krisengebieten sehe er nicht ganz unkritisch, sagt er, auch wenn er Hilfe für von Terror und Genozid bedrohte Völker bejahe. Er sei mit der Friedensbewegung und der Nachrüstungsdebatte der 1980er Jahre aufgewachsen und im Grunde ein »Fundamentalpazifist«. Bis ihm der Völkermord in Ruanda 1995 klar gamcht habe, dass die internationale Gemeinschaft solche Hilferufe nicht ignorieren dürfe. Dennoch seien die Möglichkeiten begrenzt, das habe ihm die Situation in Afghanistan, wo sich seit Jahrzehnten nichts verändert habe, aber auch sein Besuch in Mali gezeigt. Er habe sich gut vorbereitet, aber: »Als ich zurückkam, hatte ich mehr Fragen als Antworten.«

Malische Soldaten wechseln mitunter die Seiten

Mali sei beispielhaft für die Probleme Afrikas. 11 000 Soldaten, darunter 1000 deutsche, agieren in dem Land. Sie bilden Einheimische zu Polizisten, Soldaten und Sanitätern aus. »Aber sie müssen jederzeit mit terroristischen Angriffen rechnen«, schildert Rink. Denn die Regierung könne die Ausgebildeten wegen fehlender Infrastruktur nicht adäquat bezahlen, sodass sie nicht selten die Seiten wechselten und zur Gefahr für die UN-Friedenstruppe würden.

Der Theologe forderte die Regierenden auf, gut darüber nachzudenken, an welcher Stelle Einsätze auch begrenzt werden könnten. Für Afrika und fallen die Prognosen des Militärbischofs bedrückend aus. Denn Ursache für Kriege, Terrorismus und Flucht sei das zentrale Problem, die Armut. Die Krisengebiete seien nur scheinbar weit weg, und für Rink ist klar: »Wir dürfen als Europäische Union nicht nachlassen und gut überlegen, wie wir mit der Armut und den Flüchtlingen umgehen.«

Von Gerrit Mai

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