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Ausstellung in Wiesbaden

Nur auf den ersten Blick trocken

Foto: Anja Baumgart-PietschMuseumspädagogin Sabine Weber erläutert Besuchern die Ausstellung im Wiesbadener Marktkeller.

WIESBADEN. Es ist fast schon ein wenig zu spät für diese Ausstellung, denn das Reformations-Jubiläumsjahr hat mit dem 31. Oktober sein offizielles Ende bereits gefunden. Das sollte jedoch kein Grund sein, die Ausstellung »Impulse – Nassau im Spannungsfeld der Konfessionen« nicht zu besuchen.

Kuratorin Johanna Körner hat es geschafft, aus einem auf den ersten Blick eher trockenen Thema eine spannende Kombination aus Geschichte und Religion herzustellen. »Historische Themen sind eigentlich kaum ohne Berücksichtigung der jeweiligen Religionsgeschichte zu behandeln«, sagt Museumspädagogin Sabine Weber. Das »sam – Stadtmuseum am Markt im Wiesbadener Marktkeller hat eine ganze Seite des quadratischen Raums für die Sonderschau freigeräumt.

Als erstes fallen violette Lichteffekte ins Auge: Ein echter Blickfang, zum Beispiel gibt es einen Tisch mit lila leuchtendem Spalt, der für die Spaltungen und Verwerfungen steht, die die Reformation und ihre Nachwirkungen auch im Nassauer Raum erzeugten. Die Ausstellungsbesucher können sich mit der Glaubens- und Ideenwelt des Spätmittelalters vertraut machen und, wenn sie wollen, auch sehr viel über die damaligen Adelslinien des Hauses Nassau erfahren. Drei Linien gab es, nämlich Nassau-Wiesbaden-Idstein, Nassau-Weilburg und Nassau-Dillenburg.

Zeitgenössisches Porträt mit ritterlicher Ausgehuniform

In die Niederlande führt Wilhelm von Oranien, ebenfalls aus dem Adelsgeschlecht stammend und »der Schweiger« genannt, den Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien, in dem es auch um Religion geht. Seine Statue steht unweit des Museums vor der Marktkirche. Hier in der Ausstellung kann man ihn auch im zeitgenössischen Porträt sehen, mit einer Art ritterlicher Ausgehuniform angetan und mit einem Knüppel in der Hand, »als Ausdruck der Stärke«, erklärt Weber. Sie möchte in der Ausstellung jungen und erwachsenen Besuchern davon erzählen, wie sich die Glaubensfragen auf die Gesellschaft und die Geistesgeschichte ausgewirkt haben.

Dazu kann sie sich neben den Schautafeln und Lichteffekten auch auf einige wenige ausgewählte Objekte stützen: Zum Beispiel auf Pilgerutensilien, denn der Nassauer Graf Johann V. reiste 1484 ins Heilige Land. Was er erlebte, ist in Bildern festgehalten, auf denen auch Männer und Frauen in den traditionellen Bekleidungen des Orients zu sehen sind. Und die Pilgerflasche aus Keramik dürfte ihm schwer gewogen haben.

Besucher nehmen Platz auf original gebogenen Bänken

Ein weiteres Thema ist das kirchenbauliche »Wiesbadener Programm«, nach dem Kanzel, Altar und Orgel die Mittelachse des Innenraumes bilden sollten und somit der Gottesdienst in einer ganz anderen Form gefeiert werden konnte als nach althergebrachter Sitte. In ganz Deutschland entstanden Kirchen nach dieser neuen Form. Im Stadtmuseum kann man auf original gebogenen Holzkirchenbänken der Ringkirche Platz nehmen und die Zentrierung so nachvollziehen.

Anja Baumgart-Pietsch

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