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Eltern nicht gefragt

Bethel legt Studie zu Medikamententests vor

esz/v. Bodelschwinghsche Stiftungen BethelDie Epilepsie-Klinik Mara in ‧Bethel war in den 1950er-Jahren Diagnose- und Therapieort für viele schwer epilepsiekranke Menschen. 1962 entstand ein moderner Neubau.

BIELEFELD. Auch in Bethel wurden früher nicht zugelassene Medikamente an jungen Patienten erprobt. Absicht war es, bessere Arzneien etwa für Epileptiker zu entwickeln. Allerdings wurden die Eltern nicht um Zustimmung gebeten.

esz/v. Bodelschwinghsche Stiftungen BethelJenny Peters vom Hauptarchiv Bethel mit einem kleinen Teil der ausgewerteten Patientenakten.

Auch in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel sind bis zu Beginn der 1970er-Jahre laut einer Studie in Deutschland noch nicht zugelassene Medikamente an Minderjährigen erprobt worden. Bei dem von Bethel selbst gestarteten Forschungsprojekt seien in den Krankenakten keine schriftlichen Genehmigungen der Eltern oder eines Vormunds gefunden worden, teilte das diakonische Unternehmen in Bielefeld mit. Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen bedauerten die Vorfälle zutiefst.

Nur in Einzelfällen Hinwiese auf Zustimmung

Bei den länger als sechs Monate in Bethel stationär behandelten Kindern und Jugendlichen seien in knapp einem Viertel der Fälle sogenannte Prüfpräparate und Import-Medikamente zum Einsatz gekommen, erklärten die v. Bodelschwinghschen Stiftungen. Nur in Einzelfällen gab es laut Studie Hinweise auf eine indirekte oder mündliche Zustimmung durch Erziehungsberechtigte.

Schädigung der Kinder nicht festgestellt

Die Einwilligung in und die Aufklärung über Arzneimittelerprobungen seien auch damals schon »rechtlich und ethisch geboten«, jedoch »kein Standard der klinischen Praxis« gewesen, erklärte der an der Studie beteiligte Münsteraner Historiker Niklas Lenhard-Schramm. Damit habe sich Bethel nicht von anderen Einrichtungen unterschieden, in denen seinerzeit Arzneimittel erprobt worden seien. Eine mögliche Schädigung von Bewohnern durch die Medikamentenprüfungen konnte demnach auf Grundlage der Krankenakten nicht festgestellt werden.


Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen bedauerten die Versäumnisse der Vergangenheit »zutiefst«, erklärte Pastorin Johanna Will-Armstrong vom Bethel-Vorstand: »Man hätte die Eltern über die Arzneimittelerprobungen aufklären und ihre Zustimmung einholen müssen.«

Zahlreiche Kinder mit Antiepileptika behandelt

Der Studie liegt den Angaben zufolge eine Zufallsstichprobe von 265 jungen Patientinnen und Patienten zugrunde – bei 63 von ihnen (23,8 Prozent) seien Prüfpräparate verordnet worden. In etwa zwei Drittel der Fälle handelte es sich demnach um Antiepileptika, bei einem Drittel um Psychopharmaka. Bei sechs dieser Kinder und Jugendlichen sei sowohl ein Antiepileptikum als auch ein Psychopharmakon untersucht worden, bei zwei jungen Patienten sei ein noch nicht zugelassenes Tuberkulosemittel eingesetzt worden. Insgesamt waren laut der Mitteilung zwischen 1949 und 1975 2741 Minderjährige mindestens sechs Monate zur stationären Behandlung im Langzeitbereich von Bethel aufgenommen.

Großes Interesse an neuen Arzneimitteln

Solche Medikamententests an Minderjährigen seien in dem untersuchten Zeitraum in zahlreichen Heimen und Psychiatrien durchgeführt worden, erklärte die Medizinhistorikerin und Psychiaterin Maike Rotzoll aus Heidelberg. Bethel sei eine der größten und traditionsreichsten Einrichtungen zur Versorgung von an Epilepsie erkrankten Menschen – bis Ende des Zweiten Weltkriegs habe es kaum wirksame Medikamente gegen die Krankheit gegeben. Somit habe ein großes Interesse an neuen Arzneimitteln bestanden, fügte Rotzoll hinzu.epd

Die Studie zu den Arzneimittelprüfungen kann heruntergeladen werden unter www.bethel.de/arzneimittelpruefungen

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