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Haushaltssperre

Hessen-nassauische Kirche erwartet ein Minus von 50 Millionen Euro

Esther Stosch/pixelio.deDie Corona-Krise macht auch vor den Finanzen der Kirche nicht Halt.

DARMSTADT. In nahezu allen kirchlichen Bereichen sollen in diesem Jahr zehn Prozent eingespart werden. Der Grund ist das erwartetet Minus in Höhe von 50 Millionen Euro bei den Kirchensteuern. Menschen, die wegen der Corona-Pandemie weniger oder nichts verdienen, zahlen auch weniger Kirchensteuer. Langfristig sind voraussichtlich auch die Gemeinden betroffen.

Als eine der letzten Kirchen in Deutschland habe nun auch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) wegen der erwarteten Einnahmeausfälle infolge der Corona-Krise eine Haushaltssperre verhängt. Ausgenommen von den aktuellen Sparmaßnahmen bleibe vorerst die Arbeit in den Kirchengemeinden und Dekanaten vor Ort, teilte der Leiter der Kirchenverwaltung und Finanzdezernent der EKHN, Heinz Thomas Striegler, in einem Brief an die rund 1100 Gemeinden im Kirchengebiet mit.

Einsparungen in nahezu allen Bereichen

Striegler rechnet im laufenden Jahr mit einem Rückgang der Kirchensteuer um etwa 50 Millionen Euro. Dies würde einem Minus von zehn Prozent gegenüber dem ursprünglichen Ansatz von rund 530 Millionen Euro Einnahmen entsprechen. Deshalb sollen nun in nahezu allen Bereichen zehn Prozent der Kosten bis zum Jahresende eingespart werden. Dies, so Striegler, könne nicht nur durch die Reduzierung von Sachkosten, sondern beispielsweise auch durch Wiederbesetzungssperren geschehen.
Der Finanzdezernent betonte zugleich, dass damit der Griff in die Rücklagen möglichst begrenzt werden solle. Ohnehin müsse durch diesen ein Großteil des erwarteten Defizits aufgefangen werden. Striegler: »Diese Rücklagen werden uns beim weiteren Aufbau einer generationengerechten Altersversorgungsabdeckung fehlen.« Die aktuelle Situation zeige allerdings auch, »wie wichtig es war, in den zurückliegenden Jahren stets auch auf eine angemessene Bildung von Rücklagen zu achten«.

Verteilung der Lasten über alle Ebenen

Striegler kündigte allerdings an, dass angesichts der vielen fehlenden Millionen Euro »eine Verteilung der Lasten über alle Ebenen notwendig erscheint«. So sei ein Nachtragshaushalt für Einsparungen in allen Bereichen in Arbeit. Über die Pläne, die dann voraussichtlich auch Auswirkungen auf Gemeinden und Dekanate haben werden, soll die Kirchensynode auf ihrer Tagung am 19. September entscheiden. »Bitte unterstützen Sie uns bei der Bewältigung der finanziellen Probleme«, appelliert Striegler. »Planen Sie mögliche Mindereinnahmen durch etwaige Zuweisungskürzungen heute schon im weiteren Haushaltsvollzug ein, und überprüfen Sie Ihre Haushalte auf Einsparmöglichkeiten«, heißt es in dem Brief weiter.

Bislang nicht gekannte Herausforderungen

Nach den Worten Strieglers hat die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus »die Welt vor große und bislang nicht gekannte Herausforderungen« gestellt. Diese könnten nur gemeinsam bewältigt werden. Zugleich hätten Regierungen und Notenbanken »mit bislang nicht vorstellbaren Milliardenbeträgen beherzt und schnell reagiert«, um die wirtschaftlichen Folgen der Krise abzumildern. Mit Blick auf die globale Situation in der Corona-Krise erklärt der Finanzreferent: »Man kann es als Privileg betrachten, dass unsere EKHN in einem so sicheren und gut geführten Land beheimatet ist«. esz

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