Evangelische Sonntags-Zeitung

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Evangelischen Sonntags-Zeitung zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Martin Luther

Mit Bann bedroht

epd/Matthias SchumannAm 15. Juni vor 500 Jahren hatte der damalige Papst Leo X. dem Reformator Martin Luther den Ausschluss aus der katholischen Kirche angedroht, wenn er seine 95 Thesen nicht widerrufe.

FRIBOURG/FRANKFURT. Vor 500 Jahren hat Papst Leo X. dem Reformator Martin Luther den Ausschluss aus der katholischen Kirche angedroht. Er wollte Luther zwingen, seine Thesen zu widerrufen. Doch der reagierte anders als erwartet.

epd/Johannes ScheblerDie Bannandrohungsbulle von Papst Leo X. gegen Martin Luther (1483–1546) im Sächsischen Staatsarchiv in Dresden).

Der Historiker Volker Reinhardt sieht in der päpstlichen Bannandrohungsbulle von 1520 einen entscheidenden Katalysator für die Biografie des Reformators Martin Luther (1483–1546). »Der 15. Juni 1520 ist ein erinnerungswürdiger Tag in der persönlichen Lebensgeschichte Luthers und in der Geschichte der beginnenden Reformation«, sagte Reinhardt dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Kritik an der Macht des Papstes

Am 15. Juni vor 500 Jahren hatte der damalige Papst Leo X. Luther den Ausschluss aus der katholischen Kirche angedroht, wenn er seine 95 Thesen nicht widerrufe. Luther hatte 1517 in Wittenberg seine Thesen zur Reform der Kirche veröffentlicht, in denen er den damals verbreiteten Ablasshandel kritisierte und die Macht des Papstamts infrage stellte.

Verständigung zwischen Vatikan und Luther nicht mehr möglich

Die Bannandrohungsbulle sei ein »Point of no Return« gewesen. Von da an sei eine Verständigung zwischen dem Vatikan und Luther nicht mehr möglich gewesen. »Die endgültige Bannbulle vom 3. Januar 1521 ist dann eigentlich nur noch das Siegel unter diese Bulle«, sagte Reinhardt. Nach Luthers Exkommunikation folgt sein Auftritt auf dem Reichstag in Worms, wo er nach eigener Darstellung den zum Mythos gewordenen Satz »Hier stehe ich, ich kann nicht anders« aussprach. Luther taucht infolgedessen auf der Wartburg unter und übersetzt das Neue Testament ins Deutsche.

Papst glaubte, Seelen aus dem Fegefeuer erlösen zu können

Reinhardt ist überzeugt, dass der Konflikt zwischen dem Papst und Luther so ausgetragen werden musste. Dahinter stünden zwei unvereinbare Auffassungen vom Papstamt. Die 95 Thesen hätten sehr radikale Forderungen aufgestellt. »Der Papst selbst war davon überzeugt, dass er Zugriff auf das Jenseits hat, dass er arme Seelen aus dem Fegefeuer erlösen kann. Er sieht sich als Verkörperung der Kirche und beansprucht das theologische Deutungsmonopol und die Auslegung der Bibel. All das wird ihm von Luther strittig gemacht«, erläuterte der Professor für Geschichte der Neuzeit an der Universität Fribourg in der Schweiz.

Luther hält Papst für den Anti-Christ

Dass Luther mit dem Ausschluss aus der Kirche bedroht wurde, sei für ihn der Beweis dafür gewesen, dass die Kirche gegen das Papsttum neu aufgebaut werden muss. »Dass der Papst der Anti-Christ ist, wird zur tragenden Säule seines Selbstverständnisses. Er sieht sich von Gott als Kämpfer gegen diesen Anti-Christen aufgerufen«, erklärte Reinhardt.

Beide Seiten sollen Anschuldigungen zurücknehmen

Evangelische und katholische Theologen haben nun an Papst Franziskus appelliert, die Bannbulle von Papst Leo X. gegen Luther außer Kraft zu setzen. Zugleich solle der Lutherische Weltbund Luthers Verdikt gegen den Papst als »Antichrist« zurücknehmen, heißt es in der kürzlich veröffentlichten Altenberger Erklärung »Versöhnung nach 500 Jahren« des Altenberger Ökumenischen Gesprächskreises.
Beide Verurteilungen stünden nach wie vor »wie Prellböcke« einer offiziellen gegenseitigen Anerkennung der evangelischen und katholischen Kirche im Wege, sagte der frühere Kölner Ökumenepfarrer Hans-Georg Link dem epd. Der 500. Jahrestag der Exkommunikation Martin Luthers am 3. Januar 2021 sei ein angemessener Zeitpunkt, diesen Anstoß endgültig aus dem Weg zu räumen.

Papst Franziskus soll Bannbulle entkräften

Die ökumenischen Bemühungen und Gespräche zwischen Katholiken und Lutheranern seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hätten dazu beigetragen, die damaligen Ereignisse in einem neuen Licht zu sehen, heißt es in der »Altenberger Erklärung«. Angesichts dieser hoffnungsvollen Entwicklungen ersuche der Altenberger Gesprächskreis Papst Franziskus, zu erklären, dass die Verurteilungen der Bannbulle von 1521 die heutigen Angehörigen evangelisch-lutherischer Kirchen nicht treffen.
An die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland richtet der Ökumene-Kreis die Bitte um ein gemeinsames öffentliches Wort des Bedauerns über die damaligen Vorgänge und der Hoffnung auf Überwindung der gegenseitigen Verurteilungen, die zur Kirchenspaltung geführt haben.epd

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top