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Urlauberkirche

Seelsorge im Strandkorb

epd/Rolf ZöllnerKirche im Strandkorb, kurz KiSK: Während der Ferienzeit steht der blaue Korb am Strand von Rerik an der Ostsee. Dort bietet Urlauberseelsorger Matthias Borchert (links) Gespräche an.

Die Angebote der Urlauberkirchen sind auch 2020 bunt, erfordern aber mehr Organisation. Der hessennassauische Pfarrer Eugen Eckert freut sich auf der ostfriesischen Insel Spieckeroog über einen Taufgottesdienst in den Dünen.

In den Urlaubsregionen an den deutschen Nord- und Ostseeküsten laufen auch die Angebote der evangelischen Kirchengemeinden wieder. Strandpastorinnen und Urlauberseelsorger nehmen die aktuelle Situation ganz unterschiedlich wahr. In St. Peter-Ording müssen Urlauber in diesem Jahr auf den wöchentlichen Familiengottesdienst in der Kirche verzichten. »Das schmerzt besonders«, sagt Diakonin Andrea Streubier.
Für Ersatz hat sie gesorgt: Die Urlauberseelsorgerin lädt jeden Freitag in den Garten des Gemeindehauses. Zum Auftakt kamen lediglich 15 Personen, zum Familiengottesdienst sind es sonst meist 80 Menschen. »Auch im Urlaub sind die Menschen vorsichtig«, sagt Streubier. Gerade Familien, die mit Großeltern Urlaub machen, bleiben wegen der Pandemie lieber unter sich.

Ungewöhnlich viele Taufen

Für Susanne Platzhoff, Pastorin in Burg auf Fehmarn, zeigt sich das Thema Corona eher im Alltag mit den Gemeindemitgliedern: etwa in Trauergesprächen. Und sie registriert ungewöhnlich viele Anmeldungen zur Taufe – nicht nur, aber auch von Urlaubern und Gästen. »Auch Erwachsene, die sich taufen lassen – das ist schon etwas Besonderes«, so Platzhoff.

E-Piano und Lautsprecher in die Dünen geschleppt

Einen besonderen Taufgottesdienst hat auch Urlauberseelsorger Eugen Eckert auf Spiekeroog gefeiert. Der Frankfurter Pfarrer war drei Wochen auf der ostfriesischen Insel. Am Strand hat er eine 13-Jährige getauft – ein Ereignis, für das sich 200 Menschen in den Dünen eingefunden haben. »Die Leute saßen mit Abstand im Sand, mit Blick aufs Meer, und haben aus vollen Kehlen gesungen«, erzählt Eckert. Mit Helferinnen und Helfern hatte er ein E-Piano und Lautsprecher an den Strand geschleppt.

Ein zweites Mal sind Besucher nicht gekommen

In früheren Jahren hat Pfarrer Eckert in der alten Inselkirche Abendandachten gefeiert, die in der Regel überfüllt waren. Das war in diesem Jahr nicht möglich. In die neue Kirche passen 500 Menschen, wegen der Corona-Pandemie dürfen zurzeit aber nur 50 Menschen den Gottesdienst besuchen. Man habe immer Besucher abweisen müssen und darauf hingewiesen, dass es einen zweiten Gottesdienst im Anschluss geben wird, sagt Eckert. Aber wenn sie erst einmal weg waren, seien die Menschen nicht wieder gekommen, bedauert er.

Nächstenliebe bedeutet Abstand halten

Auch in den Seelsorgegesprächen habe Corona eine große Rolle gespielt. Ein Teil der Menschen sei mit Vorwürfen gekommen, dass die Kirche sie ausschließe, obwohl Christen doch vor dem Tod keine Furcht zu haben brauchten. Andere berichteten von familiärer Enge während des Lockdowns und der Ungewissheit, was noch kommt. Seelsorge, so Eckert, heißt im Moment, »sich austauschen, zur Geduld auffordern und deutlich machen, dass Nächstenliebe Abstand halten bedeutet«.

Hoher Organisationsaufwand

 Tourismuspastorin Brigitte Gottuk ist Hausherrin der Schäferwagenkirche am Eckernförder Strand. Strandsegen, Gute-Nacht-Geschichten, Gottesdienste – in Eckernförde läuft die Urlaubskirche fast wie in jedem anderen Jahr. »Wir haben festgestellt, dass man trotzdem sehr viel machen kann. Nur der vorherige Organisationsaufwand ist deutlich größer«, sagt sie.
In seelsorgerischen Gesprächen ist die Pandemie dann aber doch wieder präsent. »Da geht es natürlich auch um die aktuellen Sorgen der Menschen, zum Beispiel Kurzarbeit oder ein Künstler, der seit drei Monaten keine Einnahmen mehr hat«, sagt Gottuk.
epd/esz

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