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Rheinhessen

»Dämmerschoppen« soll Dachschaden kurieren

Umtrunk auf Rädern

Karin WeberGerhard Fitting (Bild oben) schwingt die Glocke und wirbt so für den »Dämmerschoppen«.

DEXHEIM. Die Holzkonstruktion des Dachs der Kirche St. Martin ist marode. Die Gemeinde benötigt 100 000 Euro. Durch Corona lässt sie sich nicht vom Spendensammeln abhalten. Im Gegenteil – die Pandemie bietet sogar Chancen.

Karin WeberDer Roséwein geht schnell weg.

Däääämmerschoppeeeee. Gmeinsam zum Dach! Dääämmerschoppeeee.« Mit kräftiger Stimme ruft Pfarrer Gerhard Fitting in die Straßen. Immer wieder und mit großer Ausdauer. Mit einer Glocke macht er an diesem Abend auf den mit Wein beladenen Wingertswagen aufmerksam, der im Schneckentempo hinter ihm tuckert.

Geld sammeln für das marode Kirchendach

Zum dritten Mal ziehen engagierte Dexheimer gemeinsam mit ihrem Pfarrer durch den Ort. Im rollenden Dämmerschoppen sammeln sie ein Mal im Monat, im Anschluss an einen Kurzgottesdienst, Geld für das marode Dach der über 250 Jahre alten Kirche St. Martin. Diesmal sind es zwei beladene Wagen, die, gezogen von Traktoren, durch die Gassen zockeln und heimischen Wein gegen Spende abgeben. 3000 Flaschen haben Winzer hierfür gespendet. Die gilt es an den Weingenießer zu bringen.
»Bei einer Begehung unserer Kirche wurde festgestellt, dass die Holzkonstruktion des Dachs marode ist«, berichtet Beate Sieg. Seit Mitte Mai ist das Dach der Martinskirche abgedeckt. Die Verantwortlichen hoffen, dass keine weiteren Überraschungen an Licht kommen. Zusätzlich ist geplant, die Außenfassade zu renovieren. Erst im kommenden Jahr wird alles fertig sein. Die geplante Instandsetzung wird eine Menge Geld verschlingen, bisher geht der Kirchenvorstand von insgesamt 500 000 Euro aus. 400 000 Euro kommen von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EHKN), 100 000 Euro muss die Gemeinde selbst stemmen, die aus eigener Kraft allerdings nur ein Bruchteil der veranschlagten Summe aufbringen könnte. Ideen sind gefragt.

Das Programm stand schon – dann kam Corona

Um den Dachschaden zu beheben, wurde Anfang des Jahres die Fundraising-Kampagne »Gemeinsam zum Dach!« (GzD) ins Leben gerufen. Privatleute, Vereine oder Unternehmer sagten ihre Unterstützung zu. »Es gab eine große Resonanz«, blickt Sieg zurück. »Wir hatten ein tolles Programm aufgestellt mit Spendenlauf, Benefizkonzerten, Weinproben und mehr. Mit einem Frühlingsfest wollten wir im März starten. Doch dann kam Corona.«
Dennoch ist von Bitterkeit keine Spur. Denn die KV-Vorsitzende der 600 Protestanten weiß, wie die Geschichte weiterging. Zwar nicht so, wie es sich das Team inhaltlich gewünscht hatte. Gleichwohl zündete jetzt die Gemeinschaft und engagierte sich. »Gemeinsam be-Dacht«, beschreibt Pfarrer Fitting, der sich im Fundraising-Team engagiert, »machte sich ein Dorf wieder auf den Weg, Gemeinschaft und Engagement wuchsen.« Und da Corona nicht nur Beschränkungen, sondern auch Chancen bietet, nähten Frauen Mund-Nasen-Behelfsmasken und gaben sie gegen eine Spende ab. Rund 5000 Euro kamen so für das Dach herein. Die ab April geplanten Dämmerschoppen im Pfarrgarten mutierten zum monatlichen Umtrunk auf Rädern.

Gespräche am Straßenrand

Inzwischen ist die Dämmerschoppentour schon über zwei Stunden in der 1500-Seelen-Gemeinde unterwegs. Fitting wird nicht müde, den rollenden Spendentross auszurufen. Nur die laute Schelle gibt der »Rhoihessebub«, wie er sich selbst bezeichnet, ab und an gerne an seine Mitstreiterin ab. Der gebürtige Dolgesheimer zieht die Tour durch Gespräche am Straßenrand in die Länge. Er erinnert sich an die ersten beiden Fahrten: »Die Leute waren glücklich, weil man sich seit langer Zeit wieder sah. Man hat gemerkt, sie lechzen nach Begegnung – wenn auch auf Abstand.«

www.gemeinsam-zum-Dach.de

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