Evangelische Sonntags-Zeitung

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Evangelischen Sonntags-Zeitung zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Rhein-Main

Corona, Pest und Schaufenster

Geschichte

Wikimedia CommonsDas Goldhutgasse am berühmten Fünffingerplätzchen, an dem früher das Pesthaus stand.

Frankfurt. Die Frankfurter Sankt Paulsgemeinde illustriert die Folgen der Pest in der Frankfurter Altstadt und zieht Parallelen zur Corona-Pandemie.

Die Evangelische Sankt Paulsgemeinde will während der Corona-Krise und den damit verbundenen Kontaktbeschränkungen den Gewölbesaal im Erdgeschoss des Gemeindehauses Klein Nürnberg, Hinter dem Lämmchen 8 in der Neuen Altstadt, als ein wöchentlich neu gestaltetes »Schaufenster« für die Passanten zu nutzen, jeweils mit dem Sonntag beginnend.
Ab sofort ist »Als sich in Frankfurt die Pest ausbreitete« als Installation mit Fotos, Text und Gebet zu sehen. Ab Palmsonntag wird es für die Karwoche Texte, Fotos und Gebete zum 75. Todestag des Theologen und Widerständlers Dietrich Bonhoeffer geben, der am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtet wurde.

Erst die Pest, dann Bonhoeffer

Pfarrerin Andrea Braunberger-Myers weist zudem darauf hin: Die Alte Nikolaikirche der Sankt Paulsgemeinde auf dem Römerberg bleibt für Stille und persönliches Gebet täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Hier findet man Anregungen für die persönliche Andacht und Gebetstexte.
Die Große Pest von 1347/52 war die schwerste Pestepidemie, von der Europa je heimgesucht wurde. So wie heute das Coronavirus soll die Krankheit damals in China ausgebrochen sein, das zu dieser Zeit unter einer Hungersnot litt. Danach breitete sie sich entlang der Handelswege via Land und Meer in wenigen Jahren bis nach Europa aus. Zu Ostern 1349 erreichte die Pest, aus Südeuropa kommend, auf dem Landweg Frankfurt am Main.
Die bekannteste Sehenswürdigkeit des Fünffingerplätzchens in der ehemaligen Frankfurter Altstadt war das sogenannte Pesthaus (Es stand etwa an der Stelle der Treppe zur heutigen Schirn Kunsthalle.). Die Umgebung gerade des Fünffingerplätzchens zeichnete sich durch ihre Enge aus. So konnten hier auch Infektionskrankheiten am ehesten um sich greifen. Der Überlieferung nach trat die Pest an diesem Ort in Frankfurt 1349 erstmals auf.

Der »Schwarze Tod« forderte 2000 Todesopfer

Innerhalb von weniger als sieben Monaten (22. Juli 1349 bis 2. Februar 1350) forderte der »Schwarze Tod« mehr als 2000 Todesopfer in der Stadt, etwa ein Fünftel der damaligen Bevölkerung. Der Chronist Caspar Camentz hielt fest: »Am Morgen eines einzigen Tages begrub man 35 Personen ohne Glockenläuten, Kerzen und Priester ...«
1516 brach die Pest in Wittenberg aus. Großes Vertrauen zeigte Martin Luther im Oktober 1516 – ein Jahr vor dem historischen Thesenanschlag – als sein Freund Johann Lange ihm aus diesem Grund die Flucht aus Wittenberg nahelegte. Der Reformator fasste Mut und antwortete:
»Ihr rathet mir zu fliehen. Wohin soll ich fliehen? Ich denke die Welt wird nicht untergehen, wenn Bruder Martin zu Grunde geht. Aber die Brüder will ich, wenn die Pest weiter um sich greift, in alle Welt aussenden: ich aber bin hieher gestellt; um des Gehorsams willen darf ich nicht fliehen bis derselbe Gehorsam, der es mir geboten, auch das mir gebietet. Nicht, daß ich den Tod nicht fürchtete, denn ich bin kein Apostel Paulus, sondern nur sein Ausleger, ich hoffe aber, der Herr wird mich auch von dieser Furcht befreien.«

Da halft nur die Flucht

Da die Pest im Mittelalter unheilbar war, erwies sich als wirksamster Schutz nur die Flucht. Doch in jenem Herbst vor gut 500 Jahren blieb Luther in Wittenberg. Dort harrte er aus und kümmerte sich persönlich um Pestkranke. Er nahm auch durch die Pest verwaiste Kinder in seinem Hause auf.
Und heute? Während der Passionszeit sind wir eingeladen, Zuversicht zu üben, schreibt Braunberger-Myers von der Sankt Paulsgemeinde: »Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus« heißt die diesjährige Fastenaktion der Evangelischen Kirche in Deutschland. »Sie soll im Sinne Jesu Christi dazu ermuntern, Zukunftsangst und Misstrauen zu überwinden. Auch in – und erst recht – in Zeiten des Coronavirus«, findet die Pfarrerin. Von Bettina Behler

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top