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Blickpunkt

Viele Mythen um die Schlacht an den Thermopylen

Vor 2500 Jahren

Gettyimages/rudall30Wo heute eine Straße verläuft, brandete in der Antike das Meer. Der Engpass zwischen Bergen und Wasser war mit wenigen Soldaten leicht zu verteidigen.

Griechische Propaganda leistete während Perserkriegen ganze Arbeit. Bis heute heißt es, 300 Spartaner unter König Leonidas hätten an den Thermopylen ihr Leben für die Freiheit der Griechen geopfert. An diesem Mythos ist so ziemlich alles falsch.

WikimediaCommons CC-BY-SA 3.0/Fkerasar

Links erheben sich steile Berge. Rechts rauscht das Meer. Dazwischen, auf nur wenigen Dutzend Metern, stehen Soldaten Schulter an Schulter. Auf ihren Schilden prangt der griechische Buchstabe Lambda – das Zeichen für die Landschaft Lakonien mit seiner Hauptstadt Sparta. Die Spartaner unter ihrem König Leonidas richten ihre Lanzen auf das riesige Heer, das sich ihnen in diesem Engpass entgegenwälzt.

Eines der mythenumwobensten Ereignissen der Antike

Die Schlacht an den Thermopylen in Mittelgriechenland um den 11. August 480 v. Chr. herum gehört bis heute zu den mythenumwobensten Ereignissen der Antike. Hier sollen sich der Legende zufolge 300 Spartiaten – also spartanische Vollbürger – einem nach Hunderttausenden zählenden Heer des persischen Großkönigs Xerxes entgegengestellt haben und allesamt umgekommen sein. Sie hätten ihr Leben, so will es die Legende, im Freiheitskampf der Griechen geopfert, die sich gegen die Eroberung durch den persischen Despoten gewehrt hätten.
All diese Legenden sind aber genau das: Legenden. Schon der griechische Geschichtsschreiber Herodot, von dem die früheste Schilderung der Schlacht am Thermopylen-Engpass stammt, hat es mit der Wahrheit nicht allzu genau genommen. Die Perserkriege zwischen 492 und 479 v. Chr. waren kein verzweifelter Freiheitskampf der Hellenen. Die Perser hatten nie vor, Griechenland zu erobern. Und die Griechen waren an dem Waffengang alles andere als unschuldig.

Athen hat gute Gründe, die Wahrheit zu schönen

»Erhalten und prägend ist die griechische Sichtweise auf den Krieg, vor allem die athenische«, sagt die Marburger Althistorikerin Sabine Müller. Die Schriften des Herodot gäben die Perspektive Athens wider. Generationen von Historikern glaubten ihm – zumal die andere Seite, die Perser, kaum etwas Schriftliches hinterlassen hat. Wenn man sich die Vorgeschichte der Perserkriege betrachtet, ist klar, warum Athen die Wahrheit schönte. Im Jahr 507 oder 506 v. Chr. hatte die Stadt bei den Persern um Hilfe angefragt. Sie hatte Streit mit ihrem Rivalen Sparta. Artaphernes, der Bruder des persischen Großkönig Dareios, sagte Hilfe zu, forderte aber als Gegenleistung Erde und Wasser aus Athen. Dies habe »eine Unterwerfung unter die persische Hoheit« bedeutet, erklärt Müller. Athen habe damit offiziell akzeptiert, Teil des persischen Reichs zu sein.
Gleichwohl hatte Athen wenig später keine Lust mehr, sich an seine Zusage zu halten. Als 500 v. Chr. an der heutigen Westküste der Türkei, die zum persischen Reich gehörte, eine Revolte gegen den Großkönig losbrach, schickte Athen eine Flotte zur Unterstützung der Aufständischen. Diese brachten die Perser in höchste Verlegenheit und brannten die Regionalhauptstadt Sardes nieder. Dareios brauchte sechs Jahre, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen.

Dareios darf keinen Dominoeffekt zulassen

»Athen, das sich unterworfen hatte, unterstützte Rebellen gegen den Großkönig und war somit selbst zum Rebellen geworden«, erläutert die Marburger Forscherin Müller. »Um keinen Dominoeffekt durch laxe Handhabung zu erzeugen, musste Dareios die Ordnung wiederherstellen und Athen bestrafen.«
Zunächst versuchte Dareios, Athen diplomatisch zu isolieren. Seine Gesandten reisten durch die griechischen Stadtstaaten und forderten Erde und Wasser. Daraus strickten die Athener den Vorwurf, die Perser wollten ganz Griechenland beherrschen. Aber Erde und Wasser hätten keinesfalls immer Unterwerfung bedeutet, erklärt Müller: »In diesem Kontext bedeutete es nur eine Allianz.« Die Mehrheit der griechischen Stadtstaaten gab den Gesandten das Gewünschte, blieb also mindestens neutral oder stand gleich ganz aufseiten der Perser.

Größtmöglicher Affront

Einige der Hellenenstaaten jedoch wollten weder Erde noch Wasser geben. Sie gaben lieber ihr Blut. Die Athener und Spartaner entschlossen sich sogar zum größtmöglichen Affront: Sie brachten Dareios’ Boten um.
Ein erster Feldzug der Perser scheiterte: Bei Marathon siegten 490 v Chr. die verbündeten Griechen. Als Dareios 486 v. Chr. starb, erbte sein Sohn Xerxes das Hellenenproblem. Sechs Jahre darauf bricht er mit seinem Heer nach Griechenland auf. An den Thermopylen stellt sich ihnen der spartanische König Leonidas entgegen. Der Engpass zwischen Bergen und Meer ist mit wenigen Männern leicht zu verteidigen.

Möglich wäre auch ein simpler militärischer Fehler

Dennoch siegen die Perser – der Legende nach aber erst, als sie über einen Schleichpfad Leonidas’ Männer umgehen und ihnen in den Rücken fallen. Ebenso Legende ist, dass Leonidas zuvor alle seine Krieger nach Hause schickt und nur mit 300 Spartiaten ausharrt. Wahrscheinlich sind es etwa 1000, und nicht nur Spartaner. Auch das persischen Kräfte sind nicht so stark wie das Millionenheer, von dem Herodot schreibt.
»Als Opfertod war die Schlacht wohl nicht gedacht«, ordnet der Sparta-Experte Ernst Baltrusch von der Freien Universität Berlin ein. Möglich sei, dass Leonidas schlicht ein militärischer Fehler unterlaufen sei und er es verpasst habe, sich rechtzeitig zurückzuziehen. Was zutreffe, sei heute aber kaum noch festzustellen. Gleichwohl entfaltete der Mythos des standhaften Spartaners große Wirkung, schon während der Antike. Aber das sei eben ein Mythos gewesen, sagt Baltrusch. Spartanische Feldherren hätten sich durchaus auch mal zurückgezogen: »Ganz so dumm waren die Spartaner ja auch nicht.«

Die Schlacht von Plataia bringt die Entscheidung

Nach der Schlacht an den Thermopylen verwüstet das persische Heer Athen. Bei der Seeschlacht von Salamis allerdings siegen die griechischen Schiffe. Die endgültige Entscheidung bringt dann die Schlacht von Plataia 479 v. Chr.: Die Hellenen triumphieren, die Perser ziehen sich aus Griechenland zurück. Von Nils Sandrisser

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