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Blickpunkt

Brautpaare verschieben kirchliche Trauung

Hochzeit und Corona

privat/Annette Szillinsky-FliegerStandesamtlich sind Daphne und Tobias Flieger bereits getraut. Die kirchliche Hochzeit möchte das junge Paar nächstes Jahr im Juni nachholen.

FRANKFURT, MAINZ. Wochenlang bereiten sich Paare auf ihre Trauung vor. Alles soll perfekt sein, die Vorfreude ist riesig. Doch wegen der Corona-Pandemie können Hochzeiten zurzeit nicht stattfinden – zumindest nicht so, wie man sich seinen schönsten Tag im Leben vorstellt.

Die Deko liegt verpackt im Arbeitszimmer, der Gottesdienst war bis ins kleinste Detail geplant, die Liedblätter gedruckt. Alles war vorbereitet für ihren großen Tag. Nun ist klar: Das wird nichts. Robin Wagner und seine Frau Rebecca müssen ihre lang herbei gesehnte Hochzeit verschieben. Wegen Corona.

Hochzeiten in der Kirche unter strengen Auflagen

Theoretisch sind Hochzeiten auch während der Pandemie möglich. Sowohl im Standesamt als inzwischen auch wieder in der Kirche. Seit Anfang Mai sind öffentliche Gottesdienste in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und anderen Landeskirchen wieder erlaubt – mit entsprechenden Hygieneregeln. Die gelten gleichermaßen für Taufen, Konfirmationen und Trauungen.

Ohne Mund-Nasen-Schutz zum Beispiel geht aktuell auch in Gotteshäusern nichts. Ebenso den Abstand von mindestens 1,50 Meter müssen die Besucher einhalten. Gemeinsames Singen ist verboten. Die hessen-nassauische Kirchenleitung rät Heiratswilligen derzeit, mit der kirchlichen Trauung abzuwarten, bis wieder festliche Gottesdienste möglich sind, wie die EKHN auf Anfrage mitteilte.

Keine Abstriche machen

Robin und seine Frau hoffen nun auf einen neuen Termin im September. „Wir wollen keine Abstriche machen“, erzählt der 26-jährige Bräutigam. Bis zuletzt hatten sie noch gehofft. Aber unter den gegebenen Zuständen kommt eine Feier für sie nicht in Frage. „Unsere Eltern getrennt voneinander in verschiedenen Reihen, das wollten wir nicht“, erklärt Robin. Die Gäste hätten alle mit Verständnis auf die kurzfristige Absage reagiert. Das junge Paar hatte sich mit der Entscheidung nicht leicht getan. „Enttäuscht waren wir schon, aber die Vorfreude verschiebt sich jetzt einfach“, sagt der Frankfurter.

Daphne Flieger und ihr Mann waren nicht ganz so optimistisch. Die beiden 29-Jährigen aus Mainz haben ihren großen Tag auf nächstes Jahr verschoben. „Das fühlt sich besser an“, erzählt Daphne und ergänzt: „Wir haben ja auch eine Verantwortung gegenüber den Gästen.“ Auch die beiden hatten bis zuletzt die Hoffnung, dass es doch noch was wird.

Ein Trostpflaster für enttäuschte Paare bietet etwa das Bistum Fulda an: Wer seine Hochzeit verschieben musste, kann eine Art Mini-Gottesdienst feiern. Dafür kann sich das zukünftige Brautpaar zum Beispiel einen Gebetsvorschlag downloaden und am Tag der ursprünglich geplanten Hochzeit eine kleine, persönliche Messe feiern.

Standesämter mit unterschiedlichen Regelungen

Immerhin: Standesamtlich haben sich sowohl Robin und Rebecca Wagner als auch Daphne und Tobias Flieger das Ja-Wort gegeben – wenn auch zum Teil auf ungewohnte Art und Weise. 

Wegen der Kontaktbeschränkungen der Regierung, die vorerst bis 5. Juni gelten, beschränkt etwa das Standesamt Frankfurt die Hochzeitsgesellschaft auf zehn Personen inklusive Brautpaar. Auch in Darmstadt und Kassel sind maximal sechs bis acht Gäste plus Braut und Bräutigam erlaubt. In Wiesbaden und Gießen dürfen Fotografen, Trauzeugen und Gäste bis auf weiteres nicht dabei sein.

Der überwiegende Teil der Paare entschied sich trotz der Beschränkungen für eine Trauung, wie die Leiterin des Frankfurter Standesamtes, Andrea Hart, berichtet. Andere hätten einen späteren Termin vereinbart oder die Trauung zunächst ganz abgesagt. Oftmals, weil die aktuellen Bedingungen den Wunschvorstellungen des Paares nicht entsprachen, manchmal auch, weil sich einer der Partner noch im Ausland aufhalte und aufgrund der Reisebeschränkungen keine Einreiseerlaubnis erhalten hat.

Existenzängste für Fotografen

Mit diesem Problem kämpft auch der freie Fotograf Florian Heurich. Der Frankfurter macht sein Geschäft in erster Linie mit Hochzeiten – und zwar mit großen und aufwändigen Hochzeiten mit Gästen aus aller Welt. Die meisten seiner Kunden haben für diesen Sommer abgesagt, berichtet er. Viele der Gäste sollten aus dem Ausland einfliegen – wegen der aktuellen Einreise- und Quarantänevorschriften so gut wie unmöglich.

Normalerweise sei Heurich während der Sommermonate jedes Wochenende ausgebucht. Nun rechnet er damit, dass bis zu 90 Prozent der Einnahmen wegbrechen. Wenn er Glück habe, könne er vielleicht noch ein bis zwei Hochzeiten fotografieren, erzählt Heurich niedergeschlagen.

Inzwischen bietet er „Corona-Spezial-Preise“ an, damit ihn überhaupt noch jemand bucht. Bis zu seinen nächsten Hochzeits-Aufträgen hält er sich etwa mit Business-Shootings über Wasser. Die vom Staat versprochene finanzielle Hilfe für Solo-Selbstständige habe er bereits beantragt, doch das Geld reiche vorne und hinten nicht, sagt Heurich.

WhatsApp-Gruppe soll Enttäuschung lindern

Alle Beteiligten leiden unter den geplatzten Hochzeiten. Um die Zeit bis zur kirchlichen Trauung nächstes Jahr zu überbrücken, hat Daphne Flieger kurzerhand eine Art WhatsApp-Selbsthilfe-Gruppe mit anderen Bräuten gegründet. Hier tauschen sich die Frauen aus und muntern sich auf. „Jetzt kann die Vorfreude nochmal beginnen“, sagt die Journalistin. Schlimmer sei die Ungewissheit gewesen. Ein bisschen Angst habe sie jetzt nur noch, ob ihr das Hochzeitskleid bis Juni 2021 noch gefällt.

Von Carina Dobra

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