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Meinung

Nur die Rendite

esz / N. KohlheppWolfgang Weissgerber

Nach mir die Sintflut« – so denkt und handelt, wer das eigene Wohl über das Wohl und die Zukunft der anderen stellt. Das kann man verwerflich finden. Es ist aber eine zutiefst menschliche Regung, fest eingebrannt im genetischen Code, der zu allererst das eigene Überleben sichern soll. Das ist beim Vorstandschef nicht anders als beim steinzeitlichen Jäger: Gut ist, was ihm nützt. Wer Unternehmen dazu bewegen will, ihr Tun am Gemeinwohl zu orientieren, muss deren Chefinnen und Chefs davon überzeugen, dass es auch ihnen selbst und der Firma nützt.

Die Organisatoren der »Fair Finance Week« scheinen das zu wissen. Sie sind Banker, keine naiven Weltverbesserer. In ihrer Welt zählt nur eins: die Rendite. Das gilt auch für die ethischen Investments, denen sie und ihre Banken sich verschrieben haben. Was nicht profitabel ist, wird alsbald scheitern. Kein Kleinanleger, und sei er noch so beseelt vom Gedanken an eine bessere Welt ohne Ausbeutung, Krieg und Umweltverschmutzung, wird sein Erspartes auf Dauer in verlustbringende Projekte stecken. Allenfalls eine etwas schmälere Rendite wird akzeptiert.

Das Ringen um eine Begrenzung der Kohlendioxidemissionen, um eine Begrenzung des Temperaturanstiegs, der Kampf um saubere Flüsse, saubere Luft, und saubere Meere, für Frieden und Menschenrechte ist immer auch ein Ringen um Profite. Der kurzfristige Profit gefährdet jedoch möglicherweise das langfristige Überleben der Menschheit. Er sorgt zumindest für eine ungemütliche Zukunft. Das ist beim Klimawandel der Fall. Die Erwärmung der Erdatmosphäre lässt die Polkappen abschmelzen und den Meeresspiegel ansteigen. Dadurch werden ganze Küsten und Inselgruppen unter Wasser gesetzt. Landstriche versteppen oder werden zur Wüste, Stürme und Überschwemmungen nehmen zu, Hunger und Armut lösen neue Wanderungsbewegungen aus.

Hauptursache ist das exzessive Verbrennen fossiler Energieträger – Kohle, Erdöl, Erdgas – seit Beginn der Industrialisierung vor 200 Jahren. Wer die Entwicklung stoppen oder gar zurückdrehen will, wird mit Appellen nicht weit kommen. Solange damit Geld zu verdienen ist, wird das Treibhausgas Kohlendioxid weiter in die Atmosphäre gejagt. Genau da setzen Organisationen wie »urgewald« und»Fossil Free« oder »Kritische Aktionäre« an. Sie unternehmen alles, um das Geschäft damit zu verderben. Sie prangern an, sie klagen an, sie machen Stimmung und fordern Rechenschaft. Sie suchen Mehrheiten, um die Politik zum Handeln zu zwingen. Ihre Strategien sind verschieden, doch das Ziel eint sie.

Das ist mühsam, es dauert, es gibt keine Erfolgsgarantie, aber es kann funktionieren. Der Kampf gegen die Apartheid in Südafrika ist dafür ein Beispiel. Die Rassentrennung fiel auch deshalb, weil sie sich nicht mehr lohnte. Südafrika sah sich international isoliert, ausländische Konzerne froren ihre Investitionen ein, weil sie immer mehr Mühe hatten, sich dafür zu rechtfertigen, in einem Unrechtsstaat Geschäfte zu machen. Der Boykott südafrikanischer Waren tat ein Übriges.

Auch Konzernlenker sind Menschen. Sie haben wenig Lust, sich auf Aktionärsversammlungen, in der Öffentlichkeit und womöglich daheim von Kindern und Ehepartnern für ihre unsauberen Geschäfte beschimpfen zu lassen. Ein schlechtes Image ist zudem schlecht fürs Geschäft. Es gefährdet die Rendite. Schärfere Gesetze und Umweltauflagen tun das ebenfalls. Wenn die Rendite nicht mehr stimmt, wenn sich auf andere Weise mehr oder leichter Profite erwirtschaften lassen, wird das Geschäft uninteressant.

Alle können dazu beitragen, die Erderwärmung zu verhindern oder wenigstens abzumildern. Diejenigen, die sie herbeiführen, dürfen damit kein Geld mehr verdienen. Es geht darum, ihnen die Bilanzen zu verhageln. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Von Wolfgang Weissgerber

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