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Meinung

Maria zum ersten...

Die katholische Lehre lehnt die Priesterweihe für Frauen ab, weil Jesus für seine Nachfolge nur Männer auserwählt habe. Aber dafür liefert die Bibel keinen Beleg.

esz / N. KohlheppWolfgang Weissgerber

Die katholischen Frauen haben es dem Papst jetzt aber mal so richtig gezeigt! Oder etwa doch nicht? Die Freude über das Engagement der Katholikinnen und die Anerkennung für ihre Streikaktion »Maria 2.0« reicht zwar weit. Auch die evangelische Ikone Margot Käßmann hat deren Kampf für Gleichberechtigung mit einem aufmunternden »Respekt, Schwestern!« gelobt. Im großen Konzert der katholischen Weltkirche sind die deutschen Bistümer und ihre aufmüpfige Basis aber nur ein zartes Stimmchen.

Was maximal zwölf Millionen Katholikinnen in Deutschland bewegt, ist einem großen Teil von weltweit 1,3 Milliarden Gläubigen vermutlich ziemlich wurscht, weil sie es nicht anders kennen. Das evangelische Alternativprogramm fehlt in vielen überwiegend katholischen Ländern, denn außerhalb von Mittel- und Nordeuropa sowie Nordamerika sind Protestanten mit Frauen auf den Kanzeln zumeist nur eine kleine Minderheit. Wo es hingegen große evangelische Kirchen mit Frauenordination gibt, zum Beispiel auch in Tansania, entstehen über kurz oder lang entsprechende Begehrlichkeiten.

Allzu selbstgefällig sollte die evangelische Welt zudem nicht auf ihre Errungenschaften schauen. Sie sind nämlich recht neu – nach kirchlichen Maßstäben. Die 500 Jahre alten Kirchen der Reformation haben sich mindestens die ersten 400 Jahre im Punkt Frauenordination von der katholischen Kirche nicht groß unterschieden.

Eine Gegenbewegung, »Maria 1.0« gibt es übrigens auch schon, natürlich in Deutschland. Da findet eine Gruppe konservativer Katholikinnen, ihr 2000 Jahre währender Ausschluss vom Priesteramt habe sich bewährt und sei auch nur so und nicht anders gewollt. Diese Ansicht teilt auch die Mehrheit des Klerus, doch einige katholische Bischöfe in Deutschland sehen das durchaus differenziert.

Dafür gibt es gute Gründe. Nach reiner katholischer Lehre bleibt das Priesteramt Frauen verwehrt, weil Jesus sich im engsten Kreise nur mit Männern umgeben habe, seinen Jüngern. Doch nicht einmal das ist unumstritten und kein Beleg dafür, dass der Heiland keine Frauen in seiner Nachfolge sehen wollte. Schließlich zählt die Bibel (Lukas 1, 1-3) in seinem Gefolge auch einige Frauen auf, drei von ihnen sogar namentlich. Frauen waren es auch, die als erste von der Auferstehung berichteten.

»Maria 2.0« emanzipiert die Mutter Gottes von der demütigen Dienerin. »Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast«, heißt es dazu im Lukasevangelium (1,38). Im selben Kapitel sagt Maria dann aber, Gott »stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen« (1,52). Das klingt nach Umsturz. Maria, die Dienerin, oder Maria, die Kämpferin – das sollen die katholischen Theologinnen (die gibt es ja längst) und Theologen mal schön unter sich ausmachen.

Es gab im Leben Jesu aber noch eine andere Frau. Die hieß ebenfalls Maria, stammte aus Magdala. Ob der Frauenprotest auch diese Maria meint? Vielleicht war sie seine Geliebte, womöglich gar seine Frau. So fest gefügt wie heute gab es das Institut der Ehe in der Antike nicht. Diese Maria Magdalena gibt mitunter Anlass zu den kühnsten Spekulationen, ebenso kühn wie der Gedanke von Jesu Auferstehung.

Angeblich war Jesus gar nicht wirklich tot, sondern am Kreuz nur in eine Art Koma gefallen. Manche Wissenschaftler wollen das aus der Überlieferung seiner Hinrichtung herauslesen. Nach weiteren wilden Spekulationen ist er mit seiner Maria auf und davon in den Himalaya, wo er glücklich und zufrieden bis ans Ende seiner Tage lebte.

Dann sitzt der Heiland jetzt vielleicht da oben mit Frau und Mutter Maria im Kreise seiner Kinder und Enkel und lacht sich scheckig, wie sein Bodenpersonal herumeiert in der Frauenfrage. Vielleicht ist er auch einfach nur entsetzt.

Von Wolfgang Weissgerber

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