Evangelische Sonntags-Zeitung

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Evangelischen Sonntags-Zeitung zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Meinung

Lohnendes Ziel

esz / N. KohlheppRenate Haller

Jahrelang waren die Schlagzeilen erfreulich, der Hunger in der Welt wurde weniger. Der Welthungerindex 2018 sieht nun eine Umkehr. Er nennt 821 Millionen Menschen auf der Welt, die hungern . Das sind 26 Millionen mehr als noch vor drei Jahren.

Dennoch gibt es eine gute Nachricht. Die Welt ist weit entfernt von den mehr als eine Milliarde Menschen, die noch 1990 nicht genug zum Essen hatten. Die große Frage ist, welcher Trend sich durchsetzt – der aktuelle mit den wieder steigenden Hungerzahlen oder der langfristige?

Der Welthungerbericht zeigt eine enge Beziehung zwischen Konflikten, Vertreibung und Flucht sowie dem Hunger. »In Ländern mit bewaffneten Konflikten ist der Hunger doppelt so hoch wie im Rest der Welt«, sagt die Welthungerhilfe. Denn wo es Krieg gibt, fliehen Menschen und geraten in Not. Bei derzeit 68,5 Millionen Flüchtlingen muss sich dann auch niemand mehr wundern, dass bei immer mehr Menschen der Teller leer bleibt.

Die Gründe für das Elend sind vielfältig und oft kompliziert. Neben Krieg und Vertreibung spielen Handelsbeziehungen eine Rolle, etwa subventionierte Lebensmittel aus Europa, die afrikanische Märkte kaputt machen. Oder monopolisierte Märkte für Saatgut, die Kleinbauern in den Ruin treiben. Aber auch Regierungsvertreter, die nur ihr eigenes Wohlergehen im Sinn haben, und das Bevölkerungswachstum in Afrika sind wenig zuträglich beim Versuch, alle satt zu bekommen. Die Zahl von derzeit rund 1,25 Milliarden Afrikanern soll bis 2050 auf das Doppelte steigen.

Ein weiteres, gravierendes Problem ist die Klimaerwärmung. Dürren und Flutkatastrophen vernichten Ernten, der Anstieg des Meeresspiegels nimmt Menschen fruchtbares Ackerland und ihre Heimat. Vergangene Woche haben Forscher die aktuelle Bestandsaufnahme zur Veränderung des Klimas vorgelegt. Das Ergebnis: Die Begrenzung der Erderwärmung um 1,5 Grad ist theoretisch möglich, bedarf praktisch aber sofortiger und großer Anstrengungen. So muss etwa bis 2050 der Kohlendioxidausstoß auf Null gesunken sein.

Klimaflüchtlinge gibt es schon heute, und alle Prognosen weisen auf die Zunahme ihrer Zahl hin. Gelingt es aber, die Erwärmung des Planeten einzudämmen, hat das auch Folgen für die Flüchtlingsbewegungen. Bei einer Einhaltung des 1,5-Grad-Zieles können Millionen Menschen mehr in ihren Dörfern und Städten bleiben als bei einem Anstieg um zwei Grad. Eine Aussicht, die selbstverständlich nicht nur, aber auch Deutschland zum Handeln motivieren sollte: zum Ausstieg aus der Verbrennung von Kohle, zum Umstieg auf erneuerbare Energien, zu einer klimaneutralen Landwirtschaft, zum Ausbau des ÖPNV.

Seit Jahrzehnten bemühen sich Industriestaaten mit ihrer Entwicklungshilfe, viele Non-Profit-Organisationen und auch die Kirchen darum, die Entwicklungsländer in ihrem Kampf gegen den Hunger zu unterstützen. Der langfristige Trend zeigt Erfolg, unter anderem ist die Kindersterblichkeit halbiert.

Das zeigt, dass Entwicklungsprogramme nicht – zumindest nicht alle – unnütz sind. Ob sie immer effektiv sind, darf allerdings bezweifelt werden. Deutlich wird mit den aktuellen Zahlen aber einmal mehr die politische Dimension des Hungers. Dort, wo es Regierungen nicht gelingt, ihren Bürgerinnen und Bürgern Frieden und stabile Lebensverhältnisse zu bieten, suchen die Menschen ihr Überleben in der Flucht. Die viel beschworene Beseitigung der Fluchtursachen mag man zwar schon nicht mehr hören, aber an ihr führt kein Weg vorbei.

Langfristig müssen globale Entwicklungen dazu führen, Kriege zu vermeiden und die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Ansonsten hat die Weltgemeinschaft keine Chance, das 2015 proklamierte Ziel von »Null Hunger 2030« zu erreichen. Ein anspruchsvolles Ziel, das jede Anstrengung wert ist.

Von Renate Haller

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top